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Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Missbrauchsskandal, Finanzkrise, Lügen in der Politik - Vertrauen ist in unserer Zeit Mangelware geworden. Wenn man seinem gewählten Volksvertreter, seinem Anlageberater, ja selbst seinem Priester nicht mehr uneingeschränkt vertrauen kann, wem denn dann überhaupt noch? Wer anderen vertraut, macht sich verletzlich. Und doch funktioniert das menschliche Zusammenleben nur dann, wenn wir bereit sind, das Risiko Vertrauen immer wieder neu einzugehen.

In der Tat ist Vertrauen eins der ersten Dinge, die wir als Menschen überhaupt lernen und aufbauen müssen, wenn wir auf die Welt kommen: Wird unsere Bezugsperson - in den meisten Fällen die Mutter - stets verlässlich da sein, um sich um uns zu kümmern und unsere Bedürfnisse angemessen zu befriedigen? Diese Frage beeinflusst nicht nur unser Urvertrauen in die Welt, sondern auch unser späteres Vermögen, als Erwachsene Bindungen einzugehen und anderen Menschen zu vertrauen. Das konnten die Bindungsforscher John Bowlby und Mary Ainsworth schon in den 70er Jahren zeigen. Sie beobachteten dazu Kleinkinder von etwa einem Jahr in Situationen, in denen die Mutter sich vom Kind entfernte und stellten fest, dass die Kinder sich sehr unterschiedlich verhielten:

Kinder mit einem so genannten „sicheren Bindungsstil“ vertrauten darauf, dass die Mutter zuverlässig für es da sein würde. Solche Kinder schauten zwar immer wieder nach, ob die Mutter noch in der Nähe war, wandten sich aber dann wieder den vorhandenen Spielsachen zu. Verließ die Mutter den Raum, begann das Kind zwar zu weinen, ließ sich nach der Rückkehr der Mutter aber schnell wieder von ihr beruhigen. Diese Kinder hatten ein stabiles Vertrauen in ihre Bezugsperson und ihre Umwelt aufbauen können und vertrauten darauf, dass ihnen nichts Böses zustoßen würde - oder wenn, dass die Mutter da sein würde um sie zu schützen und zu trösten. Als Erwachsene zeigten diese Kinder in sozialen Beziehungen später generelle Wertschätzung anderen gegenüber; sie waren hilfsbereit, aber auch in der Lage, Unterstützung von anderen anzunehmen. Ihre Beziehungen waren meist stabil und dauerhaft.

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Kinder mit einem „unsicher-ambivalenten Bindungsstil“ dagegen trauten sich in derselben Situation kaum, sich den vorhandenen Spielsachen zu widmen. Sie reagierten mit besonderem Stress, wenn die Mutter aus dem Zimmer ging und klammerten sich nach ihrer Rückkehr extrem an. Gleichzeitig zeigten sie aber auch Wut auf ihre Mutter. Spätere Studien zeigten, dass auch dieses Muster sich in den erwachsenen Beziehungen der Kinder wieder finden ließ: Sie hatten Schwierigkeiten, sich für einen Partner zu entscheiden und zweifelten häufig an ihrer Partnerschaft. Das Bindungsmuster aus der Kindheit - „Ich würde dir gern trauen, aber ich bin nicht sicher, ob ich es kann!“ - wurde aktiviert.

Eine dritte Gruppe von Müttern fiel dadurch auf, dass sie Körperkontakt mit den Kindern eher vermieden. Sie hielten ihre Kinder mehr auf Distanz als die anderen Mütter, nahmen das Kind beispielsweise nicht auf den Schoß, wenn es weinte. Im Verhalten dieser Kinder zeigte sich, dass sie sich auffallend für ihre Umgebung interessierten, von der Mutter wenig Notiz nahmen und von sich aus seltener Blick- oder Körperkontakt mit ihr suchten. Offenbar hatten sie sich aufgrund der Erfahrungen, die sie mit ihren Müttern gemacht hatten, abgewöhnt, von diesen hilfreiche Reaktionen auf ihre Bedürfnisse zu erwarten. Diesen Bindungsstil nannten die Forscher den „unsicher-vermeidenden Stil“. Im späteren Erwachsenenleben zeigte er sich oft darin, dass die betroffenen Kinder sich schwer taten, sich überhaupt auf eine Beziehung einzulassen oder immer dann, wenn Nähe in der Partnerschaft entstand, den Partner von sich wegstießen. Hier lautete das Bindungsmuster aus der Kindheit: „Ich kann dir nicht vertrauen. Du wirst mich ohnehin enttäuschen - da schiebe ich dich lieber gleich von mir aus weg!“

