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Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr ...

„Wissen Sie“, hat eine Klientin neulich zu mir gesagt, „wenn ich wirklich gewusst hätte, was da alles auf mich zukommt, hätte ich mich wahrscheinlich gegen Kinder entschieden. Seit die Kinder da sind, haben mein Mann und ich praktisch keinen Sex mehr - einer von uns beiden ist immer zu müde! Oder die Stimmung ist daneben, weil wir uns wieder mal über die Aufteilung der Hausarbeit gestritten haben. Wenn ich im Büro bin, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil die Kleine jetzt, mit einem Jahr, schon ganztags bei einer Tagesmutter untergebracht ist. Und wenn ich sie am späten Nachmittag abhole, habe ich wieder ein schlechtes Gewissen - weil ich immer die erste bin, die geht, während die Kollegen noch arbeiten und mir, auch wenn keiner was sagt, das Gefühl geben, ich müsste eigentlich auch noch bleiben. Am schlimmsten ist es, wenn eins der Kinder krank ist und ich in der Arbeit anrufen und mich abmelden muss. Natürlich stehen mir Extra-Pflegetage zu, aber diese winzige Schweigeminute, bevor mein Chef dann sagt ‚ja, okay, Frau Soundso, dann weiß ich Bescheid‘ - ich weiß doch, wie sich alle immer das Maul über diese unzuverlässigen Mütter zerreißen, die dann kurzfristig ausfallen, ich hab es doch früher oft genug mitbekommen, bevor ich selber Kinder hatte. Und wissen Sie, im Grunde verstehe ich es auch - ich habe mich ja früher auch geärgert, wenn dann ein wichtiges Projekt dadurch ins Schleudern kam oder ich die Arbeit einer Kollegin plötzlich mit erledigen musste, weil eins ihrer Kinder krank wurde. Aber was soll ich denn machen? Ständig bin ich irgendwie auf dem Sprung, und irgendwas kommt immer zu kurz. Nie habe ich das Gefühl, wirklich fertig zu sein. Und für mich selber bleibt überhaupt keine Zeit mehr übrig - ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal ein Buch von vorne bis hinten durchgelesen habe.“

Immer wieder höre ich diese oder ähnliche Klagen von Klientinnen, sei es nun im Rahmen einer Einzel- oder eine Paartherapie. So viele Frauen quälen sich heute mit dem Gefühl herum, nie fertig zu werden, irgendwelchen - realen oder imaginären - Ansprüchen nicht gerecht zu werden. So viele balancieren immer knapp am Rande der Erschöpfung entlang, wenn sie versuchen, alles unter einen Hut zu bringen: Kind, Partnerschaft, Beruf, Haushalt. Denn es soll ja angeblich möglich sein, das hinzubekommen, wird uns allseits versichert, wenn wir Frauen heute zögern, unserer Staatsbürgerinnenpflicht im Sinne des Kinderkriegens nachzukommen. Ist es das wirklich? Heute? Einfach so? 

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Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verdienten die meisten Menschen ihren Lebensunterhalt entweder im Rahmen eines Familienbetriebes oder noch häufiger auf einem - ebenfalls von der Familie betriebenen - Bauernhof, denn Deutschland war bis dahin noch ein stark agrarisch geprägtes Land. Man heiratete in der Regel nicht aus Liebe und erwartete auch vom Partner weder den Himmel auf Erden noch die Erfüllung persönlicher Bedürfnisse, sondern man heiratete aufgrund praktischer und/oder wirtschaftlicher Überlegungen: Der Bauer brauchte eine Bäuerin, die ihm einen Teil der Arbeit abnahm und die im günstigsten Falle noch die Tochter des Nachbarbauern war - so vermehrte man nämlich seinen Landbesitz am einfachsten. Auch die Frau des Schusters arbeitete ganz selbstverständlich in der heimischen Werkstatt im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit - ideal, wenn sie selber die Tochter eines Schusters war und das Handwerk schon von klein auf kannte. Wenn nicht, musste sie eben lernen, was zu tun war, und wenigstens eine ordentliche Mitgift mit in die Ehe bringen, die das Paar wirtschaftlich ein Stück weiter brachte.

