13 Tipps gegen die drohende Herbst-Depression
01.11.2006 von Diplom-Psychologin Felicitas
Heyne | Abgelegt in: Lebensgestaltung
Also, jetzt ist es nicht mehr zu leugnen: Herbst und Winter stehen vor der Tür. Heute ist der erste November, Allerheiligen. Und wenn uns bisher die warmen Sonnenstrahlen am Mittag und die milden Nächte in dem Glauben gewiegt haben, dass der Spätsommer dieses Jahr direkt in den Frühling übergehen würde, so werden wir jetzt durch ein nahendes Sturmtief eines Besseren belehrt. Auf der Insel Norderney fegt derzeit der Wind mit 120 km/h über den Strand; die Hamburger bereiten sich auf eine schwere Sturmflut vor. In weiten Teilen Deutschlands regnet es und ist quasi über Nacht empfindlich kälter geworden. Zusätzlich sorgt die Zeitumstellung dafür, dass es morgens vor Arbeitsbeginn noch und abends beim Nachhausekommen fast schon wieder dunkel ist. Die ersten Bäume sind schon ganz kahl, bei den anderen ist zumindest die Herbstfärbung nicht mehr zu übersehen.
Jeder vierte Deutsche klagt in Untersuchungen über gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und Heißhunger auf Süßes während des Herbstes und Winters. Forscher führen das vor allem darauf zurück, dass die Zirbeldrüse in der lichtarmen Zeit mehr Melatonin produziert, ein Hormon, das schlaffördernd wirkt und müde macht. Ein anderer wichtiger Faktor ist zweifellos, dass wir modernen Menschen dem Rhythmus der Natur mittlerweile stark entfremdet sind. Zentralheizung, elektrisches Licht, Winterurlaub im Süden, klimatisierte Einkaufspassagen - alles das vermittelt uns die Illusion, von den Jahreszeiten unabhängig zu sein, sie im Griff zu haben. Kein Wunder, dass es uns dann sauer aufstößt, wenn das Wetter mal nicht nach unserem Geschmack ist.
Wenn du auch zu den Menschen gehörst, die der kalten Jahreszeit mit Unbehagen entgegen sehen, die das Gefühl haben, dass ihnen kürzere Tage, neblige Stimmung und kältere Temperaturen aufs Gemüt schlagen, dann könntest du mal versuchen, dich ganz bewusst mit den schönen Seiten der kommenden Monate zu beschäftigen, statt weiter dem Sommer hinterher zu trauern. Es wäre doch schade, wenn du in deinem Leben nur sechs der zwölf Monate eines jeden Jahres so richtig genießen könntest! Das würde deine (qualitativ hochwertige) Lebenszeit ja nahezu halbieren ... Wie das Wetter auf dich persönlich wirkt, hängt vor allem von deiner Einstellung dazu ab. Und die zu verändern, ist möglich - auch wenn es ein bisschen Disziplin kosten könnte.
Eine gute Methode dafür ist es, sich die schönen Seiten von Herbst und Winter mal ganz gezielt ins Bewusstsein zu rufen und sie regelmäßig zu zelebrieren. Das ist zugegebenermaßen in der Stadt etwas schwieriger, als auf dem Land, geht aber mit etwas gutem Willen sehr wohl auch dort. Vielleicht hilft es dir auch, dich einmal ganz bewusst an deine Kindheit zu erinnern. Kinder sehen die Jahreszeiten Herbst und Winter noch mit ganz anderen Augen als Erwachsene - statt an Winterreifen, Eiskratzen und steigende Heizölpreise denken sie an Drachensteigen, Kastanien suchen und Schlitten fahren. Warum solltest du dir diese Freuden der Herbst- und Wintermonate heute nicht mehr gönnen, bloß, weil du erwachsen bist?
Hier sind ein paar Ideen für „Herbst-“ und „Winterfeste“. Viele davon sind Aktivitäten im Freien - das hat auch seinen Sinn: Selbst an einem bedeckten Wintertag herrscht im Freien eine Lichtstärke von 30.000 bis 50.000 Lux. Das ist mehr als genug, um deinen Lichtbedarf auch im Winter ausreichend zu decken. Deine Zirbeldrüse reagiert erst mit verstärkter Aktivität, wenn die Lichtstärke unter 2500 Lux sinkt. Schon eine halbe Stunde im Freien kann also deine Laune deutlich heben!
