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Dem Empty Nest Syndrom frühzeitig vorbeugen

Freunde von uns sind vergangene Woche grade zum ersten Mal Eltern geworden - ein bildhübsches kleines Mädchen, große dunkle Augen, dichter dunkler Haarschopf, und das Ganze verpackt in bonbonrosa Flanell. Einfach unwiderstehlich! Auch, nachdem man das 338. Handy-Foto bewundern musste. Gibt ja auch wirklich viele Perspektiven und Situationen, in denen man so einen neuen kleinen Erdenbürger ablichten kann! Vor allem der frisch gebackene Papi weiß sich überhaupt nicht zu lassen vor Begeisterung. Nach eigenem Bekunden (ich denke mir so was nicht aus, ehrlich!!) sitzt er gelegentlich zwei bis drei Stunden einfach nur mit offenem Mund neben ihrem Bettchen und schaut der Kleinen beim Schlafen zu. Süß, oder? Finde ich auch. Ich sehe schon mit großer Freude dem Tag in vierzehn, fünfzehn Jahren entgegen, an dem die Zuckerschnecke das erste Mal einen pickligen Jüngling mit nach Hause bringt und ihrem Papa als ihre erste Liebe präsentiert. Hoffentlich kann ich da Mäuschen spielen! Das wird sicher lustig, wenn Papi dann der Kamm schwillt und er den Frechling, der sich da an sein Juwel heranzumachen wagt, einen Kopf kürzer macht ...

Jaja, die lieben Eltern, die lieben Kleinen und das Flüggewerden. Immer wieder ein Thema, auch in Therapien und Beratungen. Zugegeben, bei unserem Neuzugang liegt der Tag noch in weiter Ferne, aber irgendwann kommt er. Und eigentlich ist das ja auch gut so. Es stellt sich also die Frage: Warum fällt es so vielen Eltern so schwer, ihren Nachwuchs loszulassen, wenn es so weit ist?

Das hat zunächst und vor allem mit dem intensiven Beschützerinstinkt zu tun, den natürlich alle Eltern ihren Kindern gegenüber haben. Sie fürchten, das Kind könnte irgendwie zu Schaden kommen - und sei es auch „nur“ in Form einer unschönen Erfahrung oder Enttäuschung (wer weiß, ob der picklige Jüngling ihr nicht das Herz bricht? oder sie, Gott behüte, ungewollt schwängert, weil er zu doof ist, ein Kondom zu benutzen?). Oder sie zweifeln gar daran, dass ihr Nachwuchs einer neuen Situation überhaupt gewachsen ist („Nein, wir lassen sie dieses Jahr noch nicht einschulen, wir warten lieber noch ein Jahr!“). Daneben spielen aber auch eindeutig egoistischere Aspekte eine Rolle: Je weniger die Kinder von der elterlichen Fürsorge abhängig werden, desto mehr schwindet für Eltern (gerade für Mütter) schließlich oft ein wesentlicher Lebenssinn und -inhalt stückweise dahin. Das ist schwer zu ertragen. Gleichzeitig fürchten manche Eltern bewusst oder unbewusst, ein zu selbständiges Kind könnte ihnen abhanden kommen und sie irgendwann ganz oder überwiegend alleine zurück lassen. Das Erwachsenwerden der Kinder macht Eltern auch ihr eigenes Älter- oder Altwerden bewusst und löst deshalb viele Unsicherheiten und Ängste aus.

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Für manche Eltern - in dem Fall für die Mütter - beginnt der erste Abschiedsschmerz schon mit dem Abstillen des Babys. Und schon hier treibt die Neigung mancher Mütter, diesen Schmerz so weit wie möglich hinauszögern, in meinen Augen ausgesprochen seltsame Blüten. Der in den letzten Jahren wieder vermehrt aufgekommene Trend zum Langzeitstillen beispielsweise (wobei wir hier nicht von der Frage reden, ob nun sechs oder zwölf Monate, sondern eher, ob denn das Kind unbedingt noch vor der Einschulung abgestillt werden muss, oder ob man nicht lieber auch noch länger ...?) ist meiner Meinung nach keineswegs einer, der dem Wohl des Kindes dient (auch wenn seine Befürworterinnen natürlich genau das behaupten). Vielmehr sehe ich dahinter in erster Linie Mütter, die nicht wollen, dass diese Phase der besonders engen Bindung ihres Kindes an sie endet, weil sie wahrscheinlich schon das Durchtrennen der Nabelschnur am liebsten verhindert hätten. Aber das sind natürlich Extremfälle.

