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Träume sind Schäume? Anregungen zur Trauminterpretation

Ein Thema, mit dem Klienten gerne in die Psychotherapie kommen, sind Träume. Viele Menschen sind davon überzeugt, dass sie irgendeine (tiefere) Bedeutung haben, die sie unbedingt entschlüsseln wollen, weil sie sich davon wichtige Informationen versprechen. Andere wiederum behaupten steif und fest, sie würden nie träumen. Und wieder andere gehören zu den so genannten luziden Träumern - sie sind sich während des Traums darüber bewusst, dass sie träumen bzw. können den Trauminhalt teilweise auch nach ihren Wünschen manipulieren. Gehörst du auch zu denjenigen, die sich ab und zu fragen, was diese merkwürdigen Bilder in der vergangenen Nacht dir nun wieder sagen wollten?

Trotz aller Fortschritte der Neurologie gibt es bis heute vergleichsweise wenig gesichertes Faktenwissen über die Entstehung und Bedeutung unserer Träume. Gut erforscht ist der grundsätzliche reguläre Schlafverlauf: Nach dem Einschlafen dauert es - bei einem Erwachsenen - ca. 90 Minuten, bis die erste REM-Phase einsetzt. REM (rapid eye movement)-Phasen erkennt man an den schnellen Augenbewegungen des Schläfers hinter geschlossenen Lidern; sie machen etwa 25 % der Erwachsenen-Schlafdauer aus (bei einem Neugeborenen sind es 80 %, pränatal sogar 95 %). Früher nahmen Experten an, dass nur innerhalb der REM-Phasen geträumt würde, das ist mittlerweile allerdings widerlegt. Es stimmt, dass innerhalb der REM-Phasen oft besonders intensive Traumerlebnisse stattfinden, aber auch außerhalb von ihnen träumen wir. Eine Besonderheit der REM-Phasen ist bewiesen: In dieser Zeit wird die willkürliche Muskulatur aktiv gelähmt, d. h. von der motorischen Steuerung abgekoppelt. Das ist ziemlich sinnvoll von Mutter Natur, sonst würdest du - falls du gerade z. B. von einem Boxkampf träumst, wild um dich schlagen oder ständig schlafwandeln, wenn du vom Spazierengehen träumst. Der Mechanismus sorgt also dafür, dass du brav und still im Bett liegen bleibst, gleichgültig, wie wild deine Traumbilder in Bewegung sind. Eine REM-Phase dauert meist zwischen fünf und zwanzig Minuten lang; gegen Morgen werden die Phasen dabei länger. Zwischen den REM-Phasen liegen die so genannten Non-REM-Phasen, die meist um die 90 Minuten anhalten. Weckt man Versuchspersonen in ihnen auf, erinnern sie sich erheblich seltener an das gerade Geträumte, als Versuchspersonen, die man in einer REM-Phase weckt (daher stammte die ursprüngliche falsche Annahme, nur in REM-Phasen würde überhaupt geträumt). Manche Menschen sind sogar davon überzeugt, dass sie gar nicht träumen würden; das ist allerdings ein Irrtum: Alle Menschen träumen, die Frage ist nur, ob und wie gut man sich am anderen Morgen an den Trauminhalt erinnert.

