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Das Märchen vom spontanen Sex

Letztes Jahr sind mir ein paar Untersuchungen aufgefallen, die sich beide mit dem Zusammenhang zwischen Alltagsstress und Sexualität in der Partnerschaft beschäftigten (und die beide nicht gerade ermutigend klangen): In England gaben damals 35 % aller befragten berufstätigen Frauen an, dass sie keine Lust auf Sex hätten, weil ihr Alltag ihnen zu viel Kraft nähme. Wenn sie nach dem Job abends noch die Hausarbeit erledigt hätten, seien sie für sexuelle Aktivitäten einfach zu müde. Diese Ergebnisse kann man sicher leichten Herzens auf deutsche Frauen übertragen, möchte ich meinen. Und ich kenne so manche hauptberufliche Mutter, die - gerade jetzt in der Ferienzeit! - wahrscheinlich nach einem vollgepackten Tag mit den lieben Kleinen auf dem Spielplatz, am Baggersee oder ähnlich „erholsamem“ Zeitvertreib aus vollem Herzen ebenfalls nicken würde. Aber auch deutschen Männern scheint es nicht besser zu gehen, wie eine Umfrage von „Brigitte Balance“ zeigte: Stress und Erschöpfung haben ihre Lust in den letzten 30 Jahren kurz mal um mehr als 50 % gesenkt. 18 - 30jährige gaben 1976 z. B. noch an, 18 - 22mal im Monat Sex zu haben; 2006 belief sich die Frequenz bei ihnen nur noch auf 4 - 10mal monatlich. Der Alltag scheint also bei Männlein und Weiblein gleichermaßen als Liebeskiller zu wirken. Hat man erst mal alles erledigt, was zu erledigen ist, ist man selbst so dermaßen erledigt, dass man nur noch seine Ruhe will und an schweißtreibendes Gerangel zwischen den Laken nicht mehr zu denken ist.

Wenn ich so die Paare bei mir in der Therapie Revue passieren lasse, dann ist meiner Meinung nach ein Grund mit hauptverantwortlich für diesen desolaten Zustand in Beziehungen: nämlich der Mythos, dass Sex spontan stattfinden muss, damit er „gut“ sein kann. Irgendwie sind nahezu alle davon überzeugt, dass sexuelle Begegnungen immer absichtslos, aus plötzlich ausbrechender (im Idealfall natürlich auch noch beidseitiger!) Leidenschaft heraus entstehen müssen. Die verständnislosesten und ablehnendsten Gesichter ernte ich bei Paaren immer mit dem Vorschlag, Zeit für sexuelle Aktivitäten in den wöchentlichen Terminkalender einzutragen. „So was geht ja wohl gar nicht“, bekomme ich dann zur Antwort. „Ich weiß doch gar nicht, ob wir dann beide Lust darauf haben!“ Vorsätzlicher Sex? Das erscheint manchen offensichtlich ähnlich undenkbar wie vorsätzlicher Diebstahl. Sehr gerne kommt auch die Reaktion: „Aber das ist doch total unromantisch!“ Ist es? Ich möchte mal behaupten: ganz im Gegenteil sogar! Es kann äußerst romantisch sein, wenn man den Gedanken mal zulässt!

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Springen wir mal mental kurz zurück zum Anfang deiner jetzigen (oder vorigen) Beziehung. Wie war das, als ihr euch kennen gelernt habt? Das erste Telefonat, die erste eMail? Die erste Verabredung, die zweite, die dritte? Die Suche nach einem Termin, einer Örtlichkeit, einer Aktivität, die beiden recht ist? Herzklopfen vor dem Kleiderschrank - was ziehe ich an? Vor allem: welche Unterwäsche? Denn es könnte ja sein, dass es nicht beim Kino / essen gehen / tanzen gehen bleibt, und dann will man/frau ja nicht gerade die mausgrauen Merinowolle-Liebestöter präsentieren, richtig? Schnell noch ein bisschen aufräumen, vielleicht sogar das Bett frisch beziehen, für den Fall, dass die Frage „zu mir oder zu dir“ bei mir in der Wohnung enden sollte? Hab ich noch ein paar Kerzen da, eine Flasche Wein, und wo ist überhaupt die verdammte Kuschel-Rock 211 abgeblieben? Na - hat es da das eine oder andere Mal bei dir in der Erinnerung geklingelt, vielleicht nicht 1:1, aber in der Tendenz? Und als was würdest du das jetzt - mal ganz ehrlich - bezeichnen? Als spontan? Aber nicht doch; da steckt doch eine ganze Menge Planung drin, oder? Und zwar im positivsten Sinne - mit Aufregung, Vorfreude, Vorsatz, Spannung, Kribbeln im Bauch und schweißnassen Händen! Beste Voraussetzungen für einen erotischen Abend also ...

