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Beziehungskiller Seitensprung?

So lange es Beziehungen gibt, so lange gibt es auch den Seitensprung. Prominentes Diskussionsobjekt diesbezüglich in den vergangenen Wochen des Bayern-Dramas (nein, nicht in der Bundesliga!): Horst Seehofer und seine angebliche außereheliche Affäre, die seinen Ambitionen auf die Stoiber-Nachfolge im konservativen Freistaat wohl ziemlich geschadet hat. Sexuelle Revolution hin oder her, Uschi Obermeier und Kommune 1 im Kino oder nicht - immer noch geben 43 % aller Deutschen in Umfragen an, dass ein Seitensprung für sie ein ausreichender Grund ist, selbst eine langjährige Beziehung sofort zu beenden. Und fast zwei Drittel halten es für den Anfang vom Ende, wenn einer der Partner fremdgeht. Sehr interessant vor allem angesichts der Tatsache, dass sich ein Wert schon seit den fünfziger Jahren (nämlich seit Kinsey‘s Forschungen zu diesem Thema) in schöner Regelmäßigkeit wiederholt: In etwa 50 % aller langfristigen Beziehungen kommt es Studien zufolge irgendwann mindestens zu einem Seitensprung. Dabei sind die Herren der Schöpfung gar nicht immer diejenigen, welchen. Sie sind nur in 30 - 60 % der Fälle die Ungetreuen, in 20 - 50 % dagegen gibt das weibliche Geschlecht der Verlockung nach. Der Unterschied liegt eher im Umgang mit der Situation: Männer brüsten sich gerne mit ihren Abenteuern, Frauen halten die Klappe und genießen im Stillen. Deshalb werden erstere auch eher überführt als letztere.

Evolutionsbiologisch (und -psychologisch) betrachtet, stellt der Seitensprung eines Partners oder einer Partnerin für beide Geschlechter eine ziemliche Bedrohung dar, kein Wunder also, dass uns das Fremdgehen des Partners in der Regel alles andere als kalt lässt. Vordringlichste (evolutionäre) Aufgabe eines jeden Lebewesens ist es nun mal, für die Erhaltung der eigenen Gene zu sorgen. Manche Spinnenweibchen lassen sich sogar von ihren Nachkommen lebendig verspeisen, um diesen den bestmöglichen Start ins Dasein zu sichern. Ganz so weit geht das bei uns Menschen glücklicherweise ja nun nicht. Trotzdem heißt es auch bei uns: fortpflanzen! Allerdings sind die unterschwellig ablaufenden „Programme“ bei Männern und Frauen diesbezüglich nicht ganz identisch. Entsprechend reagieren sie auch unterschiedlich auf partnerschaftliches Untreueverhalten. Der amerikanische Psychologe David Buss zeigte in einer Untersuchung, dass die Mehrzahl der Männer vor allem Angst vor einem sexuellen Abenteuer ihrer Partnerin hatten. Rein „emotionale“ Untreue dagegen erschütterte sie weniger. Die Ursache dafür - vermutet man zumindest - liegt darin, dass Männer, wenn sie gemeinsam mit einer Partnerin Kinder aufziehen, ja im Unterschied zur Frau nie hundertprozentig sicher sein können, dass das da wirklich ihre eigenen Gene sind, die sie aus der Wiege heraus anlächeln. Was, wenn Mami irgendwann eine schwache Stunde und ein Rendezvous mit dem Postboten hatte? Dann würde der Ehemann ja jede Menge (finanzielle und sonstige) Ressourcen darauf verschwenden, den Genen des Postbotens einen optimalen Daseinsstart zu sichern, statt den eigenen! Der evolutionäre Supergau aus männlicher Sicht sozusagen. Es kommt Männern also vor allem auf sexuelle Treue ihrer Partnerin an - so lange ein Seitensprung nur im Kopf, aber nicht körperlich vollzogen ist, reagieren die meisten von ihnen verhältnismäßig gelassen. Frauen dagegen geraten Buss‘ Ergebnissen nach vor allem dann in Panik, wenn sie befürchten müssen, ihr Partner verliebe sich in eine andere Frau. (Vielleicht auch ein Grund, warum Frauen so nervös auf den gelegentlich Internet-Pornokonsum ihrer Männer reagieren.) Dann besteht nämlich die Gefahr, dass er sie mit den gemeinsamen Kindern einfach sitzen lässt - und seine (finanziellen und sonstigen) Ressourcen in das neue „Weibchen“ und deren Kinder steckt. Und zumindest in grauer Vorzeit war es für den Nachwuchs lebensnotwendig, dass ein starker Vater ihn beschützte, damit die Gene überhaupt das Erwachsenenalter erreichen konnten und nicht vorzeitig in einem Säbelzahntigermagen endeten bzw. Hungers starben. Das aber wäre nun für die Frau der evolutionäre Supergau gewesen - jahrelang umsonst in zum Tode verurteilte Gene investiert zu haben, während die biologische Uhr unaufhaltsam der Stunde Null entgegentickte ...