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Aber wozu soll das Ganze gut sein? Warum etabliert die Natur bei uns (nach allem, was wir wissen, übrigens auch bei Tieren) einen Mechanismus wie das Träumen, der doch so offensichtlich keinen praktischen Nutzen hat, uns manchmal sogar ziemlich auf die Nerven geht (wer je aus einem richtig üblen Alptraum schweißnass aufgeschreckt ist, weiß, was ich meine)? Sigmund Freud beispielsweise war der Auffassung, Träume dienten der Wunscherfüllung und Kontrolle der unbewussten Impulse aus dem „Es“. In den sechziger Jahren wurde diese Theorie mit der Begründung verworfen, dass die REM-Phasen vom Hirnstamm gesteuert werden, der praktisch keinen Einfluss auf Geist und Bewusstsein hat, sondern vor allem für die Steuerung unwillkürlicher Funktionen wie Atmung oder Stoffwechsel zuständig ist. Mittlerweile weiß man aber, dass Träume aber keineswegs ein sinnloses Neuronenfeuerwerk unseres Echsenhirns im Kopf darstellen, sondern vor allem durch die Aktivität höherer Hirnareale entstehen, die für Motive, Emotionen, Gedächtnis und Wahrnehmung zuständig sind - also sehr wohl die Möglichkeit besteht, dass unbewusste Inhalte dabei eine Rolle spielen. Die Annahme der Sechziger, Träume seien ein bedeutungsloses Nebenergebnis zielloser nächtlicher Hirnaktivitäten, gilt damit als weitgehend widerlegt. Interessant ist auch, dass sich der Inhalt männlicher und weiblicher Träume meist deutlich unterscheidet: Forscher fanden heraus, dass Männer sich im Traum vor allem mit Aggression und Sexualität beschäftigen - sie träumen mehr von ihren Geschlechtsgenossen und ihrer Arbeit und auch Waffen spielen in ihren Träumen eine große Rolle. Frauen träumen dagegen öfter von traurigen Geschehnissen, und meist drehen sich ihre Träume um ihnen nahe stehende Personen und Gefühle. Weibliche Träume spielen auch öfter in Innenräumen als männliche Träume. Und findet in Frauenträumen Aggression statt, dann meist keine von der Träumerin ausgeübte, sondern eher eine, die gegen sie selbst gerichtet ist. Übereinstimmend stellt man jedoch fest, dass bei den meisten Menschen die Träume, die die in den ersten Traumphasen auftreten, aktuellere Bezüge zum tatsächlichen Wacherleben aufweisen. Hier träumt man dann z. B. von der Freundin, mit der man sich am Nachmittag zuvor noch gestritten hat, oder vom Ärger im Job am Vortag. Gegen Morgen werden die Trauminhalte dann meist abstrakter und scheinbar unzusammenhängender. Eine Rolle spielen bei den Inhalten oft auch äußere oder innere Reize, die während des Schlafs auftreten: so werden z. B. das Quietschen der vorbeifahrenden Straßenbahn oder das Bellen des Nachbarhunds in den Trauminhalt „eingebaut“ - auf diese Weise schützt einen der Traum auch vor dem Aufwachen durch das Geräusch. Oder der nächtliche Harndrang löst einen Traum vom Toilettengehen aus.

Gelegentlich scheint das Gehirn im Schlaf auch irgendwie an der Lösung eines Problems weiterzuarbeiten, das einen im Wachzustand beschäftigt hat, und dann in Form eines Traums sein Ergebnis auszuspucken. Beispiele kennt man dafür von Künstlern (Paul McCartney z. B. behauptete immer, eines Morgens mit der kompletten Melodie von „Yesterday“ im Kopf aufgewacht zu sein), und - zumindest in Form von Anekdoten - auch von Wissenschaftlern: August von Kekule soll die Lösung für den ringförmigen Benzolaufbau in Form einer Schlange, die sich in den eigenen Schwanz biss, ebenfalls im Traum gefunden haben. Träume erlauben dem Gehirn offenbar kreative Leistungen.

Offenbar dienen Träume auch dazu, angstbesetzte Inhalte oder andere hoch emotionale Erlebnisse zu verarbeiten. Vielleicht hast du es auch schon mal erlebt, dass du abends mit mieser Laune oder auch nur einfach traurig ins Bett gegangen, am Morgen aber vergnügt und frisch aufgewacht bist. Im Schlaf kann sich die Stimmung manchmal völlig verändern. Spannend übrigens auch: Laborstudien belegen, dass in zwei Dritteln aller Träume negative Gefühle eine Rolle spielen. Vor allem Angst, aber auch Zorn sind ganz vorne in der Liste zu finden. In fast 70 % der berichteten Träume schilderten die Befragten auch mindestens ein bedrohliches Ereignis. Die Themen Angriff und Verfolgung finden sich auf der ganzen Welt kulturunabhängig in menschlichen Träumen wieder; übrigens weit überproportional sogar in lebensbedrohlichen Szenarien. Deshalb gehen manche Forscher heute davon aus, dass unsere Urahnen im Traum mögliche Bedrohungssituationen im Alltag quasi vorwegnahmen, um rettende Reaktionen im Geiste trainieren zu können. Stand dann der Säbelzahntiger tatsächlich ganz real vor ihnen, hatten sie Fluchtmöglichkeiten zumindest im Traum schon einmal durchgespielt und erfolgreich bewältigt. So gesehen lieferte Träumen ihnen vielleicht einen winzigen evolutionären Vorteil im Kampf um das Überleben. Heute spielen Säbelzahntiger eine deutlich geringere Rolle in unserem Alltag; dafür träumen wir dann von anderen angstbesetzten Situationen - wie wir von einem Einbrecher verfolgt werden oder wie wir nackt vor dem Chef eine Rede halten müssen ...

