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Autismus als Ressource?

An einem Samstagabend waren Walter Marino und sein zwölfjähriger, autistischer Sohn Chris in der Ponce Bucht südlich von Daytona Beach, im US-Bundesstaat Florida, schwimmen, als plötzlich der Junge von einer Strömung auf das offene Meer gezogen wurde. Als Walter Marino seinen Sohn retten wollte, wurde auch er weit vom Ufer weg getrieben. Angehörige der beiden wählten sofort die Notrufnummer, doch ehe die Rettungskräfte eintrafen, waren Vater und Sohn schon außer Sicht. Man begann zwar sofort mit der Suche nach ihnen, doch mit Einbruch der Dunkelheit konnte die Suche erst Sonntagmorgen weiter gehen. Vater und Sohn wurden etwa fünf Kilometer auseinander getrieben, so dass der Junge seinen Vater aus den Augen verlor.

Ein Rettungsboot der Samariter fand Walter Marino am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr. Nach dem sie den Vater gefunden hatten, machten sie sich unverzüglich auf die Suche nach Chris. Zwei Stunden später wurde auch er mit Hilfe eines Hubschraubers aus dem Wasser geholt. „Dieses Kind ist ein unglaubliches Kind“, sagte ein Rettungsschwimmer über den starken Überlebenswillen des Zwölfjährigen. „Fast 14 Stunden im Wasser zu strampeln - ich glaube nicht, dass ich das könnte.“

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Ich glaube übrigens auch nicht, dass ich das könnte - und ich bin erwachsen und eine ganz gute Schwimmerin. Ein Gedanke beschäftigt mich, seit ich den Bericht gelesen habe: Könnte es sein, dass der Autismus des Jungen in diesem Fall geradezu hilfreich gewesen ist? Wenn man sich mal die Situation vorstellt: ganz allein da draußen auf dem Meer, unter sich Tonnen von Wasser, um sich herum weit und breit nichts zu sehen, dann wird es auch noch dunkel ... wenn ich mir überlege, was das mit einer Kinderseele so machen muss, wird mir ganz schlecht. Andererseits: Autisten sind ja bekannt dafür, dass sie in einer aktuellen Aktivität komplett aufgehen können; das ist ja oft auch der Grund für ihre sozialen Probleme. Wenn ein autistisches Kind stundenlang Murmeln von einer Seite zur anderen sortiert, nach einem nur für es selbst durchschaubaren System, und hysterisch zu schreien beginnt, weil es dabei unterbrochen wird, weil jetzt Mittagessenszeit ist - das ist für ein "normales" soziales Familienleben natürlich die Hölle. Wenn man es aber einfach mal positiv sieht, könnte man vielleicht sagen: was sie tun, das tun sie mit 100% Einsatz und ohne Rücksicht auf Verluste. Das Kind mit den Murmeln interessiert sich dann nicht dafür, ob die Mutter genervt oder traurig ist, weil es nicht auf sie reagiert, wahrscheinlich merkt es nicht einmal, dass es längst Zeit zum Mittagessen ist und es sogar schon Hunger hat. Es macht sich keine Gedanken darüber, was für kurz- oder langfristige Folgen mit seinem Verhalten verbunden sein könnten. Es ist einfach mit dem, was es im Hier und Jetzt wichtig findet, maximal beschäftigt und ausgelastet.

Ob das bei dem kleinen autistischen Jungen auch so war, als er da ganz allein im Meer getrieben ist? Ob er einfach auch ganz darauf konzentriert war, das zu tun, von dem er wusste, dass es jetzt das Wichtigste ist: immer weiter strampeln? Ohne sich - wie ich es vielleicht getan hätte - nebenbei Gedanken zu machen wie: "Und wenn jetzt gleich ein Hai kommt und mich frisst? Und was, wenn sie mich nicht finden? Und wo ist mein Vater überhaupt, ist der schon ertrunken? Mir ist kalt, ich habe Hunger, ich fühle mich allein, ich habe Angst!" Lauter Gedanken, die wahrscheinlich eher dazu führen, dass man irgendwann aus lauter Verzweiflung und Entsetzen aufhört zu strampeln, weil Aufgeben dann einfacher erscheint als Durchhalten ...

Ich frage mich, ob wir nicht irgendwann mal im Hinblick auf dieses "Störungsbild" Autismus umdenken werden müssen ... wer ist denn da eigentlich "normal": ich, die ich nicht autistisch bin, aber aller Wahrscheinlichkeit nach ertrunken wäre in einer solchen Situation? Oder der kleine Held?

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