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Frieden mit der Vergangenheit schließen, um frei für die Zukunft zu werden

Also, um hier gleich mal eins klar zu stellen: Ich bin beileibe keine Freundin des bekannten Familienaufstellers Bert Hellinger, auch wenn ich systemische Therapeutin bin und damit Familienaufstellungen zu meinem täglichen Handwerkszeug gehören. Was es an Hellinger aus meiner (und nicht nur meiner Sicht) alles auszusetzen gibt, damit könnte man Bücher füllen. Aber in einer Hinsicht hat der Mann nicht ganz unrecht, wenn er da immer von „Vater und Mutter ehren und achten“ schwatzt - dass es nämlich eine ganz wesentliche Voraussetzung für Zufriedenheit und Glück im Leben ist, dass man mit den eigenen Eltern in irgendeiner Form seinen Frieden macht und sie so akzeptiert, wie sie sind. Selbst dann (oder vielleicht auch gerade dann!), wenn man sie eigentlich am liebsten auf den Mond schießen würde für alles das, was sie alles falsch gemacht haben.

Ich erlebe gerade wieder in zwei Therapien sozusagen live mit, wie viel Lebensenergie man sich selbst entzieht, wenn man in einer Art innerem Dauerkrieg mit den Eltern lebt oder beim Gedanken an diese praktisch nur Vorwürfe und Anklagen im Kopf hat. Meist ist das dann besonders der Fall, wenn man in der Gegenwart mit dem eigenen Leben unzufrieden ist oder es einem aus irgendeinem Grund schlecht geht. Dann ist es sehr verführerisch, der eigenen Vergangenheit und hier besonders den Eltern die Schuld dafür zu geben: „Ist ja kein Wunder, dass mir nichts gelingt, bei der problematischen Kindheit und bei den Eltern, die ich hatte! Ich habe einfach nie das bekommen, was ich eigentlich gebraucht hätte!“

Nun ist es ja wirklich so, dass Eltern auch nur Menschen sind, und ich will gerne zugeben, dass ich eine Menge Leute kenne, die mit einiger Berechtigung ihren Eltern Vorwürfe hinsichtlich irgendwelcher Versäumnisse machen könn(t)en. Das reicht von fehlender emotionaler Zuwendung bis hin zu dem Gefühl (oder sogar der Gewissheit), ein unerwünschtes Kind gewesen zu sein. Von mangelnder Aufmerksamkeit bis hin zu kompletter Überforderung und überzogenem Anspruchsdenken. Von ungerechter Behandlung bis hin zu Misshandlung oder Missbrauch. Und selbstverständlich haben diese Menschen jedes Recht der Welt, zornig, enttäuscht und traurig darüber zu sein, dass sie als Kinder vielleicht nicht (alles) bekommen haben, was ihnen an Liebe, Fürsorge, Respekt, Schutz oder anderen Bedürfnissen zugestanden hätte. Auch ich finde das sehr schlimm und würde mir - wie wahrscheinlich jeder Mensch - für sie wünschen, es wäre anders gewesen.

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Aber wer in dieser Haltung des Vorwurfs an die Vergangenheit stecken bleibt, der macht in meinen Augen etwas viel Schlimmeres mit sich selbst, als die schlimmsten Eltern mit ihm machen konnten: er beraubt sich selbst der Möglichkeit einer glücklicheren Gegenwart und Zukunft. Es bindet nämlich ungeheuer viel Energie, wenn man ständig im Zorn auf etwas zurück blicken muss. Etwas (oder jemanden), auf den man wütend ist, den muss man ja ständig im Auge behalten! Da hat man keine Zeit und Ruhe, den Blick mal auf was anderes zu richten! Und da bekommt man schnell das Gefühl, da wäre ja gar nichts anderes, auf das man schauen könnte. Manchmal bekomme ich bei Klienten, die die Wurzel all ihrer Probleme im Hier und Jetzt lediglich in der Vergangenheit suchen, das Gefühl, als würde ich einem Menschen zuschauen, der sich voller Verzweiflung an ein Gittertor klammert, daran rüttelt und zetert, dass er es nicht aufbekommt und deshalb nicht weiter gehen kann. Und dabei gar nicht bemerkt, dass er nur das Gitter los lassen und sich umdrehen müsste, weil hinter ihm gar kein Zaun, sondern nur offene Landschaft mit allen Möglichkeiten dieser Welt liegt ...