Die generelle Deutung von Traumsymbolen ist eine sehr umstrittene, wenn auch extrem beliebte Disziplin. Manche Elemente werden gerne als archaische Symbole begriffen und dann mit der entsprechenden Bedeutung belegt. So gilt Wasser häufig als ein Bild für die Seele, oft auch das Unbewusste, und sein Zustand wird als Sinnbild für die seelische Verfassung des Träumenden herangezogen. Feuer dagegen gilt als erotisches Element, das sexuelle Energie symbolisiert. Flugträume sowie Reiseträume allgemein interpretieren viele als Wunsch nach Veränderung; Träume von Stürzen dagegen eher als Warnung vor einer bevorstehenden Niederlage. Je nach Quelle, die man heranzieht, findet man zu jedem Traumbild eine - mehr oder weniger einleuchtende - Bedeutungsgebung. Das lässt sich herunterbrechen bis zu Details wie „Garnspule“ (die in einem Lexikon als „Symbol für ein geordnetes Leben“ genannt wird). Selbstverständlich sind die Interpretationen nicht immer deckungsgleich und können einen ganz schön verwirren, wenn man mehrere Nachschlagewerke zu Rate zieht. Und dann gibt es ja auch noch jene, die behaupten, Träume könnten einem die Zukunft verraten - präkognitives Träumen nennt sich das dann ...

Ich bin selbst eine sehr lebhafte Träumerin und durchaus der Meinung, dass es sich lohnen kann, sich mit besonders intensiven oder unter Umständen auch wiederkehrenden Trauminhalten mal etwas näher zu befassen. Hilfreicher als die detailversessenen Traumlexika mit ihren oft etwas hanebüchenen Erklärungen einzelner Traumelemente finde ich dabei aber den Rat eines früheren Ausbilders, der mir mal ans Herz legte: „Der Regisseur deiner Träume bist nur du. Deine Träume spiegeln das wider, was du in deinem Leben erfahren und erlebt hast, was dich (früher oder aktuell) beschäftigt, dir Angst macht, dich freut. Und weil du der Regisseur bist, setzt du die Bilder genau so in Szene, wie sie für dich Sinn und Bedeutung haben. Du unterhältst dich gleichsam im Traum mit dir selbst - nur eben in Bildersprache. Darum hat es keinen Zweck, sich an allgemein gültigen Interpretationen von bestimmten Elementen festzubeißen. Was für dich „Wasser“ bedeutet, weißt nur du selbst. Für deinen Nachbarn kann „Wasser“ eine ganz andere Bedeutung haben.“