Der Eintritt in den Kindergarten ist tatsächlich für sehr viele Eltern ein ganz schwerer Moment, weil er den ersten großen Entwicklungsschritt des Kindes hinaus ins Leben und die Unabhängigkeit symbolisiert, und einige Jahre später wartet dann der erste Schultag; auch der eine Herausforderung in Sachen Abnabelung und Loslassen der Kinder. (Übrigens wage ich zu behaupten, dass die viel propagierte „Schulangst“ vieler Kinder, die Heerscharen von Kindertherapeuten beschäftigt hält, schlicht nichts anderes ist, als die von ihnen in kindlicher Loyalität unbewusst widergespiegelte Trennungsangst der Eltern. Wären diese Eltern besser im Loslassen, müssten ihre Kinder auch keine „Schulangst“ an den Tag legen. Aber das nur am Rande.)

Ganz schwierig ist für viele Eltern noch einmal die Pubertät, wenn sich ihr anhängliches Schmusekind scheinbar über Nacht in einen stacheligen Kaktus verwandelt und ein „Eintritt verboten!“-Schild an seine Tür hängt. (Und erstmals besagten pickligen Jüngling bzw. pickligen Backfisch mit heimbringt!
Und eine richtig große Hürde in Sachen Loslassen ist für die allermeisten dann natürlich auch noch mal der reale Auszug des Kindes aus dem gemeinsamen Haushalt. Welcher von all diesen „Loslass-Schritten“ am schwierigsten erlebt wird, hat mit vielen Faktoren zu tun: der jeweiligen Situation der Eltern (z. B. „hauptamtliche“ versus berufstätige Mutter), der Qualität der Partnerschaft insgesamt (trägt sie auch jenseits der Elternschaft oder verbindet uns außer den Kindern eigentlich nichts mehr?), der Persönlichkeit des Kindes (ist es von Natur aus eher ängstlich-zurückhaltend oder eher forsch-unternehmungslustig?) und vielem mehr.
So oder so: Je früher Eltern anfangen, „kleine“ Abschiede zu üben, desto leichter fallen ihnen meiner Erfahrung nach später auch die größeren (und vice versa). Das bedeutet: Von Anfang an sollten Eltern jede Gelegenheit nutzen, die Kinder auch mal abzugeben, gerne auch mal über Nacht zu Oma und Opa oder einem Freund. Diese freie Zeit sollten sie dann bitte erstens als Paar-Zeit nutzen - neben der Elternschaft bleibt man nämlich auch noch Teil eines Paares, und je besser die Partnerschaft die Jahre über gepflegt wird, desto weniger schmerzhaft wird auch das Loslassen der Kinder erlebt. Und zweitens als persönlichen Freiraum pflegen: für Hobbys, Freizeitaktivitäten, berufliches Engagement, Weiterbildung oder was immer einem Spaß macht. Je erfüllter das Leben der Eltern auch neben und jenseits der Kinder ist, desto geringer ist das Vakuum, das diese bei ihrem Fortgang hinterlassen.

