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Liebe und Loyalität - Ein Hauch von Ewigkeit

Im Zug, auf der Heimfahrt aus dem Urlaub, las ich vor einer Weile Pascal Merciers Roman "Nachtzug nach Lissabon". Und stieß dabei auf eine Textpassage zum Thema Liebe, über die ich seither immer wieder nachdenken muss.
 
Im Mittelpunkt des Romans steht der Schweizer Gymnasialprofessor Raimund Gregorius, der eigentlich kurz vor seiner Pensionierung steht und ein ruhiges, zurückgezogenes Dasein führt. Von einem Tag auf den anderen wirft er alles hin und reist auf der Suche nach einem ganz anderen Leben mit dem „Nachtzug nach Lissabon“. In einem Antiquariat findet er vor seiner Abreise die Autobiografie des portugiesischen Arztes und Widerstandskämpfers Amadeu de Prado, die ihn fasziniert. Er begibt sich auf Spurensuche in die Welt des - wie er feststellt, bereits verstorbenen - Autors und dringt tiefer und tiefer in dessen Gedankenwelt ein. Nach und nach geht es um alle großen Fragen der menschlichen Existenz - natürlich auch und immer wieder um menschliche Beziehungen. An einer Stelle des Romans unterhält sich Gregorius mit einem früheren engen Freund de Prados und fragt nach dessen Ansichten über die Liebe. Und der Freund antwortet ihm:

"Daran (an die Liebe) glaubte er nicht. Mied sogar das Wort. Hielt es für Kitsch. Es gebe diese drei Dinge, und nur sie, pflegte er zu sagen: Begierde, Wohlgefallen und Geborgenheit. Und alle seien sie vergänglich. Am flüchtigsten sei die Begierde, dann komme das Wohlgefallen, und leider sei es so, dass die Geborgenheit, das Gefühl, in jemandem aufgehoben zu sein, irgendwann auch zerbreche. Die Zumutungen des Lebens, all die Dinge, mit denen wir fertig werden müssten, seien einfach zu zahlreich und zu gewaltig, als dass unsere Gefühle sie unbeschadet überstehen könnten. Deshalb komme es auf Loyalität an. Sie sei kein Gefühl, meinte er, sondern ein Wille, ein Entschluss, eine Parteinahme der Seele. Etwas, das den Zufall von Begegnungen und die Zufälligkeit der Gefühle in eine Notwendigkeit verwandle. 'Ein Hauch von Ewigkeit', sagte er, 'nur ein Hauch, aber immerhin.'"



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Die Passage hat mich deshalb so sehr beschäftigt, weil ich glaube, dass da viel Wahrheit dran ist. Auch wenn ich es ein bisschen anders sagen würde: Ich glaube schon an die Liebe, aber ich glaube, sie braucht immer und vor allem auch Loyalität. Letzten Endes gehört nämlich viel Mut zu einer langfristigen Liebesbeziehung - viel mehr, als zu einer endlosen Reihe flüchtiger Abenteuer. Es braucht den Mut, eine Entscheidung zu treffen und zu ihr zu stehen. An irgendeiner Stelle des Lebens zu sagen: „Ja, Du bist es, sonst keine(r) und Du sollst es auch bleiben!“ Schon das ist eigentlich ein wirklicher Kraftakt angesichts der Multioptionsgesellschaft, in der wir heute leben. Wir dürfen schließlich lieben, wann, wen, wie und wie lange wir wollen. Wir können uns jeden Tag neu entscheiden, ob wir bleiben oder lieber gehen wollen, ohne große Angst vor gesellschaftlichen oder sonstigen Sanktionen. Manchmal muss ich an Sartres "Der Mensch ist zur Freiheit verdammt" denken angesichts dieser Notwendigkeit immer neuer Entscheidung für oder gegen einen Partner.

Als wäre das nicht genug, kommt ja noch die Fülle des Angebots dazu! Online-Dating macht's möglich, dass wir (zumindest theoretisch) auf Millionen Partner Suchende zugreifen und Kontakt herstellen können. Wie trifft man denn hier seine Entscheidung? "Optimierungsfalle" nennen manche Wissenschaftler das Phänomen, dass manche über das Flirtstadium gar nicht mehr rauskommen, vor lauter Angst, auf der nächsten Website könnte sich noch etwas viel Besseres finden lassen, als das, was man schon hat. Ich kenne das Gefühl bei mir selbst vor allem aus den riesigen französischen Supermärkten: wenn das Angebot zu groß ist, dann kaufe ich am Schluss überhaupt nichts, weil ich mit der Auswahl überfordert bin. Keine Entscheidung ist immer noch weniger Furcht einflößend als das Risiko einer möglichen falschen Entscheidung.

Und dann, wenn man diese beiden Hürden gemeistert hat, dann hat man ja immer noch die angekündigten "schlechten Tage" aus dem Eheversprechen vor sich; die Tage, an denen man sich fragt, ob das denn wirklich die richtige Wahl war, ob die schönen Zeiten die schlechten wert sind, ob die Beziehung noch eine Chance hat, ob es mit jemand anderem nicht besser wäre ...

Loyalität ist "ein Wille, ein Entschluss, eine Parteinahme der Seele". Nicht wankelmütig und der jeweiligen Tagesform unterworfen. Nicht abhängig von hormonellen oder sonstigen Gegebenheiten. Nicht angreifbar durch widrige Umstände oder äußere Einflüsse. Meine Loyalität liegt ganz in meinem Einflussbereich, in meiner Verantwortung - anders als das Kribbeln im Bauch oder das Herzklopfen beim Anblick des anderen, über das eben mein vegetatives Nervensystem entscheidet, ohne mich zu fragen. Und das nun mal flüchtig ist. Meine Entscheidung dagegen kann ich treffen und dann zu ihr stehen. Nicht um jeden Preis natürlich - Loyalität auf Biegen und Brechen, auch wenn der andere trinkt, prügelt oder kontinuierlich fremdgeht, ist sicher kein empfehlenswertes Rezept. Aber von der ganz normalen, alltäglichen Beziehungsloyalität könnten die meisten von uns schon eine Prise mehr gebrauchen, denke ich in Paartherapien und auch bei Gesprächen im Freundeskreis oft. Nicht bei jeder Kleinigkeit gleich alles in Frage zu stellen. Sich als Team zu begreifen und sich wechselseitig zu stützen und zu fördern, statt miteinander in Konkurrenzkämpfe um alles Mögliche einzusteigen. Auseinandersetzungen unter vier Augen zu führen und sich gegenseitig Außenstehenden gegenüber den Rücken frei zu halten. 

Ich denke schon, dass genau das wirklich diesen "Hauch von Ewigkeit" in unsere Liebesbeziehungen bringen kann.  

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