Diese Überlegung finde ich so einleuchtend und schlüssig, dass ich mich nicht nur hinsichtlich meiner eigenen Träume, sondern auch dann, wenn Klienten mit Träumen zu mir kommen, immer daran gehalten habe. Ich frage dann immer als erstes nach dem Grundgefühl, das der Traum in ihnen hinterlassen hat - oft natürlich sind es negative Gefühle wie Angst oder Verlassenheit, manchmal aber auch Erfolgsgefühle, wenn etwas gut bewältigt wurde. Und dann gehe ich gemeinsam mit ihnen die einzelnen wichtigen, hervorstechenden Elemente des Traums durch und frage sie, was sie ganz persönlich mit diesen Symbolen denn assoziieren. Für den einen bedeutet eine Schlange dann eine Bedrohung, aber einen anderen erinnert sie nur an den Besuch auf einer Schlangenfarm im letzten Urlaub und löst damit eher angenehme Erinnerungen aus. Der eine erlebt den Traum vom Fliegen als etwas Herrliches, Befreiendes - dem anderen macht das Gefühl eine Heidenangst und er wacht schweißgebadet auf. Diese Unterschiede im Detail sind es dann, die ich interessant finde und die ich dann gemeinsam mit dem Klienten zu einer möglichen „Botschaft“ des Traums zusammenzusetzen versuche. Finden sich bedrohliche Elemente, stellt sich oft heraus, dass es im Leben des Betreffenden eben tatsächlich etwas gibt, was er als bedrohlich erlebt. Dann ist es spannend, sich anzuschauen, wie er im Traum mit dieser Bedrohung umgegangen ist, erfolgreich oder nicht erfolgreich, und was man aus der Traumsituation für die reale Situation im Leben übertragen und lernen könnte. Manchmal ist es auch so, dass dem Betreffenden erst im Gespräch über den Traum die Bedrohung im Alltag so richtig bewusst wird - bis dahin hat er sie lieber ignoriert und den Kopf in den Sand gesteckt. Das finde ich dann immer sehr nützlich an Träumen: sie schmieren uns gelegentlich das aufs Butterbrot, was wir im Alltag lieber nicht sehen wollen, was aber wichtig für uns und unser persönliches Wachstum wäre. Ich selber habe zum Beispiel sehr lange wirklich schlimme Albträume gehabt, in denen es mir jedes Mal ans nackte Leben ging und mir in den unterschiedlichsten Situationen alles abhanden kam, was mir lieb und wert war. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden hatte, dass dahinter eine sehr tief sitzende Verlustangst saß, die ihre Wurzeln in bestimmten Kindheitserlebnissen hatte. Als ich das erst mal begriffen und mich mit dieser Angst intensiv auseinandergesetzt hatte, hörten die Träume auf. Die Botschaft war angekommen - mein Unbewusstes ist diesbezüglich mittlerweile offenbar zufrieden mit mir, denn es sieht keine Notwendigkeit mehr, mir diese Thematik um die Ohren zu hauen. Also träume ich heute von anderen Dingen.

Wenn du selbst also öfter mal ratlos vor den Bildern der vergangenen Nacht stehst und dich fragst, was zum Teufel die dir denn jetzt wieder sagen wollten, dann würde ich dir gerne diese Vorstellung von deinem eigenen „Film“ und dir selbst als „Regisseur“ ans Herz legen. Du kannst ja, wenn es dich inspiriert, ruhig ein bisschen in den zahllosen Traumdeutungsbüchern herumblättern - aber bleib nicht dran kleben. Frag dich lieber wirklich, was die Elemente des Traums für dich selbst ganz persönlich bedeuten. Gibt es ein gemeinsames Grundthema mehrerer Träume, das in Variationen öfter wiederkehrt? Welches Gefühl ist bei dir vorherrschend, wenn du an den Traum denkst? Zu welchen Alltagssituationen würde dieses Gefühl noch passen? Was für eine „übertragene“ Bedeutung könnten verschiedene Traumelemente haben - oft gibt es hier unterschiedliche, und nur du kannst sagen, was dich eher anspricht. Wasser zum Beispiel kann fließen, Leben spenden, uns ertränken ... Feuer gibt Wärme und Licht, aber brennt auch Dinge nieder ... etwas oder jemand, das oder der uns verfolgt, kann uns bedrohen, will uns vielleicht aber auch auf etwas aufmerksam machen, uns etwas mitteilen ... ein Haus kann Geborgenheit bedeuten oder auch ein Gefängnis sein ... - Du siehst, es hat einfach wenig Sinn, sich krampfhaft an universal gültige Symbole zu klammern und aus diesen einen mystischen Sinn herauslesen zu wollen. Sieh es lieber spielerisch-kreativ: Dein ganz persönliches unbewusstes Ich möchte dir etwas sagen, kann aber nicht sprechen, sondern nur malen, wie ein Kind eben - was könnte es mit dem Traum gemeint haben? Und geh grundsätzlich davon aus, dass es eine wohlwollende Botschaft an dich ist! Dein Unbewusstes möchte dich nicht quälen, es möchte dir helfen. Schließlich ist es ein Teil von dir, wenn auch ein schwer zugänglicher, was hätte es also davon, dir zu schaden?

Ach so: falls du zu denjenigen gehörst, die sich nicht oder nur schwer an ihre Träume erinnern, es aber trotzdem mal versuchen möchtest: leg dir einen Notizblock und einen Stift auf den Nachttisch und notiere dir beim Aufwachen sofort alle Erinnerungsfetzen, die noch da sind (auch, wenn du mitten in der Nacht wach wirst). Das trainiert das Erinnerungsvermögen.

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