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Panikattacken - was man über Angststörungen wissen sollte

Ein Thema, das bei mir im Praxisalltag gerade mal wieder vermehrt auftaucht, habe ich (zu meinem eigenen Erstaunen!) bisher noch gar nicht hier im Blog behandelt: Angststörungen. Was mir dabei persönlich immer wieder auffällt, ist die Tatsache, dass diese psychische Erkrankung sehr oft nicht oder falsch diagnostiziert wird, wenn die Klienten ihren Arzt aufsuchen. Stattdessen bekommen sie sehr oft Antidepressiva in die Hand gedrückt oder - wenn es ein eher naturheilkundlich orientierter Arzt ist - Johanniskraut oder dergleichen empfohlen. Eigentlich dachte ich, das sei einfach ein zufälliges Phänomen bei mir in der Praxis, aber wie ich in der neuen emotion (http://www.emotion.de/) gelesen habe, ist es das scheinbar nicht. Da wird nämlich ein Professor für Psychosomatik an der Uni Witten zitiert, der sagt, dass es im Durchschnitt sieben (!!) Jahre bis zur richtigen Behandlung dauert und - noch verblüffender für mich - dass „sogar Psychiater lieber eine Depression als eine Angststörung diagnostizieren“. Dabei sind Angststörungen bei Frauen die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung und insgesamt wird bei 15 % aller Deutschen irgendwann im Laufe ihres Lebens mal eine Angsterkrankung festgestellt. Alles andere als ein exotisches Krankheitsbild also. Und höchste Zeit für mich, mal ein paar Blogbeiträge zum Thema online zu stellen, habe ich beschlossen!

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Ich würde heute gerne mal mit etwas anfangen, was ich im Therapieverlauf immer als sehr hilfreich erlebe, nämlich ein paar einfachen Erklärungen rund um das Thema Angst, Angstreaktionen und -symptomen. Ganz oft stelle ich nämlich fest, dass es die Betroffenen sofort sehr erleichtert, wenn man ihnen die Grundlagen ihrer körperlichen Symptome auseinandersetzt, und das kann ich auch sehr gut verstehen. Ich habe nämlich selber schon mal eine Panikattacke hinter mich gebracht und weiß ganz genau, wie sie sich „von innen“ anfühlt - so, als ob man gleich stirbt oder zumindest ohnmächtig umfällt! Wenn man das mal selber mitgemacht hat, kann man sehr gut nachvollziehen, dass die meisten Betroffenen sofort alles daran setzen, nie, nie, nie wieder so ein scheußliches Erlebnis zu haben. Obwohl die Symptome je nach Person variieren können, gehören folgende in der Regel dazu:
  • Schwindel
  • Schweißausbrüche
  • Übelkeit, manchmal auch Durchfall
  • Taubheitsgefühle oder Prickeln in den Extremitäten
  • trockener Mund
  • Herzrasen
  • Zittern
  • beschleunigtes Atmen

Auf dem Höhepunkt fühlt sich eine richtig ausgewachsene Panikattacke so an, als bekäme man gleich einen Herzinfarkt, verlöre im nächsten Moment die Kontrolle über sämtliche willkürlichen und unwillkürlichen Körperfunktionen und stünde direkt an der Schwelle zum Jenseits. Kein Wunder, dass die Betroffenen spornstreichs zum Arzt laufen und überzeugt sind, demnächst die Radieschen von unten wachsen zu sehen! Übrigens bin ich da gar nicht dagegen: erstens sollte man in jedem Fall ruhig erst mal alle möglichen körperlichen Ursachen für die Symptome ausschließen (eine Fehlfunktion der Schilddrüse z. B. kann unter Umständen sehr ähnliche Symptome erzeugen), und zweitens brauchen sie auch die Beruhigung durch die ärztliche Versicherung, dass physisch alles in Ordnung ist, bevor sie psychische Ursachen als Quelle dieser Erfahrung akzeptieren können - und selbst dann fällt es vielen noch furchtbar schwer! Zum einen ist es bei uns in Deutschland ja immer noch irgendwie anrüchig, eine psychische Krankheit zu haben, und zum anderen gibt es wohl keine andere psychische Störung, die dermaßen wuchtig und bedrohlich auf der körperlichen Ebene erlebt wird. Denn die körperlichen Symptome sind ja real, die bildet man sich keineswegs ein! Es braucht schon eine Menge, bis man wirklich glauben kann, dass etwas so eindeutig Physisches von der Psyche ausgelöst werden kann!

Und genau darum geht es mir heute: Ich möchte kurz erklären, welche körperlichen Mechanismen den Symptomen der Angstattacke zugrunde liegen. Wenn man erst mal versteht, wie das System tickt, verliert das Ganze nämlich sofort einiges von seinem Schrecken, das merke ich bei Klienten immer wieder.

