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Selbstvertrauen - sich selbst vertrauen lernen (Teil 1)


Vergangene Woche ist mir in den Gesprächen mit meinen Klienten mal wieder aufgefallen, wie viele ihrer Sorgen und Nöte sich an den Begriffen Selbstvertrauen, Selbstachtung, Selbstwertgefühl oder Selbstbewusstsein festmachen ließen - oder vielmehr an dem Mangel daran. Ob das jetzt der junge Mann war, der so gerne sein Single-Dasein beenden würde, aber eigentlich kaum noch Hoffnung darauf hat, weil er an sich selbst so gar nichts Liebenswertes entdecken kann. Oder die Frau in den besten Jahren, deren Kinder aus dem Gröbsten raus sind, so dass einer Rückkehr in den Beruf nichts mehr im Wege steht - außer ihrer festen Überzeugung, dass sie einem Arbeitstag und seinen Anforderungen ganz bestimmt nicht gewachsen sein wird. Oder die bildhübsche Mittzwanzigerin, die eine lebenswichtige Operation viel zu lange hinausgeschoben hat, weil ihr der Gedanke an eine Narbe, die ihren ansonsten perfekten Körper in ihren Augen verunstalten würde, allzu schrecklich erschien. Irgendwie lief es immer auf dasselbe hinaus: „Ich mag mich nicht.“ „Ich bin nicht gut genug, so wie ich bin.“ „Ich bin wertlos, wenn ich nicht perfekt bin.“ „Ich bin unfähig.“

Selbstvertrauen, Selbstachtung, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein - sie alle haben ihre Wurzeln letzten Endes darin, dass man sich selbst annimmt und zu sich stehen kann, und zwar mit allen Stärken und Schwächen, die einen als Person ausmachen. Wer Glück hat, hat eine ordentliche Portion in seiner Kindheit mitbekommen: er hatte Eltern, deren Ansprüche nicht zu hoch (und damit überfordernd) und nicht zu niedrig (und damit kein Anreiz zu optimaler Entwicklung) waren und denen er gut gerecht werden konnte. Er hat vielleicht viele positive Impulse von zu Hause und anderen Menschen erhalten, ist gelobt worden, hat Zuneigung und Interesse bekommen und die Erfahrung gemacht, dass andere ihn mochten, unabhängig von dem, was er leistete oder auch nicht. Wenn er ein echtes Sonnenkind war, hatte er auch noch Glück mit seinen Freunden und Mitschülern - was man heute so peer group nennt - und wurde akzeptiert und integriert, so dass er sich wohl und angenommen fühlen konnte. Auf diesem „Nährboden“ entsteht dann im Regelfall ein recht solides Selbstwertgefühl, die Idee, dass man selbst ganz okay ist, wie man ist, und dass man mit den Anforderungen des Lebens schon irgendwie zurecht kommen wird, vielleicht mal besser, mal schlechter, aber im Großen und Ganzen zufriedenstellend. Kleinere Missgeschicke oder negative Erfahrungen kann man dann gelassen hinnehmen; sie stellen einen als Person in den eigenen Augen nicht gleich komplett in Frage.

Leider haben nicht alle Menschen so viel Glück in ihrer Kindheit. Selbst wenn man traumatische Erfahrungen wie Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuellen Missbrauch mal ausklammert - denn dass auf diesem Boden nur schwer so etwas wie Selbstwertgefühl wachsen kann, ist wohl jedem klar - bleiben doch bei vielen genügend äußere Bedingungen übrig, die dazu führen, dass sie nur wenig Selbstachtung aufbauen können: das Gefühl, den Ansprüchen der Eltern nie oder nur selten zu genügen; Hänseleien, Spott oder Mobbing durch Gleichaltrige; eine Außenseiterrolle aufgrund irgendwelcher äußerer (gesellschaftlicher oder persönlicher) Umstände oder einfach das Fehlen von positiver Unterstützung, Lob, Anerkennung und Ermutigung. Die Folge davon ist oft eine übertrieben selbstkritische Einstellung, mit der die Menschen sich dann selbst das Leben ungeheuer schwer machen können. Speziell viele Idealisten und viele Realisten können davon vermutlich ein Lied singen - übrigens auch sicher der eine oder andere Denker-Typ, nur gibt der das sich selbst und anderen gegenüber meist nicht so offen zu. Macher-Typen sind meist vom Naturell her etwas weniger anfällig für diese Tendenzen, was aber nicht bedeutet, dass sie immun dagegen sind: Hier spielen Umwelt und Lernerfahrungen einfach eine sehr zentrale Rolle und formen die Persönlichkeit weit stärker als in manch anderen Bereichen.