Vertrauen wächst also zunächst und vor allem aus Erfahrung mit anderen Menschen und der Welt heran: Macht das Kind die Erfahrung, dass es seiner Bezugsperson vertrauen kann, und lebt ihm diese ihr eigenes Vertrauen in die Welt (und/oder andere Menschen, Autoritäten, vielleicht auch Gott oder eine höhere Macht) überzeugend vor, dann entwickelt auch das Kind selbst eine vertrauensvolle Haltung dem Leben gegenüber. Dabei ist Vertrauen etwas, das nur langsam heranwächst: Es braucht Geduld und Ausdauer, bis es entstehen kann. Und gleichzeitig ist es sehr zerbrechlich: Eine einzige negative Erfahrung kann das Vertrauen nachhaltig erschüttern, wenn nicht sogar ganz zerstören. Umgekehrt entsteht Misstrauen sehr viel leichter und ist sehr viel schwerer wieder abzubauen. Roderick Kramer von der Stanford University nennt das die „kognitive Asymmetrie“ zwischen Vertrauen und Misstrauen.

Neben den Erfahrungen mit anderen Menschen spielt aber auch ein Persönlichkeitsmerkmal eine sehr wichtige Rolle bei der Frage, ob wir anderen eher leicht oder schwer vertrauen können: unser Selbstvertrauen nämlich. Wer sich selbst etwas zutraut, wer Vertrauen in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten besitzt und damit die Zuversicht, auch schwierige zukünftige Situationen erfolgreich bewältigen zu können, der ist eher bereit zu vertrauen. Und wer sich selbst vertrauenswürdig verhält, überwiegend gute Absichten hat, der ist auch eher bereit, diese bei anderen zu vermuten und ihnen zu vertrauen. Umgekehrt unterstellen Menschen, die selbst häufig lügen, betrügen oder andere übervorteilen, diese Absichten fast schon automatisch anderen Menschen gleichermaßen - und verhalten sich dementsprechend eher misstrauisch: „Alle Menschen sind schlecht - man kann niemandem trauen!“

Leider wird aus einer solchen Haltung oft ein Mechanismus, den Psychologen eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ nennen: Wer sich anderen gegenüber misstrauisch und argwöhnisch verhält, in den Nachrichten vor allem die Berichte über Betrug und Gaunereien verfolgt, der begegnet seiner Umwelt so negativ, dass sich seine Befürchtungen früher oder später genau dadurch bewahrheiten dürften. Denn Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit: Wenn ich meinem Gegenüber keines entgegenbringe, warum sollte er sich dann als vertrauenswürdig erweisen? Umgekehrt aber schmeichelt uns erwiesenes Vertrauen in offenbar so sehr, dass wir uns dann auch vertrauenswürdiger verhalten. Das haben Versuche der George Mason University in Virginia eindrucksvoll belegt: Versuchspersonen hatten dort die Wahl, einen Geldbetrag entweder ganz für sich zu behalten, oder einen Teil davon an einen anderen (ihnen unbekannten) Mitspieler weiterzuverschenken. Taten sie dies, bekam dieser das Dreifache dessen, was sie ihm schickten - und konnte seinerseits wieder entscheiden, ob er dieses Geld komplett behielt, oder als Dankeschön einen Betrag seiner Wahl an den ersten Spieler zurücksandte. Drei Viertel der „beschenkten“ Mitspieler revanchierten sich in diesen Versuchen für das ihnen geschenkte Vertrauen mit einer hübschen Gegengabe an den ersten Spieler!

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