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Wenn die Seele hungert

Neulich hat mich eine Zeitungsmeldung sehr gefreut: Spanien sagt dem Schlankheitswahn den Kampf an! Auf der Madrider Modewoche "Pasarela Cibeles" dürfen zu dünne Models nicht mehr über den Laufsteg tigern. Fast 30 - 40 % der Models, die noch letztes Jahr an der Modenschau teilnahmen, sind dieses Jahr gesperrt. Das Auswahlkriterium ist der BMI (Body Mass Index), der bei mindestens 18 liegen muss. Dünnere Models müssen zuhause bleiben. Die Begründung: Zu schlanke Models seien ein schlechtes Vorbild vor allem für Jugendliche und animierten zur Magersucht. 

Nun ist ein BMI von 18 nicht gerade die Welt - eine Frau von 1,75 m Körpergröße muss danach beispielsweise mindestens 56 Kilo wiegen, ist also immer noch weit von dem entfernt, was die meisten von uns täglich auf die Waage bringen. Aber immerhin ist es ein Anfang. Genauso wie die Dove-Werbung, die mit "normalen" Frauen wirbt. Keine Frage, auch an denen wurde sicher noch einiges herumkorrigiert. Retouche und Bildbearbeitung sind nun mal Standard in der Mode- und Kosmetikbranche. Dennoch sind die Silhouetten dieser Frauen weit näher am weiblichen Alltag dran als die der magersüchtigen Top-Models. Vermeintliche Schönheitsfehler werden ebenfalls gezielt hinterfragt, beispielsweise Sommersprossen oder die "falsche" Haarfarbe. Wir wollen uns hier nichts vormachen: natürlich ist das Hauptziel dieser Werbung immer noch das Verkaufen von Produkten, und das erreicht man nun mal prima per Aufmerksamkeit. Und wie könnte man die besser wecken, indem man mal - zumindest scheinbar - gezielt gegen den Strom schwimmt? Reine Menschenfreunde sind die Werbemacher daher sicherlich nicht. Trotzdem, siehe oben: ein Anfang. 

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Magersucht (Anorexia nervosa) beginnt meist mit dem Wunsch, schlank zu sein oder zu werden. Viele Betroffene schlittern über eine Diät in die Krankheit hinein. Irgendwann gerät die Hungerkur außer Kontrolle bzw. beginnt das ganze Leben zu beherrschen. Die Angst vor Gewichtszunahme wird so groß, dass eine strikte Kontrolle der Nahrungsaufnahme stattfindet - bis hin zu kompletter Essensverweigerung. Das Teuflische an der Sache: Die Erkrankten entwickeln ein immer verzerrteres Körperbild, das dazu führt, dass sie sich selbst als fett und aufgequollen wahrnehmen, selbst wenn sie in Wirklichkeit längst nur noch aus Haut und Knochen bestehen. Lässt man in einer Therapie eine Magersüchtige ein Bild von sich selbst malen, weichen die Körperumrisse stets weit von der Realität ab. Die meisten sind dann völlig verblüfft, wenn sie sich auf ein großes Blatt Papier legen und die Therapeutin mit einem Stift ihren Körperumfang abfährt. Nie käme man auf den Gedanken, dass beide Bilder dieselbe Person zeigen. 

Es gilt als gesichert, dass das vorherrschende Schlankheitsideal einer der Gründe ist, warum die Krankheit in den letzten Jahrzehnten rapide auf dem Vormarsch ist. Vor allem junge Mädchen in der Pubertät sind betroffen, es häufen sich aber auch zunehmend die Berichte über ältere Frauen und auch immer mehr Männer, die erkranken. Selbstverständlich ist der Schönheitswahn nicht der einzige Grund, sonst müssten ja alle Frauen und Mädchen magersüchtig werden. Zusätzliche Belastungsfaktoren müssen dazu kommen, beispielsweise bestimmte problematische familiäre Strukturen, ein ausgeprägter Kontrollwunsch der Betroffenen, oft auch eine Weigerung, den Übergang vom Mädchen zur Frau zu vollziehen. Auch Traumata wie sexuelle Misshandlungen kommen als Auslöser in Frage. Die Dunkelziffer der Erkrankung ist sehr hoch, da kaum ein/e Betroffene/r von sich aus Hilfe sucht und die meisten die Störung aus Scham vor ihrem Umfeld - oft sehr geschickt - verbergen. Vorsichtige Schätzungen bewegen sich zwischen 2 und 20 % aller Frauen, die im Laufe ihres Lebens eine Essstörung entwickeln (entweder Magersucht oder Bulimie). Der Anteil der erkrankten Männer ist sehr viel geringer, aber im Wachsen begriffen.  