Zuallererst und vielleicht am wichtigsten für dich, wenn du selbst zu den Betroffenen gehörst: Denk daran, dass dein Körper in Jahrtausenden der Evolution zu einem ganz bestimmten Zweck entwickelt und geformt wurde, nämlich um dein Überleben zu sichern! Nichts, was in deinem Körper passiert, ist deshalb gegen dich gerichtet. Alle Symptome (so unangenehm sie auch sein mögen) dienen eigentlich dazu, dich zu schützen und in Gefahrensituationen in Sicherheit zu bringen. Angstreaktionen laufen automatisch ab; sie sind ein Notprogramm des vegetativen (also unwillkürlichen) Nervensystems. Das ist auch sehr sinnvoll, denn das vegetative Nervensystem ist nicht auf die (vergleichsweise langsamen) Überlegungen deiner evolutionär neueren Hirnbereiche angewiesen, sondern wird von sehr alten Hirnstrukturen gesteuert und springt blitzschnell an. Wenn deinen Vorfahren in grauer Vorzeit der von mir gern bemühte Säbelzahntiger über den Weg lief, zählten Sekundenbruchteile. Langatmige Überlegungen wie: „soll ich jetzt vielleicht lieber weglaufen?“ hätten sie den Kopf gekostet. Stattdessen wurde der Gefahrenreiz sozusagen per Abkürzung übermittelt und sofort der Sympathikus aktiviert, der zu einer Aktivierung des „Kampf-Flucht-Systems“ führt:
  • Der Herzschlag beschleunigt sich: Gut so, denn damit wird schnell möglichst viel sauerstoffhaltiges Blut in alle Teile des Körpers gepumpt! Alle für Kampf oder Flucht notwendigen Körperteile sind damit optimal versorgt - jetzt kannst du sprinten wie ein Weltmeister!

  • Die Atmung wird tiefer und schneller: Auch das dient der Maximalversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Nebeneffekte sind dabei oft das Gefühl, zu ersticken (weil die Atemfrequenz so extrem hoch wird) oder auch Schwindelgefühle (als Nebeneffekt von zu viel Sauerstoff im Gehirn - deshalb lässt man hyperventilierende Menschen auch oft in eine Tüte atmen, damit sie wieder mehr Kohlendioxid als Sauerstoff aufnehmen und so diesen Effekt neutralisieren).

  • Blut wird überall dort abgezogen, wo es nicht gebraucht wird, damit die Glieder und Muskeln stattdessen eine Extraportion bekommen und höchste Leistung erbringen können. Der wahrgenommene Nebeneffekt bei einer Panikattacke ist dabei einmal, dass man blass wird oder sich einige Körper- oder Hautstellen taub anfühlen; zum anderen die oft beschriebenen Symptome im Magen-Darm-Bereich, der ebenfalls sinnvollerweise sofort auf Minimalversorgung schaltet: Angesichts des Tigers ist es nun mal nicht wichtig, selber etwas zu verdauen, sondern schnell zu rennen, damit man nicht selber gleich verdaut wird ... Das löst dann oft das Gefühl aus, dringend zur Toilette zu müssen, weil Darm und Blase sich zur Entleerung vorbereiten (übrigens auch nicht ganz dumm: je weniger Ballast man beim Rennen mit sich führt, umso besser!).

  • Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Kampf-und-Flucht-Reaktion ist die Ausschüttung des aktivierenden Hormons Adrenalins: Jetzt bist du maximal energiegeladen und dein Körper angespannt und damit in bester Position für ein Überleben. Würdest du wie ein Blitz losrennen, würde sich diese Energie auf natürlichem Wege abbauen, einfach verbraucht werden. Bleibt die Kampf- oder Fluchtreaktion aber aus (weil es nichts gibt, wovor du wegrennen oder es bekämpfen müsstest), fangen deine Muskeln vor lauter Anspannung an zu zittern. Durch den vielen Sauerstoff in ihnen fühlen sie sich auch möglicherweise wie Gummi an - das sind dann die berühmten „weichen Knie“, die man in einer Panikreaktion oft spürt. Und damit dein Körper nicht heißläuft, fangen deine Drüsen an, vermehrt Schweiß abzusondern, wie sie es auch tun würden, wenn du nur zum Vergnügen durch den Park joggen würdest. Dir bricht also der Schweiß aus .. übrigens auch ein guter Mechanismus im Kampf: einen glitschigen Gegner kann man nicht so gut festhalten! Das Adrenalin sorgt auch dafür, dass deine Pupillen sich weit öffnen, damit du so viel wie möglich von deiner Umgebung wahrnimmst und alles registrieren kannst, was dich da vielleicht bedroht - allerdings vor allem in einer Distanz von etwa drei bis zehn Metern, also da, wo sich der Tiger wahrscheinlich gerade anschleicht. Direkt vor dir dagegen wird das Bild dadurch eher leicht unscharf, was oft das Gefühl von Sehstörungen und/oder Schwindel erzeugt.