Okay, natürlich ist das nicht ganz dasselbe, wie sich mit seinem Langzeitpartner nach drei Jahren Beziehung für eine intime Begegnung zu verabreden. Eine Menge Unsicherheit und Nervosität fallen weg, man kennt sich, das Ganze ist nicht mehr voller Risiko und Unwägbarkeiten. Trotzdem ist eine Erkenntnis ganz wichtig: Damals hat es der Sache keinerlei Abbruch getan, dass ein gewisses Maß an Planung mit im Spiel war! Die Vorfreude hat im Gegenteil eine Menge dazu beigetragen, dass es ein schöner Abend wurde. So ganz aus der Impulsivität des Augenblicks heraus ist es damals auch nicht passiert (zumindest in den allermeisten Fällen). Und es gibt keinen Grund, warum das jetzt anders sein sollte. Das ist ja auch bei anderen, Freude und Genuss erzeugenden Aktivitäten in der Regel nicht der Fall: Wenn du ein tolles Essen servieren möchtest, dann erfordert das eine Entscheidung (was es geben soll), Vorbereitung (Einkauf) und ein gewisses Maß an Aufwand beim Kochen. Willst du in den Urlaub fahren, musst du dich ebenfalls erst mal auf Zielort und Zeitraum festlegen, dann ins Reisebüro gehen, dich um Tickets, Hotel usw. kümmern und dergleichen. Bei keiner dieser Aktivitäten würdest du vermutlich ernsthaft behaupten wollen, dass dein Spaß und deine Freude am Essen oder am Urlaub dadurch geringer würden; im Gegenteil, meistens ist auch hier die Vorfreude ein ganz wichtiger Bestandteil des Genusses. Sie regt die Fantasie an - und was wäre beim Sex je wichtiger gewesen als die Fantasie?

Der erste und mit wichtigste Schritt weg aus der verkehrsberuhigten Zone in der langfristigen Beziehung ist daher der, den Glauben an die Lüge aufzugeben, dass Sex etwas ist, was nur gut ist, wenn es spontan und ungeplant zustande kommt. Wenn du daran weiter glauben wolltest, hättest du nie heiraten oder dich für eine langfristige Beziehung entscheiden dürfen. In dem Moment, wo du das getan hast, hast du dich nämlich gegen Sex als etwas entschieden, das “einfach passiert”. Sex wurde, wie es die Sexualtherapeutin Dagmar O’Connor mal erklärt hat, in diesem Moment zu etwas was “passieren sollte”. Und noch dazu mit immer demselben Partner. Also so ziemlich das Gegenteil von Spontaneität, wenn wir ehrlich sind. In einer monogamen Beziehung immer nur auf spontanen, unvorbereiteten, ungeplanten Sex zu warten – naja, ich wünsche dir auf alle Fälle viel Erfolg. Ich kenne allerdings kein Paar, bei dem das zu besonders viel Spaß geführt hätte. In den allermeisten Fällen ist das so, wie darauf zu hoffen, dass Weihnachten und Ostern zusammenfallen. Schließlich muss man dabei auch noch erwarten, dass das ungezügelte Verlangen beide Partner gleichzeitig überfällt und zueinander treibt (etwas, was nach den ersten sechs Monaten, in denen die Hormone beide in einer Art Dauer-Ausnahmezustand versetzt hatten, eher selten der Fall sein dürfte).

Für alles andere in unserem Leben sind wir bereit, feste Zeiten einzuplanen - Zeiten, in denen wir damit rechnen können, dass wir nicht bei dem gestört werden, was wir da tun wollen, und dass unser Energielevel so sein wird, dass wir uns dem auch mit aller Kraft widmen können. Oder würdest du auf die Idee kommen, deine Fitness-Studio-Stunde auf „irgendwann nach den Tagesthemen“ zu legen, im Anschluss an einen stressigen Arbeitstag? Oder mit dem Bügeln genau dann anzufangen, wenn klar ist, dass in spätestens fünf Minuten die Kinder hereingetobt kommen und deine Aufmerksamkeit verlangen werden? Nein, denn dir wäre klar, dass das in beiden Fällen völlig sinnlos wäre. Aber genau so gehen die meisten Menschen mit ihrem Sexleben um! Und dann wundern sie sich, wenn das Ganze keinen Spaß (mehr) macht und irgendwann komplett einzuschlafen droht.