- Lass doch mal wieder einen Drachen steigen!
Es gibt heute tolle, fantasievolle Modelle und
schnittige Lenkdrachen zu kaufen, mit denen diese
Aktivität fast zu einer sportlichen
Herausforderung werden kann. Wenn du handwerklich
geschickt bist, hast du möglicherweise auch Spaß
daran, dir selbst einen Drachen zu basteln.
Informiere dich, ob es in deiner Nähe einen
Drachenclub oder ein Drachenfest gibt - du wirst
dich wundern, wie verbreitet und vielseitig
dieses Hobby mittlerweile ist! Und wer weiß -
vielleicht ist das ja auch eine gute Möglichkeit,
mal wieder ein paar neue nette Menschen kennen zu
lernen?
- Hast du Freude an Basteleien? Dann ist der
Herbst die reinste Fundgrube für dich - mit
bunten Blättern, Kastanien, Bucheckern, Eicheln,
Hagebutten und tausenderlei mehr! Keine Lust,
alleine zu basteln? Dann wirf doch mal einen
Blick in das Programm deiner Volkshochschule oder
eines anderen öffentlichen Bildungsträgers in
deiner Nähe. Oft werden zu dieser Jahreszeit dort
kreative Angebote gemacht, die dich inspirieren
und mit Gleichgesinnten in Kontakt bringen
können.
- Nutze jede Gelegenheit für einen Spaziergang
im Freien - deine Mittagspause, deinen Weg zur
Arbeit, das Wochenende. Je mehr Bäume und
Sträucher dich dabei umgeben, desto besser!
Genieße das Schauspiel der sich verfärbenden
Natur ganz intensiv. Vielleicht reizt es dich ja
auch, dir endlich mal das Aquarellset oder die
Ölfarben zu kaufen, an die du schon öfter gedacht
hast? Jetzt ist eine gute Zeit, den Maler oder
die Malerin in dir erwachen zu lassen!
- Mach mal wieder einen ausgedehnten
Waldspaziergang (auch wenn du dafür vielleicht
ein bisschen Anfahrt in Kauf nehmen musst). Jetzt
ist die schönste Zeit dafür. Nimm die intensiven,
würzigen Aromen des Herbstwaldes mit allen Sinnen
wahr. Sammle dir ein paar Esskastanien und röste
oder koche sie dir, wenn du wieder nach Hause
kommst. Vielleicht traust du es dir ja auch zu,
ein paar Pilze als essbar zu identifizieren? Wenn
du dir unsicher bist - in den meisten Städten und
Gemeinden gibt es mittlerweile
Pilzsachverständige, die kostenlos einen Blick in
deinen Korb werfen und dir sagen, ob du
Bekömmliches mitgebracht hast oder doch lieber
etwas anderes zu Abend essen solltest! Oft
findest du ihre Adresse in deiner Apotheke oder
auf der Gemeindeverwaltung.
- In den USA ist Thanksgiving Ende November ein
großes Fest, das mit Familie und Freunden
gefeiert wird. Vielleicht hast du ja Lust, diesen
Brauch zu übernehmen? Such dir ein Datum aus,
lade ein, wen du möchtest und gestalte das Fest
mit allem, was dir der Herbst bietet: Früchte,
Blumen, Kürbisse, Kastanien, neuem Wein,
Zwiebelkuchen ... Viele schöne (und einfache)
Herbst-Rezepte findest du z. B. unter www.chefkoch.de!
- Dekoriere deine Wohnung der Jahreszeit
entsprechend so, dass du dich wohl und geborgen
fühlst! Vor allem Kerzen in jeder Form und Größe
sind eine wunderbare Möglichkeit dafür und machen
die dunklen Abende kuschelig. Vielleicht hast du
auch Lust, einen verregneten Tag für eine kleine
Renovierungs- oder Umräumaktion zu nutzen? Gibt
es eine Ecke in deiner Wohnung, die du schon
länger gern umgestalten möchtest? Auch Duft- und
Aromalampen schaffen jetzt eine wunderbare
Atmosphäre.