Aber heißt das nun, dass man sich nun für den Rest seines Lebens mit dem Ausmaß an Selbstwert, Selbstvertrauen und Selbstachtung zufrieden geben muss, das man in der Kindheit nun mal mitbekommen hat? Natürlich nicht! (Wenn ich das glauben würde, wäre ich ja im falschen Beruf gelandet!) Man kann die Vorgaben ändern und sein Selbstwert-Konto ins Positive verändern. Es erfordert allerdings einiges an Anstrengung und Selbstdisziplin. Aber es ist die Sache wert!

Wer mag, kann sich als ersten Schritt mal ein paar Gedanken dazu machen, wo sein gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl vermutlich herstammt. Welche wichtigen Bezugspersonen in Kindheit und Jugend haben dir denn das Gefühl vermittelt, du seist nicht in Ordnung, wie du bist? Oder du seist bestimmten Situationen und Herausforderungen nicht gewachsen? Hast du zum Beispiel oft gehört, dass du etwas nicht kannst (oder nicht so gut wie dein Bruder / deine Schwester)? Oder herrschte bei dir zuhause vielleicht einfach auch die schwäbische Devise: „nicht schimpfen ist genug Lob!“ vor? Wurdest du eher unterstützt, ermuntert, angefeuert, wenn etwas schwierig erschien? Oder sehr stark behütet, in Watte gepackt, oft mit Ausrufen wie „Vorsicht!“ oder „lass das, das ist zu gefährlich!“ gebremst? Dann können hier Wurzeln deines geringen Selbstvertrauens zu suchen sein.

Es ist aber nicht notwendig, dass du dich lange mit der Frage nach dem „warum“ und „woher“ beschäftigst. Viel wichtiger sind natürlich die Schritte zur Veränderung - falls du zu dem Ergebnis gekommen bist, dass bei dir eine Veränderung sinnvoll und wünschenswert wäre. Und der erste Schritt ist - wie so oft - mal wieder die Selbstbeobachtung. Dazu solltest du für eine gewisse Zeit, vielleicht mal so ein, zwei Wochen zumindest, deinen „inneren Dialog“ so weit wie möglich protokollieren, sobald du merkst, dass du wieder mal dabei bist, dich selbst innerlich zu kritisieren. Ich gebe es zu, es bedeutet einen gewissen Aufwand. Aber ich habe ja gesagt, dass es Arbeit machen würde, etwas so Tiefsitzendes wie das Selbstwertgefühl dauerhaft zu verändern! Ganz ohne Anstrengung geht es leider nicht!

Notiere dir also für den von dir festgelegten Zeitraum zu folgenden Punkten jeweils ein paar Stichwörter, sobald dir Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit, das Gefühl von Wertlosigkeit oder auch Angst vor einer Herausforderung mal wieder das Leben schwer machen:
  • Datum und Zeit
  • Situation (Wo warst du, was hast du gemacht, wer war bei dir, was hast du erlebt, woran hast du gedacht?)
  • Gefühle und Körperempfindungen (Warst du eher traurig, wütend, hast du dich geschämt? Wo im Körper hast du als erstes gespürt, dass es dir nicht gut ging?)
  • Gedanken (Welche selbstkritischen Aussagen hast du dir innerlich selbst zugerufen? Welche inneren Bilder haben dir zu schaffen gemacht?)
  • Verhalten (Wie haben deine selbstkritischen Gedanken dein Verhalten beeinflusst? Hast du z. B. etwas nicht getan aus Angst, es nicht gut genug zu machen? Bist du einer Situation aus dem Weg gegangen? Hast du dir etwas nicht gegönnt, worauf du dich eigentlich gefreut hattest?)

Wenn du das für ein paar Tage mal möglichst systematisch durchhältst, bekommst du wahrscheinlich ein recht deutliches Bild davon, welche Situationen, äußeren oder inneren Umstände speziell bei dir die Entstehung selbstkritischer Gedanken begünstigen; wann solche Gedanken häufig oder sogar immer auftreten, und wann vielleicht selten oder nie. Außerdem kannst du dir so ein bisschen selbst über die Schulter dabei zuschauen, wie du dich selbst behandelst - aller Voraussicht nach ziemlich unbarmherzig und streng, möchte ich meinen. Und du bekommst ein besseres Gefühl dafür, wobei und in welchem Umfang deine selbstkritischen Gedanken dein ganz normales alltägliches Verhalten beeinflussen: wo sie dir im Weg stehen (weil du dir Sachen schon von vornherein gar nicht erst zutraust), wo sie dir Kraft und Energie rauben (weil du nicht aufhören kannst, dich selbst zu zerfleischen, wenn etwas mal daneben geht) und wo sie deine Wahrnehmung von der Welt trüben (weil du fälschlicherweise annimmst, jeder andere Mensch würde dich genauso unbarmherzig und hart verurteilen wie du dich selbst).

Wie immer ist die Bestandsaufnahme aber natürlich nur der Anfang des Ganzen - im nächsten Schritt lernst du, wie du deinen „inneren Dialog“ mit dir selbst langsam und behutsam so verändern kannst, dass er hilfreicher und aufbauender ausfällt! Daher: Fortsetzung folgt!

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