Als Paar solltet ihr daher sehr sorgfältig darauf achten, genügend Zeit für reine Zweisamkeit einzuplanen; Zeit, die ihr wirklich nur als Paar verbringt. „Die Erotik in den eigenen vier Wänden erfordert aktives Engagement und Vorsätzlichkeit“, sagt O‘Connor. Schafft euch also regelmäßig erotische Freiräume, auf die ihr euch gemeinsam freuen könnt. Wie ihr diese Freiräume dann jeweils gestaltet, kann durchaus variieren - Erotik ist ja nun mal sehr viel mehr als der bloße Geschlechtsakt selbst. Findet heraus, welche Tageszeit ihr beide für intime Begegnungen bevorzugt. Muss es denn immer abends sein, wo ihr beide vielleicht müde und erschöpft seid? Was ist mit morgens - versucht doch mal, den Wecker eine halbe Stunde früher zu stellen - oder tagsüber am Wochenende? Gerade für Eltern kann es oft einfacher sein, am Wochenende tagsüber die Kinder mal zwei, drei Stunden anderweitig unterzubringen als abends, aber auch als kinderloses Paar kann man sich fragen, ob das Joggen am Sonntagmorgen so viel wichtiger ist als Sex. Ohnehin ist es eine gute Übung, sich mal mit einem Glas Wein gemütlich zusammenzusetzen und sich ehrlich über die jeweiligen Prioritäten auszutauschen. Um Sex kontinuierlich einen gewissen Stellenwert im Alltag einzuräumen (und nichts anderes passiert, wenn man sich für geplante Intimität entscheidet!), muss man sich zunächst natürlich erst mal darüber einigen, welchen Stellenwert er denn überhaupt bekommen soll. Nur dann kann man entscheiden, wie wichtig die Zeit ist, die man für ihn frei halten möchte: so wichtig wie die, die man jeden Abend vor dem Fernseher verbringt? So wichtig wie die gewaschene Wäsche, das Surfen bei Ebay, das Fensterputzen, der Schützenverein? Und sich dann mal fragen, wie die eigene Prioritätenliste faktisch gerade aussieht und ob sie so bleiben soll. Bei der eingangs zitierten englischen Studie gab die Hälfte der befragten Frauen an, neben dem Job noch sechs Stunden wöchentlich Hausarbeit zu leisten. Für Sex blieben bei ihnen nur 15 Minuten wöchentlich Zeit übrig. Rechnet das ruhig für euch selbst als Paar mal realistisch runter - so manchem sind dabei schon mehrere Kronleuchter aufgegangen! Vielleicht wird der Griff zum Terminkalender ja dann etwas einfacher ...

Ein letzter Gedanke vielleicht noch für all diejenigen, die jetzt immer noch zögern; das Gefühl haben, etwas so Natürliches wie Sex dürfe nicht „künstlich“ geplant werden: Das, was man da plant, sind ja lediglich entspannte und einladende Umstände, in denen dann Sexualität stattfinden kann - nicht muss. Die sexuellen Reaktionen des Körpers sind immer spontan und nicht erzwingbar (das ist wie mit dem Einschlafen). Niemand kann sich krampfhaft in sexuelle Erregung versetzen, weil sie auf dem Terminplaner steht. Das ist auch nicht der Sinn der Sache. Aber man weiß in der Regel ja auch sehr genau, welche Umstände dem eigenen Einschlafen förderlich sind, und sorgt dafür, dass sie nach Möglichkeit zum richtigen, gewünschten Zeitpunkt geschaffen werden - ob das nun der bequeme Schlafanzug, die zehn Minuten Lesen im Bett, das Glas warme Milch oder einfach nur Ruhe und Dunkelheit sind. Und ganz genauso kann man es in puncto sexuelles Begehren halten: regelmäßig und mit viel Sorgfalt und Achtsamkeit Freiräume und Umstände schaffen, in denen die Chancen, dass es sich entfalten kann, gut stehen. Ein schöneres Geschenk kann man sich selbst und seinem Partner eigentlich kaum machen.

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