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Ich will nicht mehr leben

Dieser Kommentar zu einem meiner Blogeinträge letzte Woche war der Anstoß dafür, dass ich heute noch einmal etwas zum Thema Selbstmord auf dieser Seite schreiben möchte. Schon länger ist uns aufgefallen, dass viele Zugriffe auf dieses Blog über Sucheinträge erfolgen, die - direkt oder indirekt - etwas mit dem Thema Suizid zu tun haben. Wenn du auch zu denjenigen gehörst, die sich entweder gerade aktuell oder vielleicht auch immer wieder mal mit Gedanken an einen Freitod tragen, wenn du vielleicht gerade in einer Lebenskrise steckst und überlegst, ob Selbstmord nicht eine mögliche Lösung dafür wäre, dann möchte ich dir heute ein paar (hoffentlich hilfreiche!) Überlegungen mitgeben.

Zunächst ist es mir wichtig, das noch mal zu wiederholen, was ich auch zu besagtem Kommentar schon geschrieben habe. Wenn ein Mensch sagt: „Ich will nicht mehr leben!“, meint er in aller Regel: „Ich will so nicht mehr leben!“ - d. h. er möchte, dass der Schmerz ein Ende hat, die Trauer, die Einsamkeit, die Angst ... Vielleicht geht es dir ähnlich. Aber allein die Tatsache, dass du hier im Internet unterwegs bist und dieses Blog liest, zeigt eins ganz deutlich: Nicht du möchtest nicht mehr leben, sondern eine Seite von dir denkt über Suizid nach, weil diese Seite derzeit keinen anderen Ausweg mehr sieht. Das bedeutet aber auch, dass in dir noch eine zweite Seite steckt, die sehr gerne weiterleben möchte! Schon diese Erkenntnis sollte dir klar machen, dass der Satz "ich will sterben" so nicht stimmt. Ein Teil von dir glaubt, dass der Tod die bessere Alternative wäre im Vergleich zu dem, wie dein Leben (gerade) aussieht. Aber dieser Teil bist nicht du als Ganzes.

Trotzdem ist dieser Teil natürlich ein wichtiger Teil von dir, nicht zuletzt deshalb, weil er dich darauf aufmerksam macht, dass es so, wie es ist, besser nicht bleiben soll. Dafür schuldest du ihm Dank - das ist nicht dasselbe wie Gehorsam! Ich möchte dir gerne vorschlagen, mit diesem Teil mal in einen etwas differenzierten Dialog zu treten. Eine gute Methode dazu ist es, ihn - wie es bei Psychologen gerne heißt - mal zu externalisieren, d. h., ihm eine ganz konkrete Gestalt zu geben und mit ihm zu sprechen. Vielleicht klingt das im ersten Augenblick merkwürdig für dich, aber versuch es einfach mal, es ist einfacher, als es klingt und es bringt oft sehr interessante Erkenntnisse mit sich. Schließ dazu am besten die Augen und stell dir diesen suizidalen Anteil von dir ganz plastisch vor, als würde er mit dir im selben Raum sein. Was für eine Gestalt passt am besten zu ihm? Wie groß ist er? Wenn du ihn anfassen würdest, wie würde er sich anfühlen? Wie alt ist dieser Anteil - eher jung, eher alt? Wie weit entfernt ist der Anteil von dir im Raum?

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Lass dir für die Beantwortung dieser Fragen genügend Zeit, bis du ein möglichst klares Bild dieses Anteils vor Augen hast. Wenn du so weit bist, dann versuch dir vorzustellen, dass du diesem Anteil Fragen stellen kannst. Solche Fragen können z. B. sein:
  • Was müsstest du tun, damit er noch näher an dich heranrückt?

  • Was könnte ihn dazu bewegen, ein wenig weiter weg zu gehen, so dass du ihn weniger stark spüren würdest?

  • Was für eine versteckte lebensfreundliche Seite könnte dieser Anteil in sich verbergen? Geh davon aus, dass alle deine Anteile im Grunde nur eins im Sinne haben: dein Wohl. Wenn du dir das vor Augen hältst und darauf vertraust, dass auch dieser suizidale Anteil eigentlich gut für dich sorgen möchte - was wünscht er sich dann? Wonach sehnt er sich?

  • Was verspricht sich dieser Anteil von einem Selbstmord? Was glaubt er, was danach anders sein wird? Was für Vorstellungen hat er darüber, was nach dem Tod auf dich wartet?

  • Was vermutet er, welche Auswirkungen dein Selbstmord auf die Menschen hätte, die dir nahe stehen?