Eltern, die mir erzählen, dass ihr Kind „einfach bei niemand anderem bleiben will“ oder die behaupten, sie hätten „keine Möglichkeit, das Kind anderweitig unterzubringen“, haben bei mir einen schweren Stand. (Nicht wenige ziehen es an diesem Punkt übrigens auch vor, sich jemand „Verständnisvolleren“ als Familientherapeuten zu suchen!) Sicher gebundene Kinder, die spüren, dass sie ihren Eltern (!) ihre Abwesenheit zumuten können, ohne dass die Eltern (!) darunter leiden, haben in den seltensten Fällen ein Problem damit, wenn sie für ein paar Stunden oder auch über Nacht in (selbstverständlich gute und liebevolle) vertraute andere Hände abgegeben werden. Hinter einem Kind, das sich (mal abgesehen von der klassischen Fremdelphase im ersten Lebensjahr), solchen Situationen beharrlich verweigert, steckt meiner Erfahrung nach immer mindestens ein Elternteil, dessen (oft auch unbewusste) Trennungsangst die des Kindes bei weitem übersteigt. In Wahrheit hat dann gar nicht das Kind ein Problem, sondern der Elternteil!

Eltern sollten die kleinen Abschiede, die mit Entwicklungsschritten des Kindes verbunden sind, am besten immer angemessen feiern. Bei Kindergarteneintritt und erstem Schultag gibt es dafür schon feste Rituale, aber auch alle anderen Neubeginne sollten Eltern gebührend zelebrieren. Schließlich ist es jedes Mal ein Erfolg und eine weitere große Erziehungsleistung, die sich hier manifestieren! Denn muss es nicht das oberste Ziel jeder (nicht-egoistischen) Erziehung sein, das Kind von den Eltern unabhängig und selbständig werden zu lassen? Es gibt also etwas zu feiern, nicht etwas zu betrauern oder zu fürchten! Eltern können da ganz entspannt auf das unauflösliche Band vertrauen, das zwischen Eltern und Kindern besteht: Kinder bleiben einem erhalten, auch und gerade dann, wenn sie ihr eigenes Leben leben dürfen.

Und auch für die Eltern bieten diese Loslass-Schritte doch so viele Chancen und Möglichkeiten! Gerade Mütter schieben ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse zugunsten der der Kinder oft jahrelang weit in den Hintergrund. Bei Babys und Kleinkindern ist das in der Regel auch unumgänglich, aber mit jedem Schritt in Richtung Selbständigkeit gewinnt die Mutter auch ein Stückchen persönlicher Freiheit zurück. Die kann sie nutzen, um sich wieder mehr sich selbst zuzuwenden: wieder eigene Ziele verfolgen, sich beruflich (wieder) stärker engagieren, Freizeitaktivitäten, Kontakte und ihre Partnerschaft intensiver pflegen. Das schützt sie davor, irgendwann keine andere Identität mehr als die der hauptamtlichen Mutter und die damit verbundenen Lebensziele zu haben. Ansonsten wird sie beim endgültigen Weggang der Kinder natürlich in eine tiefe Sinnkrise stürzen - aber das muss nicht sein und sollte auch nicht sein! In ihrem eigenen Interesse, aber auch im Interesse der Kinder: Die neigen nämlich ohnehin viel zu sehr dafür, sich ab frühester Kindheit und in ganz unangemessener Weise für das Wohlergehen ihrer Eltern verantwortlich zu fühlen. Wenn sie dann erleben, dass die Eltern klammern, vermittelt ihnen das gleich zwei ungute Botschaften: Erstens, dass die Eltern ihnen die jeweiligen Schritte in Selbständigkeit nicht zutrauen (das ist nicht gerade hilfreich für ihr Selbstwertgefühl). Und zweitens entstehen bei ihnen, wenn sie die Eltern unter ihre Abnabelung sehr leiden sehen, Schuldgefühle, die völlig fehl am Platz sind und die sie unter Umständen ein Leben lang daran hindern, wirkliche Autonomie zu entwickeln. Eltern müssen ihren Kindern deshalb unbedingt immer wieder vermitteln, dass es ganz wunderbar und richtig ist, wenn sie ihre Flügel ausbreiten und das Nest verlassen wollen - und zwar ohne dabei ständig besorgt rückwärts zu schauen, ob ihre Altvögel wohl auch ohne sie zurechtkommen werden ....

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