Abgesehen davon, dass es sehr viel Energie bindet, ständig in die (tatsächlichen oder vermeintlichen) Abgründe der Vergangenheit zu starren, liegt noch eine weitere Gefahr darin, mit den eigenen Eltern im Dauerhader zu leben. Ob wir wollen oder nicht, wir sind nun mal das Ergebnis der Vereinigung dieser beiden Menschen und keiner anderen. Ich bin meine Eltern - und noch ein bisschen mehr als das. Und wenn ich meine Eltern (oder einen davon) komplett ablehne, dann kann ich es drehen und wenden, wie ich will, dann lehne ich auch einen ganz schön großen Anteil von mir selbst ab. Das macht es dann nicht gerade einfacher, zu mir selbst ein liebevolles, von Achtung und Respekt geprägtes Verhältnis aufzubauen. Ein Mangel daran ist wiederum die Wurzel von vielen anderen Problemen, die Menschen unzufrieden machen. Und so schaffe ich mir mein eigenes kleines Hamsterrad an Unglück und merke es vielleicht gar nicht.

Bitte versteh mich nicht falsch: Ich bin durchaus nicht gewillt, hier allen Eltern dieser Welt, die ihren Kindern irgendetwas vorenthalten, antun oder aufbürden, einen Freibrief dafür auszustellen. Ich finde, dass alle Kinder immer alles bekommen sollten, was sie brauchen und was ihnen gut tut und nichts anderes als das. Und ich bin oft genug entsetzt über das, was ich in Eltern-Kind-Beziehungen diesbezüglich so beobachte. Aber ich sehe keinen Sinn darin, sich selbst aufgrund einer vielleicht nicht ganz glücklichen Kindheit auch noch die Zukunft unglücklich zu gestalten. Damit setzt man ja nur die eventuelle schlechte Behandlung der eigenen Person durch die Eltern sozusagen ohne deren Hilfe weiter fort. Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Wem ich die Schuld gebe, dem gebe ich auch die Macht. Und angenommen, deine Eltern haben dir den Start ins Leben (absichtlich oder unabsichtlich) auf die eine oder andere Art schwerer gemacht, als es für dich gut war, weil du damals ein Kind warst und ihrer Macht ausgeliefert - warum, zum Teufel, solltest du heute als Erwachsene(r) die Macht immer noch bei ihnen lassen? Und das tust du, wenn du nicht das Allerbeste aus deinem Leben machst, sondern statt dessen im Schmollwinkel herum sitzt und über das jammerst, was dir als Kind gefehlt hat! Wenn du stattdessen erkennst, dass hinter dir kein Zaun ist, wenn du dich umdrehst, will heißen, wenn du die Verantwortung für dich und dein Leben wieder in die eigenen Hände nimmst und es so gestaltest, wie du es für dich haben möchtest, dann liegt die Macht wieder bei dir - vielleicht nicht für deine Vergangenheit, aber in jedem Fall für deine Zukunft.

„Die hat leicht reden“, denkst du jetzt vielleicht. Ich weiß schon, dass man nicht so einfach sagen kann: „OK, dann verzeihe ich jetzt mal meinen Eltern alles, was sie in meinen Augen an mir versaut und verbrochen haben, und lebe ein positives, sinnerfülltes Leben!“ Aber ich habe ein paar Vorschläge, die dir - falls du auch an einem Gittertor festhängst - möglicherweise helfen könnten, loszulassen und dich umzudrehen (oder wenigstens mal einen Blick über die Schulter zu werfen):
  • Du wärst nicht du, wenn du nicht gerade diese beiden Menschen als Eltern gehabt hättest. Das mag im Negativen stimmen, es stimmt aber auch im Positiven. Selbst an den übelsten Menschen kannst du, wenn du genau hinschaust, Persönlichkeitsmerkmale, Stärken und Fähigkeiten entdecken, die schätzenswert sind. Such bei deinen Eltern danach - mindestens zehn für deinen Vater und zehn für deine Mutter solltest du finden. Dann überlege, welche dieser positiven Eigenschaften du an dir selbst wiederfindest. Irgendetwas ist sicher dabei. (Einer meiner beiden Klienten ist z. B. ein uneheliches Kind, um das sich der leibliche Vater nie gekümmert hat, so dass der Klient von ihm kaum etwas weiß - aber als ich mal ein Foto von dem Mann zu Gesicht bekam, musste der zornige junge Mann immerhin zugeben, dass er sein außergewöhnlich attraktives Äußeres unübersehbar genau diesem „verantwortungslosen Erzeuger“, wie er ihn zu nennen pflegte verdankte.) Wenn es ganz schwierig ist, kannst du das auch auf ein oder zwei Generationen vor deinen Eltern erweitern: Bezieh deine Groß- und / oder Urgroßeltern mit in die Perspektive ein! Was haben sie dir über deine Eltern an Positivem mitgegeben?