Vielleicht bekommst du nicht sofort eine Antwort auf alle oder einige dieser Fragen, aber ich vermute, dass du doch einiges an Informationen erhalten wirst. Wie gesagt: auch dieser Anteil hat eigentlich nur dein Bestes im Sinn - und das bedeutet, dass er dir ein anderes Leben als dein aktuelles verschaffen will. Möglicherweise erwartet dieser Anteil von dir im Jenseits eine bessere Welt für dich. Das mag so sein - eine Garantie gibt es dafür aber nicht. Wir können uns viel darüber vorstellen, wie es auf der anderen Seite sein wird, aber Gewissheit erhalten wir im Leben nie. Vielleicht haben die Buddhisten Recht und wir werden wiedergeboren - aber wer sagt dir, dass du dabei einen besseren Tausch machen wirst? Oder die Christen haben Recht, dann wäre ein Selbstmord eine Todsünde und führte zu ewiger Verdammnis, auch keine schöne Aussicht. Oder es wartet wirklich gar nichts auf uns und wir zerfallen einfach in unsere biologischen Bausteine .. ob das nun eine reizvolle Vorstellung ist, darüber kann man auch geteilter Meinung sein. So oder so, wissen werden wir es erst, wenn wir drüben angelangt sind (oder auch nicht), aber dann gibt es keine Möglichkeit mehr zu sagen: ach, ich hab's mir anders überlegt, ich will wieder zurück! So hatte ich mir das nicht vorgestellt ... Wie man so schön sagt: Selbstmord ist eine endgültige Lösung für ein vorübergehendes Problem.

Wichtig ist auch, was dein Anteil darüber denkt, welche Auswirkungen dein Selbstmord auf andere Menschen hätte. Gibt es jemanden, der sich schuldig fühlen würde? Und möchte dein suizidaler Anteil das vielleicht gerade erreichen? Wer würde um dich trauern, wer stünde an deinem Grab? Wer würde sich wünschen, er hätte etwas anders gemacht? Haben die Menschen, die dich lieben, das verdient? Die meisten Angehörigen von Suizidanten werden diese Gefühle von Schuld und Versagen den Rest ihres Lebens nicht mehr los. Gefällt deinem Anteil diese Vorstellung? Dann kannst du davon ausgehen, dass ein wichtiges Motiv für ihn Rache ist - für Vernachlässigung, für schlechte Behandlung, für Missachtung deiner Person, für Verletzungen, die dir zugefügt wurden usw. Hat er Gedanken wie: "wenn ich erst tot bin, wird es ihnen Leid tun"? Das mag sein, vielleicht stimmt das aber auch nicht. Wenn sie wirklich so schlimm sind, diese Menschen, vielleicht sind sie ja dann richtig froh, dass sie dich endgültig los sind? Willst du ihnen diesen Gefallen wirklich tun? Und wenn es ihnen tatsächlich Leid täte - was hättest du davon? Hast du wirklich die Vorstellung, du sitzt dann auf einer Wolke und lachst dich ins Fäustchen deswegen? Selbst wenn: Wäre es das wert, dass du dafür dein ganzes restliches Leben mit all dessen Möglichkeiten zur Veränderung weggeworfen hättest? Kennst du den Satz: Ein gutes Leben ist die beste Rache? Was könnte deine Feinde - falls es sich tatsächlich um diese handelt - mehr ärgern als wenn du ihnen zum Trotz glücklich, erfolgreich und zufrieden dein Leben leben würdest? Und wenn es gar nicht um das Motiv der Rache geht, sondern dir nur Menschen einfallen, die du eigentlich liebst, und die nun bestürzt, verzweifelt, zutiefst traurig wären - wie geht es dir mit dieser Vorstellung? Möchtest du ihnen das antun? Gibt es nicht wenigstens einen Menschen in deinem Leben, dem du das gerne ersparen würdest?

Wenn du deinen Anteil nach seinen Sehnsüchten und Wünschen fragst, kann es natürlich auch sein, dass du auf Bedürfnisse stößt, die in deinem Leben, so wie es jetzt gerade ist, nicht erfüllt werden: nach Liebe, nach Freundschaft, nach Sicherheit, nach Erfolg ... Mach dir klar, dass diese Bedürfnisse auch durch deinen Tod nicht erfüllt werden - im Gegenteil: damit beraubst du dich der Möglichkeit, dass sie irgendwann in Zukunft noch Erfüllung finden werden. Frag dich lieber, was der erste winzig kleine Schritt sein könnte, um diesen Bedürfnissen ein kleines bisschen gerechter zu werden. Was könntest du vielleicht heute noch dafür tun? Wer könnte dir dabei helfen? Möglicherweise ist es auch so, dass du einen geliebten Menschen durch den Tod verloren hast und jetzt den Wunsch hast, ihm nachzufolgen. Das geht vielen Menschen so. Frag dich in diesem Fall, ob dieser Mensch wirklich wollen würde, dass du seinetwegen in den Tod gehst. Wenn er dich so geliebt hat, wie du ihn, dann ist die Antwort darauf sicherlich nein. Wäre er oder sie nicht entsetzt, wenn er dich im Jenseits treffen und hören würde, dass du dein Leben seinet- oder ihretwegen weggeworfen hast? Würde er sich nicht wünschen, dass du ein glückliches und erfülltes Leben geführt hast, bevor du gestorben bist? Das Beste und Wichtigste, was wir für unsere Toten tun können, ist: für sie mit weiterzuleben. So lange es uns gibt und wir uns an sie erinnern, sind sie mitten unter uns. Damit erweist du deinem geliebten Toten eine weit größere Ehre als damit, dass du dein Leben seinetwegen beendest, denn es kostet dich mehr Kraft. Gib ihm einen liebevollen Platz in deiner Erinnerung und sag ihm, dass du noch eine Weile auf der Erde bleiben und dann zu ihm kommen wirst, wenn es an der Zeit für dich ist.