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Das Ergebnis dieser Studie bestätigte sich übrigens in Untersuchungen weltweit. Beide Geschlechter haben also nicht umsonst ein starkes Interesse an einem treuen Partner, wenn auch mit unterschiedlichem Motivationshintergrund. Ein paar tausend Jahre Evolution lassen sich halt nicht so einfach abschütteln. Und dann gibt es natürlich auch noch den kleinen Narzissten in jedem von uns, der höchst gekränkt ist, wenn sich der Partner oder die Partnerin jemand anderem zuwendet. Zumal, wenn das eigene Selbstwertgefühl vielleicht ohnehin nicht das beste ist. Bin ich ihm / ihr nicht (gut) genug? Wie kann er (sie) mir das antun, wo er (sie) doch weiß, dass mich das verletzen muss? Wie soll ich ihm (ihr) jemals wieder vertrauen?

Keine Frage, die Entdeckung eines Seitensprungs gehört zu den vielleicht größten Krisen, in die eine Partnerschaft hineingeraten kann. Türenknallen, Schreien, Heulen, impulsives Kofferpacken und dergleichen sind daher kaum vermeidbar (und, wie ich finde, auch als Ventil für die ersten Emotionen auch durchaus okay, so lange es beim Türenknallen bleibt und keine tätlichen Angriffe auf den Ungetreuen selbst erfolgen). Es fragt sich aber natürlich, wie es nach diesem Vulkanausbruch weitergehen kann. Wirklich gleich alles hinschmeißen und die Beziehung beenden?

So seltsam es vielleicht klingt: Für manche Paare kann ein Seitensprung die Wende zum Besseren sein. Voraussetzung dafür ist, dass beide bereit sind, ihn als Hinweis auf etwas zu begreifen, was in der bestehenden Partnerschaft zu kurz gekommen ist. Ich habe in meiner Praxis nicht wenige Paare erlebt, die es geschafft haben, das mittlerweile vermutlich jedem zum Hals heraushängende chinesische „Krise = Chance“ für ihre Beziehung zu nutzen. (Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass es auch einige gab, für die die Hürde zu hoch war. Aber einen Versuch sollte man allemal starten, oder?)

Der Göttinger Psychologe Ragnar Beer veröffentlichte letzten Herbst die Ergebnisse einer Befragung von 2600 heterosexuellen Personen (männlich wie weiblich), die schon einmal fremd gegangen waren. 80 % von ihnen gaben an, sie liebten ihren Partner, wollten ihm auch eigentlich gern treu sein - aber dennoch waren sie alle schon einmal mit jemand anderem im Bett gelandet. Und mehr noch: 60 % von ihnen hatten keineswegs den legendären One-Night-Stand, der „irgendwie passiert ist“, sondern durchaus langfristige Affären zwischen einem und sechs Monaten. Fast die Hälfte der Befragten gab an, mehr oder weniger regelmäßig fremd zu gehen. Obwohl sie doch fast alle eigentlich gar nicht wollten. Als Ursache machten die Forscher sexuelle Langeweile und Unzufriedenheit in der bestehenden Beziehung aus. Und die Unfähigkeit, mit dem Partner darüber zu reden. Dann schon lieber mal ein Quickie nebenbei mit der scharfen Kollegin oder dem netten Nachbarn ...

Es ist eine alt bekannte Tatsache unter Paarforschern und -therapeuten: Langfristige Beziehung und aufregender Sex vertragen sich einfach nicht gut. Eine langfristige Beziehung gibt uns Sicherheit, Geborgenheit, das Bekannte, den Kuschelfaktor, die Möglichkeit, uns auch mal „gehen“ zu lassen, Entspannung. Aufregender Sex lebt von Unsicherheit, Erwartung (und Erwartungsängsten!), Spannung, Aufregung, Neugier. Das beißt sich, das sieht man auf den ersten Blick. Es ist ein schwieriger Balanceakt, immer wieder genügend Distanz in eine langfristige Beziehung zu bringen, um die Erotik lebendig halten zu können. Und dabei nicht so viel Distanz entstehen zu lassen, dass man sich einander entfremdet und die Sicherheit - die ja auch wichtig und gewünscht ist! - verliert. Ein ganz wichtiger Faktor dabei - das zeigt auch die Studie von Beer - ist die Kommunikation in der Partnerschaft. Vielen fällt es unglaublich schwer, miteinander über Sexualität zu sprechen. Am Anfang scheint es nicht nötig zu sein, später hat man das Gefühl, dass man jetzt ja nicht plötzlich damit anfangen kann. Die Angst, den anderen zu kränken, ist bei vielen ein großes Hindernis. Zugegeben, wenn man Pech hat, kann man vielleicht wirklich erst auf Ablehnung stoßen: „Was denn, bisher hat es dir doch auch immer so gefallen?!“ Wer antwortet dann schon gerne: „Nein, eigentlich nicht, aber ich hab mich bisher nicht getraut, was zu sagen!“? Oder, wenn‘s ganz dumm läuft und das Klima schon etwas schwierig ist: „Ich bin dir wohl nicht mehr gut genug?!“ Dünnes Eis ... vor allem Frauen tun sich damit oft sehr schwer, zumal sie immer noch häufig vergleichsweise prüder erzogen werden als Männer. Die wiederum trauen sich oft nicht, ihrer Langzeit-Partnerin auch mal ausgefallenere Wünsche mitzuteilen. „Das kann ich ihr nicht zumuten, das würde sie nicht wollen!“, ist dann oft die Devise. Immer noch gilt die Trennung Hure - Heilige in männlichen Köpfen eine Menge; und Langzeit-Partnerinnen haben halt meist den Heiligenschein auf. Ich kann an der Stelle nur dazu raten, möglichst frühzeitig mit der Kommunikation zum Thema Sex, sexuelle Wünsche und Fantasien und dergleichen anzufangen. Am besten dann, wenn alles (noch) gut läuft, dann kann man das durchaus zum Teil des erotischen Geplänkels machen. („Dirty Talk“ kann man üben!) Spätestens dann, wenn man merkt, dass man selbst sehnsüchtig in Richtung Krimi auf dem Nachttisch schielt, während sich der andere alle Mühe gibt, einen in Stimmung zu bringen. Und am besten nicht im Rahmen von Vorwürfen, sondern mit Wünschen, Vorschlägen, Fragen. Dadurch kann eine ganz neue Art von Intimität zwischen den Partnern entstehen, die dann mit Langeweile nichts mehr zu tun hat!

