Das Papageno-Projekt

In der März-Ausgabe der Zeitschrift „Psychologie Heute“ bin ich auf einen kurzen Artikel gestoßen, der mich an ein Vorhaben erinnerte, das mir schon länger im Kopf rumgespukt ist. „Medienberichte über die positive Bewältigung von psychischen Krisen können Suizide verhindern“, stand da zu lesen.

Der umgekehrte Effekt - der so genannte „Werther-Effekt“ ist Psychologen schon lange bekannt: Nach einer ausführlichen medialen Berichterstattung über einen oder mehrere Selbstmorde (beispielsweise den von Robert Enke im November 2010) schnellen die Zahl der Menschen, die sich kurz darauf ebenfalls das Leben nehmen, erfahrungsgemäß jedes Mal stark in die Höhe. Der jeweilige Selbstmörder fungiert dabei quasi als „letzter Anstoß“ oder Vorbild für viele andere Menschen, die möglicherweise schon länger mit dem Gedanken an eine Selbsttötung spielen, bisher aber entweder nicht den Mut dazu fanden oder auch einfach noch unentschlossen waren. Benannt wurde dieses Phänomen nach Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, in dem sich der unglückliche Protagonist aufgrund seiner enttäuschten Liebe am Ende das Leben nimmt. Das Buch war bei seinem Erscheinen im Jahr 1774 (als die Sache mit den Massenmedien noch etwas anders funktionierte als heutzutage) Auslöser für verschiedene Nachahmungs-Suizide.

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Forscher der Universität Wien konnten nun zeigen, dass auch das Umgekehrte funktioniert: Medienberichte über Menschen, die schwere seelische Krisensituationen „konstruktiv und ohne suizidales Verhalten“ überstanden hatten - die also angesichts einer schlimmen Erfahrung nicht von der Brücke gesprungen waren oder Schlaftabletten geschluckt, sondern stattdessen allen Mut zusammengenommen und mit ihrem Leben irgendwie weitergemacht hatten - führen offenbar dazu, dass sich in den darauf folgenden Wochen weniger Menschen als sonst das Leben nehmen. Man kann also davon ausgehen, dass nicht nur das negative Vorbild desjenigen, der aufgibt und sich aus seinem Leben verabschiedet, sondern auch das positive Vorbild eines Menschen, der sich auch von schlimmen Schicksalsschlägen und persönlichen Niederlagen nicht unterkriegen lässt, so etwas wie eine Sogwirkung entfaltet und Nachahmer findet. Immerhin um fünf Prozent fielen die Suizidraten in der Folge dieser positiven Berichterstattung.

Der Artikel hat mich an eine Idee erinnert, die ich vor längerem hatte, die aber aufgrund anderer Projekte immer wieder in den Hintergrund gerutscht ist. Zeit, sie wieder hervorzuholen! Dass wir Menschen positive Vorbilder brauchen, auch und vor allem in Zeiten von Krisen und Verlusten, ist eine Binsenweisheit. Sie sind eine Art „Blaupause“ dafür, wie man negative Lebensereignisse, von denen wir alle nicht verschont bleiben, nicht als das Ende der Welt begreifen kann, sondern vielmehr als vorübergehende Tiefpunkte, die auch wieder überwunden werden können. Nur hat man, wenn man in so einer Krise steckt, ja leider nicht immer gerade so ein positives Vorbild zur Hand, an dem man sich orientieren und ein bisschen festhalten kann, während man sich selbst wieder an den Haaren aus dem Sumpf herauszieht.

Und deshalb habe ich beschlossen, hier auf iPersonic im Laufe der Zeit so etwas wie eine Sammlung von „Mutmachgeschichten“ anzulegen - kleine und größere, immer aber wahre Geschichten und Erlebnisberichte von Menschen, die in schwierigen Situationen waren und trotzdem nicht aufgegeben, sondern das Beste daraus gemacht haben. Menschen, die über sich hinausgewachsen sind angesichts von Verlusten, Schicksalsschlägen und Ereignissen, an denen manch anderer vielleicht zerbrochen wäre. Menschen, die mit extrem schwierigen Bedingungen in ihrem Leben zu kämpfen haben und hatten, und die trotzdem nicht selten wahrscheinlich ein erfüllteres, erfolgreicheres und glücklicheres Leben leben und gelebt haben als die meisten von uns. Ich nenne die Sammlung der Mutmach-Geschichten hier auf iPersonic mein „Papageno-Projekt“. „Papageno-Effekt“ haben die Forscher der Uni Wien nämlich diesen positiven Nachahmungs-Effekt getauft, nach dem Papageno aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“. Der will sich nämlich, aus Verzweiflung darüber, dass er bei einer magischen Prüfung versagt und dadurch seine Liebste Papagena verloren hat, an einem Baum erhängen, wird aber von drei himmlischen Knaben davon gerade noch rechtzeitig abgehalten. Zum Glück, denn es wendet sich doch noch alles zum Guten und Papageno darf seine Papagena am Schluss der Oper heiraten. Ein hübsches Bild also dafür, dass man sein Leben nicht voreilig wegwerfen sollte, selbst wenn alles verloren scheint, weil man nie wissen kann, was es vielleicht noch alles an Gutem für einen in petto hält.

Du wirst also in unregelmäßigen Abständen hier auf iPersonic ab sofort immer wieder mal eine „Papageno-Geschichte“ finden: versprochenermaßen immer wahr und zu nichts anderem gedacht, als dir in schwierigen Zeiten Mut zu machen, dich zu inspirieren und dir vielleicht ein bisschen Kraft zu schenken, die es braucht, um seinen Weg „per aspera ad astra“, durch den Staub zu den Sternen zu finden. Viel Spaß beim Lesen!

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