Es gibt noch ein paar andere Angstsymptome, und zu allen ließe sich das sagen, was du aufgrund des Geschriebenen bereits sicher verstanden hast: Alles, was da in deinem Körper passiert, ist zu deinem Nutzen gedacht! Daran solltest du zu denken versuchen, wenn du meinst, du stirbst gleich an diesen Symptomen. Das passiert keinesfalls, auch wenn es sich auf dem Höhepunkt der Angst so anfühlt! So blöd ist Mutter Natur nämlich nicht, dass sie uns einen Mechanismus fürs Überleben mitgibt, der uns dann vor lauter Eifer selber umbringt! Die Symptome sind beängstigend, unangenehm, aufwühlend, anstrengend .. alles, was du willst. Und selbstverständlich wird es in den nächsten Blogs auch um die wichtige Frage gehen, wie du die Panikattacken los werden kannst. Aber eines sind die Symptome keinesfalls: lebensbedrohlich oder gar tödlich! Und noch eine zweite Befürchtung, die Panikpatienten oft haben, will ich dir hier gleich nehmen: Sie dauern nicht unbegrenzt an! Die meisten Menschen, die unter Angstattacken leiden, haben die Vorstellung, dass die unangenehmen Gefühle - wenn sie nichts gegen sie unternehmen, also z. B. eine Beruhigungstablette schlucken oder sofort aus dem Fahrstuhl aussteigen - einfach immer mehr zunehmen und so lange stärker werden würden, bis irgendetwas Schlimmes passiert (der befürchtete Herzinfarkt oder die Ohnmacht zum Beispiel). Aber auch das stimmt nicht, denn auch hier hat Mutter Natur sehr weise vorgesorgt. Sie hat uns nämlich mit diesem vegetativen Nervensystem ein fein ausgeklügeltes, nach dem Regelkreisprinzip funktionierendes Teil mitgegeben! Der Sympathikus, der die ganzen aktivierenden Reaktionen in deinem Körper ausgelöst hat, hat auch einen Gegenspieler, den Parasympathikus. Der ist sozusagen die Bremse, während der Sympathikus mit einem Gaspedal zu vergleichen wäre. Und das Beste an dieser Bremse ist, dass sie ganz automatisch und selbstgesteuert anspringt und die Funktionen in deinem Körper auf Normalzustand zurückfährt ... wenn du ihr die Zeit dafür lässt. Irgendwann zwischen fünf und etwa dreißig Minuten flauen die Symptome dann von ganz alleine ab. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass du die Panikattacke einfach ablaufen lässt (ohne krampfhaft dagegen anzukämpfen oder fluchtartig die Situation zu verlassen).

Leicht gesagt wieder mal, ganz klar. Einen Klienten zu überreden, sich auch nur für die Dauer von zehn Minuten einer Situation auszusetzen, die aller Wahrscheinlichkeit etwas in ihm auslösen wird, was so unangenehm und furchteinflößend wie die körperlichen Symptome einer Panikattacke, ist meist Schwerstarbeit. Es geht hier und heute auch gar nicht darum, dass du plötzlich zum Helden mutierst und deine Panikattacken nicht mehr schlimm findest. Aber zwei Dinge sind mir doch ganz wichtig klarzustellen:

1. Man stirbt nicht an Panikattacken! Selbst über einen langen Zeitraum und in starker Intensität steckt der menschliche Körper sie erstaunlich gut weg und nimmt keinerlei Schaden durch sie. Die einzige Ausnahme sind Menschen, die schon vorher irgendwelche schweren Erkrankungen hatten (z. B. Diabetes, einen Herzklappenfehler oder etwas in dieser Art). Für die sind Panikattacken in etwa so schädlich, wie es jede andere starke körperliche Anstrengung sonst auch wäre - exzessives Joggen zum Beispiel, und bei ihnen muss man dann etwas vorsichtiger bei der Therapie sein. Für alle anderen gilt, dass noch niemand an einer Panikattacke gestorben ist.

2. Panikattacken sind zeitlich begrenzt und flachen von alleine wieder ab, wenn man es ihnen erlaubt. Sie dauern nicht ewig und die Symptome steigern sich auch nicht ins Unendliche. Und es gibt keinen dokumentierten Fall, bei dem jemand aufgrund einer Panikattacke tatsächlich in Ohnmacht gefallen ist! Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als ob - der Körper ist während der Attacke viel zu aktiviert und angespannt, als dass das passieren würde. (Oder was glaubst du, was mit dem Vorfahren passiert wäre, der angesichts des Säbelzahntigers erst mal in Ohnmacht gefallen wäre? Eben.)

So, das ist erst einmal genug für heute - in den Fortsetzungen soll es natürlich um Möglichkeiten geben, mit Panikattacken besser fertig werden zu können. Ich hoffe aber, dass bei dir - falls du betroffen bist - während des Lesens ein ähnlicher Effekt aufgetreten ist, wie oft bei meinen Klienten nach diesen Erklärungen: dass du nämlich ein bisschen erleichtert geseufzt hast und dir das ganze Geschehen nicht mehr ganz so bedrohlich und unerklärlich erscheint. Damit wäre fürs erste schon eine ganze Menge erreicht!

Fortsetzung folgt!

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