Die Folgen einer Anorexie sind gravierend. Der Stoffwechsel verlangsamt sich durch den extremen Gewichtsverlust, es kommt zu Mangelerscheinungen wie Osteoporose. Fingernägel, Haare und Haut werden geschädigt. Gefährlich ist vor allem die andauernde Unterversorgung der Organe mit Nährstoffen, die bis hin zum kompletten Organversagen führen kann. Die Betroffenen leiden unter Schwindel, Kreislaufschwäche und Konzentrationsstörungen. Bei jungen Frauen kommt es zu einem Wachstumsstopp bzw. einer verlangsamten Pubertätsentwicklung. Schließlich bleibt bei ihnen auch die Periode aus. 10 % der Erkrankten sterben.

Oft ist es für Angehörige und Freunde schwierig, die Krankheit überhaupt im Frühstadium zu erkennen (wer hat von uns noch nie heimlich eine Freundin beneidet, die plötzlich drei Kleidergrößen kleiner trug?). Selbst wenn offensichtlich wird, dass hier irgend etwas nicht stimmt, ist es schwer, an die Betroffenen heranzukommen, da diese sich häufig sehr von ihrem sozialen Umfeld zurückziehen und meist keinerlei Krankheitseinsicht haben (natürlich nicht, sie selbst empfinden sich ja immer noch als viel zu dick und verstehen gar nicht, warum die anderen so einen Wirbel ums Essen machen). Richtig gefährlich wird es ab einem BMI von 13 und weniger, ab hier lässt sich eine Zwangsernährung im Krankenhaus nicht mehr vermeiden, um die Betroffenen überhaupt am Leben zu halten. Damit löst sich aber natürlich nicht das zugrunde liegende Problem. Eine psychotherapeutische Begleitung ist daher unbedingt notwendig. Ob man sich dann eher für den familientherapeutischen (systemischen) Ansatz, den kognitiv-verhaltenstherapeutischen oder den psychoanalytischen entscheidet, ist Glaubenssache. Hauptsache, man sucht sich Unterstützung. 

So oder so - es ist Zeit, dem Perfektionszwang auch und gerade in der Werbung die Stirn zu bieten. Es gibt noch andere Werte als die vollkommene Schönheit. Cindy Crawford ist ein gutes Beispiel. Zu Beginn ihrer Laufbahn wurde ihr dringend nahe gelegt, sich den kleinen Leberfleck über ihrer Lippe entfernen zu lassen, um ihr Gesicht noch ebenmäßiger zu gestalten. Sie weigerte sich - und er wurde ihr Markenzeichen, das gewisse Etwas, das sie aus der gesichtslosen Masse von Models heraushob. Oder denken wir an Isabella Rossellini. Ganz sicher hätte sie genug Geld gehabt, sich die kleine Ecke, die an ihrem Schneidezahn fehlt, überkronen zu lassen. Aber wäre ihr Lächeln dann noch immer so charmant und anziehend? Oder doch einfach eine Spur langweiliger, unpersönlicher? Von ihr stammt übrigens auch das Zitat: "Perfektion ist als Norm zu betrachten und Unvollkommenheit als das Individuelle, Einzigartige, Unverwechselbare." Das sollte doch bei jedem Mädchen ganz vorne im Poesiealbum stehen, oder?

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