Eine andere Möglichkeit ist es, dass der Mensch, den du liebst, dich verlassen hat und du meinst, mit dem Schmerz darüber nicht fertig zu werden. Dann kann es gut sein, dass dein suizidaler Anteil insgeheim die Hoffnung hegt, ein Selbstmordversuch könne die Meinung des anderen ändern und er werde danach voll Reue zu dir zurückkehren. Wenn das so ist, dann denk daran, dass der andere in diesem Fall nicht aus Liebe zurückkehrt, sondern weil du ihn erpresst hast und weil er Mitleid mit dir hatte. Erpresste Gefühle - ist es das, was du willst? Und Mitleid ist der Verachtung nah verwandt. Glaubst du wirklich, du hast nichts Besseres verdient als das? Warum willst du nicht einem anderen Menschen die Chance geben, dir die Gefühle entgegenzubringen, die dir zustehen? Und wenn es wirklich so ist, dass du glaubst, mit dem Schmerz und der Enttäuschung nicht fertig zu werden: Mach es wie ein Alkoholiker! Nimm dir jeden Morgen vor, dass du es nur noch diesen einen Tag lang aushalten willst. Und dann noch einen. Und noch einen. Vertrau der Zeit. Sie nimmt dem Schmerz die Schärfe, wenn du ihr eine Chance lässt. Eine Narbe bleibt, das ist klar, aber Narben sind Ehrenzeichen. Sie zeigen, dass du geliebt und gelebt hast. Und wenn du einmal so lieben konntest, dann ist das eine Fähigkeit, die in dir liegt. Sie geht nicht von dir, wenn der Partner dich verlässt, sondern sie bleibt dir, sie ist ein besonderes Geschenk an dich. Und du wirst wieder lieben, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Alles, was du dafür brauchst, ist Geduld.

Ich weiß, das alles ist viel leichter geschrieben als getan. Und wenn du vielleicht schon viele Versuche hinter dir hast, die Wünsche und Sehnsüchte deines suizidalen Anteils zu befriedigen, es dir aber noch nicht gelungen ist, bist du vielleicht schon ganz mutlos und meinst, das nie zu schaffen. Vielleicht sind auch so dramatische Veränderungen in deinem Leben erforderlich, um ihn zufrieden zu stellen, dass du Angst davor hast, sie in Angriff zu nehmen. Oder du meinst, nie wieder die Kränkung einer Zurückweisung oder eines Fehlschlags aushalten zu können. Aber überleg doch mal: Welche Veränderung, welche Kränkung, welches Risiko, welche Anstrengung könnten schlimmer sein als dein eigener Tod? Ist dein Leben wirklich keinen Versuch mehr wert? Vielleicht brauchst du auch einfach ein wenig Hilfe bei dem, was zu tun ist, um glücklicher zu werden. Mit jemandem über das zu sprechen, was dich quält, ist der erste wichtige Schritt in Richtung Leben. Tu ihn - was hast du zu verlieren? Nichts - denn der Friedhof wird dir nicht weglaufen! - aber alles zu gewinnen. Sich Hilfe zu holen, wenn man sie braucht, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Und stark musst du sein, sonst hättest du es doch bis hierhin gar nicht geschafft!

Von Theodore Jouffroy stammt das Zitat: "Es ist ein guter Ausweg, sich zu töten, wenn man unglücklich ist, aber es ist ein auswegloser Ausweg." Gib den Glauben nicht auf, dass es andere Auswege aus deiner Situation gibt. Lass dir helfen, ihn zu finden, wenn du ihn gerade selbst nicht sehen kannst oder nicht genügend Kraft in dir spürst, ihn alleine zu gehen. Denk daran, wie viel Aufwand und Geduld das Universum investieren musste, um gerade dich als Person ins Leben zu rufen - Jahrmillionen der Evolution, Tausende von Generationen ... Was ist dagegen die Mühe und Zeit, die es dich kosten wird, glücklicher und zufriedener zu leben, als du es gerade tust? Gib dem Leben noch eine Chance. Gib dir eine Chance. Du bist es wert.

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