  • In einem zweiten Schritt kannst du dir überlegen, wie die schwierige Ausgangssituation deiner Kindheit dazu beigetragen hat, deine Persönlichkeit positiv zu beeinflussen. Welche Fähigkeiten und Stärken musstest du entwickeln, um mit ihr fertig zu werden? Wie kannst du diese Fähigkeiten heute gut und sinnvoll für dich (und andere) nutzen? Vielleicht bist du besonders einfühlsam und aufmerksam anderen Menschen gegenüber geworden, weil du in einem Klima groß wurdest, in dem es darauf ankam, rechtzeitig zu erraten, wann es wieder Prügel geben würde und vorher zu verschwinden? Vielleicht bist du ein besonders selbständiger und eigenverantwortlicher Mensch geworden, weil du früh dir selbst überlassen warst und keiner besonders an dir interessiert war? Außerdem: Alles, was du in deinem Leben bisher geleistet hat, zählt doppelt so viel aufgrund deines schwierigen Starts! Du kannst auf alles Erreichte doppelt so stolz sein, wie es jemand mit einer „perfekten“ Kindheit sein könnte!

  • Schreib deinen Eltern einen Brief, in dem du ihnen unzensiert mal alles an den Kopf wirfst, was das „innere Kind“ in dir an Anklagen und Vorwürfen an sie auf dem Herzen hat. Lass dir dafür ruhig eine Weile Zeit. Schick den Brief aber nicht ab, sondern überlege dir ein für dich passendes Ritual, dich von diesen negativen Gedanken gut zu verabschieden: verbrenn ihn, vergrabe ihn, lass ihn als Papierschiffchen den Fluss hinunter ins Meer treiben, binde ihn an einen Luftballon ... was auch immer.

  • Unterhalte dich mit dem Anteil in dir, der so besonders zornig ist, weil er mit seinen Bedürfnissen nicht gesehen wurde. Frage ihn, wie alt er ist, welche Wünsche und Sehn-süchte von ihm alle unerfüllt blieben. Im Idealfall hast du irgendwann ein ganz deutliches Bild von dir selbst in irgendeiner Altersphase deiner Kindheit vor Augen, vielleicht sogar in einer bestimmten Situation. Sag deinem Kind-Anteil, dass du - als dein erwachsenes Ich - jetzt da bist und dich besser um ihn kümmern willst, als die Eltern es getan haben. Frag ihn, was er von dir braucht, damit es ihm besser geht. Wie möchte er von dir verwöhnt und getröstet werden? (Mach das aber bitte nicht allein, wenn du sehr traumatische Kindheitserlebnisse wie Missbrauch oder schwere Misshandlungen hinter dir hast!! Dann ist es besser, wenn dir ein/e Therapeut/in dabei hilft und dich stützt! Sonst kannst du da schnell in eine Retraumatisierung hineinrutschen!)

  • Versetz dich in deine Eltern hinein. Wenn du von ihnen nicht bekommen hast, was du gebraucht hast, dann höchstwahrscheinlich deshalb, weil sie selbst es ebenfalls nie bekommen haben. Was glaubst du, hat deinen Eltern vielleicht von ihren Eltern gefehlt? Und denen wiederum von ihren Eltern? Ändert das deinen Blick auf deine Eltern irgendwie?

  • Mach dir klar, dass deine Eltern, wie sehr sie dir gegenüber vielleicht auch schuldig geworden sein mögen, immerhin die Wurzeln deiner Existenz sind. Sie haben dir - wenn nichts anderes - dann doch das Leben geschenkt und damit die Möglichkeit, daraus etwas Gutes zu machen. Ohne sie gäbe es dich nicht. Dafür wenigstens schuldest du ihnen Dankbarkeit. Ich bin allerdings nicht der Meinung (wie Hellinger es ist), dass du ihnen deshalb auch alles schwere Unrecht verzeihen musst - z. B. einen Missbrauch oder dergleichen. Gottseidank geht es aber nicht bei allen Eltern um so unverzeihliche Verhaltensweisen. Du musst für dich selbst prüfen, wie das bei dir ist. Die meisten Eltern haben ihren Kindern wenigstens ein bisschen mehr als nur das Leben an Gutem mitgegeben. Wenn du nachdenkst, findest du sicher etwas diesbezüglich auch bei deinen Eltern. Eine gute Möglichkeit finde ich, wenn du innerlich zu einer Haltung gegenüber deinen Eltern finden kannst, die in etwa besagt: „Das ganz Schlimme, das du mir angetan hast, verzeihe ich dir nicht, aber das Gute, das ich von dir bekommen habe, dafür danke ich dir, und dafür werde ich dich ehren und in meinem Herzen behalten.“ Und ganz wichtig finde ich auch den Satz: „Ich will aufhören, dich anders zu wollen, als du bist. Ich nehme dich einfach so als meine Mutter / meinen Vater an.“

Natürlich sind das alles keine Zaubertricks, die ratz-fatz alles wegspülen, was da an Negativem ist. Aber alle diese Dinge können ein Anfang sein, loszulassen, frei zu werden, die Verantwortung für das eigene Leben an sich zu nehmen. Glücklicher zu werden. Denk dran: Nicht der Wind, sondern die Segel bestimmen den Kurs. Und die Segel auf deinem Boot hier und heute setzt nur du!

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