Ist das wirklich mein Traumberuf?

Auf iPersonic habe ich ja schon häufig genug darüber geschrieben, wie ausschlaggebend der richtige Beruf für das eigene Glück und die Lebenszufriedenheit ist. Und wie wichtig es deshalb ist, sich selbst und die eigene Persönlichkeit gut zu kennen, um in diesem Bereich die richtigen Entscheidungen treffen zu können. (Hier kannst du kostenlos unseren Berufstest machen!)

Heute habe ich auf „Spiegel online“ nun einen spannenden Artikel von Uta Glaubitz über den Einfluss der Familiengeschichte auf Berufsentscheidungen entdeckt. Als systemische Familientherapeutin kenne ich viele Fälle, in denen - manchmal offen, meist aber ganz unbewusst - „Aufträge“ aus früheren Generationen (Eltern, Großeltern etc.) an spätere Generationen erteilt oder weitergereicht werden. Man nennt das in der systemischen Therapie „Delegationen“: Weil z. B. die Eltern beruflich dies oder jenes in ihrem Leben nicht erreicht haben, soll stellvertretend nun das Kind es unbedingt schaffen. Oder manchmal auch genau das Gegenteil: das Kind bekommt unterschwellig suggeriert, dass es zwar alles machen darf, was es möchte - außer beruflich erfolgreicher zu werden als die Eltern.

Solche „Aufträge“ gibt es in allen Lebensbereichen. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit beispielsweise eine junge Klientin in einer Familienaufstellung begleitet, deren Liebesbeziehungen jedes Mal nach kurzer Zeit damit endeten, dass sie vom jeweiligen Partner verlassen wurde. Sie war verzweifelt, weil sie nicht wusste, weswegen ihr das immer passierte. In der Aufstellung wurde aber rasch sehr deutlich, dass sie längst einen „Partner“ hatte - ihren Vater nämlich. Sie hatte schon als Siebenjährige, nachdem ihre Mutter frühzeitig an Krebs verstorben war, versucht, ihm unbewusst die (Traum-)Frau zu ersetzen, die er verloren hatte - nie im sexuellen Sinne, aber emotional: sie war immer besonders fürsorglich, liebevoll und verantwortungsbewusst ihm gegenüber gewesen, eine wahre Mustertochter, die nie Probleme, sondern nur Freude machte; sie hatte ihn ihr Leben lang angehimmelt und auf ein Podest gestellt, an das niemand anders heranreichen konnte. Der Platz an ihrer Seite war deshalb längst besetzt, auch wenn ihr das gar nicht bewusst war - und früher oder später spürte das jeder Mann, mit dem sie zusammen war, und ergriff die Flucht, weil er gegen Papa ohnehin keine Chance hatte ...

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Ein anderer Fall hat mich auch sehr lange besonders beschäftigt: wieder eine junge Frau, die ein Aufstellungsseminar bei mir besuchte. Von außen betrachtet, hatte sie eigentlich alles in ihrem Leben, um glücklich sein zu können - sie war bildhübsch, erfolgreich in ihrem Beruf, beliebt bei ihren Freunden und auch körperlich ganz gesund. Trotzdem beschrieb sie, dass sie ihr ganzes Leben „wie unter einer dunklen Wolke“ leben würde; sie sei nie wirklich bis ins Innere hinein glücklich, leide unter unklaren, diffusen Ängsten und denke sogar gelegentlich über Selbstmord nach. Sie konnte nicht begreifen, welcher hartnäckige Schatten da auf ihr lastete. Als wir die Familiengeschichte näher unter die Lupe nahmen, zeigte sich, dass ein Großonkel von ihr im Zweiten Weltkrieg als Nazi-Offizier in jüdischen Vernichtungslagern aktiv gewesen war. Das war in ihrer Familie zwar ein striktes Tabu gewesen - über den Krieg im allgemeinen wurde dort nie gesprochen und den Namen dieses Großonkels musste sie sogar erst über das Familienstammbuch herausfinden, so sorgfältig war dieser „totgeschwiegen“ worden! - aber irgendwie hatte es das unbewusste Wissen um die düstere Rolle des Großonkels wohl doch in ihren Kopf und ihre Seele geschafft. Denn sie trug seine Schuld mit sich herum und erlaubte sich - stellvertretend für ihn und seine Untaten büßend - unbewusst einfach kein glückliches Leben.

Anzeichen dafür, dass man von früheren Generationen irgendwelche Aufträge unbewusst übernommen hat und nun etwas „abarbeitet“, was eigentlich gar nicht zu einem selbst gehört, können beispielsweise sein:

  • Man erlebt immer wieder Gefühle wie Wut, Traurigkeit oder Angst, für die sich im eigenen Leben keine klare Ursachen finden und die man einfach nicht los wird.
  • Man fühlt sich häufig überfordert oder übermäßig belastet.
  • Man übernimmt häufig Dinge, Aufgaben oder Pflichten, für die man eigentlich nicht zuständig ist. („Wenn ich mich nicht um alles kümmere ...“)
  • Man fühlt sich „fremd“ im eigenen Leben - man hat manchmal das Gefühl, nicht das eigene Leben zu leben, sondern das eines anderen (wie ein Schauspieler, der eine Rolle ausfüllt).
  • Man hat schon immer das Bedürfnis gehabt, andere wichtige Familienangehörige (v. a. Eltern) zu „beschützen“ oder ihnen Aufgaben abzunehmen.

Solche Delegationen können das eigene Leben sehr stark dominieren, ohne dass einem das wirklich bewusst ist, und natürlich können sie auch die eigene Berufswahl beeinflussen. Wie, das hat Uta Glaubitz in ihrem Text anhand vieler Beispiele so schön und anschaulich beschrieben, dass ich den Artikel hier einfach mal jedem/jeder LeserIn empfehlen möchte, die/der manchmal vielleicht das Gefühl hat, gar nicht den eigenen Traumberuf auszuüben, sondern den von jemand ganz anderem. Vielleicht lohnt es sich in solchen Fällen ja dann wirklich einmal, den „dunklen Linien der Berufsfindung“ im eigenen Leben genauer nachzuspüren?

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