- Gönn dir - wenn du eine Badewanne hast - doch
öfter mal abends eine „blaue Stunde“ mit einem
besonderen Badezusatz, schöner Musik und einem
Buch! Rosen- oder Lavendelöl sind als
Stimmungsaufheller besonders geeignet.
- Erinnerst du dich noch an die Tage als Kind,
an denen du krank warst und im Bett bleiben
musstest, dich aber nicht mehr wirklich schlecht
gefühlt hast? Hast du sie genossen? Dann ist
jetzt vielleicht eine gute Zeit, dir mal wieder
einen solchen Tag zu gönnen - ohne, dass du dafür
krank werden musst! Begrüße einen regnerischen,
nebelverhangenen Tag als Geschenk an dich selbst.
Gönn dir ein Buch, ein paar Zeitschriften oder
eine DVD, die du schon lange im Auge hast. Bezieh
dir dein Bett neu, türme alles an Kuscheldecken
und -kissen darauf auf, die du um dich haben
möchtest. Schalt den Anrufbeantworter ein oder
zieh den Telefonstecker raus, schalt auch dein
Handy und die Türklingel aus. Bereite dir ein
paar Leckerbissen vor, die du gut im Bett essen
und trinken kannst - und dann gehören die
nächsten Stunden nur dir alleine!
- Trinkst du gerne Tee? Dann gönn dir doch
jetzt mal ein paar neue Sorten zum Ausprobieren!
Die Ostfriesen (die an schlechtes Wetter eher
gewöhnt sind) zelebrieren nicht umsonst das
Ritual der Teestunde besonders ausgiebig. Mit
einer duftenden Tasse Tee, Kandis und Sahne vor
dir macht es sogar Spaß, dem Regen zuzuschauen!
- Vielleicht hast du ja auch Lust, deine
Kochleidenschaft neu zu entdecken? Nach den
warmen Sommertagen, an denen man nicht so gerne
am Herd stehen mag, kommt jetzt wieder die Zeit
für dampfende Suppen, Wurzelgemüse-Eintopf oder -
wenn du magst - sogar ein selbst gebackenes Brot.
„Sei gut zu deinem Leib, damit die Seele Lust
hat, darin zu wohnen!“ - diesen Satz der Heiligen
Teresa solltest du dir jetzt besonders zu Herzen
nehmen! Die paar Kalorien mehr verbrennt dein
Körper spielend beim nächsten Schneespaziergang!
- Gehst du gerne in die Sauna? Oder ins
Dampfbad? Dann spendiere dir doch mal wieder
einen Wellness-Abend oder -Nachmittag. Alles das
sind Aktivitäten, die man bei dreißig Grad im
Schatten eher meidet - freu dich, dass die Zeit
dafür wieder da ist!
- Ärgere dich nicht über den ersten Schnee und
darüber, dass die Winterreifen erneuert werden
müssen! Begrüße ihn, er macht den Tag draußen
heller, indem er das Sonnenlicht reflektiert!
Riskiere doch mal wieder eine Schneeballschlacht
mit Freunden, geh Schlitten fahren oder bau einen
Schneemann. Nirgends steht geschrieben, dass das
nur Kinder dürfen! Und im Unterschied zu früher
kannst du dir heute danach einen heißen Grog oder
einen Glühwein gönnen ...
- Gibt es bei dir in der Nähe einen schönen Nikolaus- oder Weihnachtsmarkt? Dann nichts wie hin - am besten am Abend, wenn es schon dämmrig oder dunkel ist, du die Lichter bewundern und die Düfte besonders intensiv wahrnehmen kannst! Ein bisschen Kitsch und Nostalgie ist jetzt genau das Richtige für die Seele.
Na, hast du ein bisschen Lust bekommen, die kalte Jahreszeit mit anderen Augen zu betrachten? Das würde mich sehr freuen! Denk daran: Es sind nicht die Dinge an sich, die uns beunruhigen, sondern unsere Sicht auf die Dinge! (Seneca)
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