Manchmal kann man eine Dreiecksbeziehung aber auch einfach als "Ausgleichsversuch" eines bestehenden Ungleichgewichts zwischen den Partnern verstehen. Wenn beispielsweise einer der beiden Partner dem anderen in irgendeinem Aspekt des Zusammenlebens über lange Zeit ständig klar überlegen ist, versucht der andere oft, durch einen Seitensprung dieses Ungleichgewicht wieder ins Lot zu rücken. Die Fragen nach Geld, Berufstätigkeit oder danach, wer in der Beziehung wichtige Entscheidungen trifft, sind dabei oft die Auslöser. Aber auch ein Ungleichgewicht bei anderen Themen, bei denen es um Geben und Nehmen geht, ist nur eine begrenzte Zeit lang auszuhalten. Niemand will sich immer nur abhängig und bedürftig als Schuldner oder gar Schmarotzer erleben - genauso wenig wie es einem gut tut, dauernd nur die Oberhand zu haben. Eine Affäre kann dann sozusagen ein radikaler Befreiungsschlag aus so einer Situation sein; die Karten sind damit plötzlich völlig neu gemischt. Häufig lässt sich so ein Ungleichgewicht rückblickend in der Beziehung finden, und diese Erkenntnis kann den Seitensprung in ganz anderem Licht erscheinen lassen. Man kann gemeinsam prüfen: Was hat denn gefehlt in unserer Beziehung, wo war eine Schieflage gegeben? Was könnten wir in Zukunft wie anders machen, damit eine außerpartnerschaftliche Beziehung unnötig wird?

Manchmal sind aus der Paargeschichte auch noch einfach "alte Rechnungen" offen - Verletzungen, Kränkungen, Enttäuschungen, die nie wirklich geklärt und verziehen wurden, und für die dann unbewusst irgendwann eine Entschädigung gesucht wird. Dann kann es hilfreich sein, sich gemeinsam zu überlegen: Was könnte das gewesen sein, was da untergründig die ganze Zeit noch geschwelt hat? Ist das Beziehungskonto jetzt ausgeglichen? Können wir das Geschehen so stehen lassen? Was brauche ich, was brauchst du, damit wir uns unsere wechselseitigen Kränkungen - diesmal wirklich - verzeihen können? Welches Ritual, welche Geste kann uns dabei helfen? Und wie können wir einander wieder vertrauen?

Vor allem für den betrogenen Partner ist eine solche Sicht auf das Geschehen natürlich oft sehr schwierig, da er mit seiner Verletzung zu kämpfen hat. Alle diese Vorgehensweisen setzen nämlich die Akzeptanz der Annahme voraus, dass an einem Seitensprung immer beide (!) Partner einen Anteil tragen. Ziemlich schwierig, sich als Betrogene(r) dieser Tatsache zu stellen - das bedeutet nämlich, dass man aus der Opfer-Ecke herauskommen muss (in der es ganz nett sein kann, schließlich ist man dort drin der moralisch Überlegene und Bedauernswerte) und sich stattdessen der eigenen Verantwortung stellen muss. Aber auch sehr befreiend, denn Opfer-Sein bedeutet passiv sein, machtlos sein. Wie heißt es so schön? Wem ich die Schuld gebe, dem gebe ich auch die Macht. Die andere Sicht ermöglicht einem, aktiv zu werden. Die Macht darüber, was mit einem selbst und der Beziehung geschieht, wieder an sich zu nehmen. Selbstverständlich kann das auch bedeuten, die Beziehung zu beenden. Muss es aber nicht. Man kann sie - gemeinsam! - auch wieder ganz neu anfangen lassen.

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