Es gab zwar bereits das Ideal der romantischen Liebe, aber im Alltag der meisten Erwerbstätigen dürfte es eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben. Über Kinder dachte man nicht nach, die bekam man einfach, das war der Lauf der Dinge, sichere Verhütungsmethoden waren ja noch nicht vorhanden. Und niemand zerbrach sich den Kopf darüber, wie die nun pädagogisch richtig und nach allen Regeln der Entwicklungspsychologie richtig und kindgerecht zu erziehen seien, denn dazu hatte man keine Zeit. Kinder liefen nebenher mit - waren sie klein, waren in der Regel ältere Verwandte, z. B. die Großeltern oder Tanten mit im Haushalt dazu da, auf sie acht zu geben. Konnten sie schon laufen, wurden sie wie selbstverständlich Schritt für Schritt in die alltäglichen Arbeitsabläufe eingebunden, je nachdem, was sie in ihrem Alter schon tun konnten. Ob sie genügend freie Zeit zum Spielen hätten, nach ihren individuellen Möglichkeiten optimal gefördert würden, wie viel Taschengeld sie bekommen und wann sie abends nach Hause kommen sollten - das waren keine Fragen, die die Menschen damals beschäftigten. Entsprechend setzten sich Eltern damals wohl kaum unter Druck, was ihre „Kompetenz“ oder „Qualifikation“ als Eltern anging. Eltern war man einfach, über autoritäre und/oder antiautoritäre Erziehung wurde nicht diskutiert, Kinder waren auch eine Frage der Alterssicherung. Beide Partner teilten sich Haus- und Erwerbsarbeit so, wie es gerade anfiel und sinnvoll war, meist unterstützt durch weitere Familienmitglieder aus anderen Generationen. Fragen nach Selbstverwirklichung oder Romantik in der Partnerschaft stellten sich gar nicht erst. 

In den Jahren zwischen 1870 und 1914 änderte sich die gesellschaftliche Situation in Deutschland und mit ihr die Vorstellungen darüber, wie Familie, Beruf und Partnerschaft zusammengehen. Aus einem stark agrarisch geprägten Land wurde der moderne Industriesstaat. Die zentralisierte Fabrik wurde die dominierende Betriebsform - bisher hatten nur etwa ein Drittel aller Arbeitnehmer ihr Geld in solchen Unternehmen verdient, aber nun stieg dieser Anteil sprunghaft an. Großbetriebe und Unternehmenskonzerne lösten die bisher vorherrschenden Familien- und Kleinbetriebe ab. Hatte es bisher keine Trennung von Arbeits- und Lebenswelt bei den meisten Menschen gegeben, so entstand jetzt das „moderne“ Modell der Familie: Der Mann ging außer Haus zur Arbeit, während die Frau zuhause blieb und Haushalt und Kinder versorgte. Diese Entwicklung wurde strukturell auch von den damaligen Regierungen stark unterstützt und gefördert. Die Hausfrauenehe wurde zum Zeichen von materiellem Wohlstand: „Meine Frau muss nicht arbeiten!“ Es entstand ein neues Verhältnis zwischen Familien- und Arbeitswelt. Der Arbeitsplatz wurde immer nüchterner, steriler; im Gegenzug bekamen Ehe und Familie mehr und mehr die Aufgabe, die emotionalen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu befriedigen - und der Frau wurden mehr und mehr auch die alleinigen Fähigkeiten speziell hierfür attestiert. Es entwickelte sich eine Art „Expertentum“ für Familie - und eins für Arbeit, und es war klar, wer wofür zuständig war. Damit fand auch eine starke Hierarchisierung der Familie statt (denn wer das Geld verdient, der hat auch die Macht). 

Heute - nach all den Bemühungen der Emanzipationsbewegung und dergleichen - sind wir auf eine gewisse Weise wieder zurückgekehrt zu dem vormodernen Familienmodell, dass beide Partner für beides zuständig seien, zumindest in unseren Köpfen. Mal abgesehen von modernen Mythenanhängerinnen wie Eva Herman hat doch bei den meisten Menschen die Erkenntnis Einzug gehalten, dass Frauen in der Arbeitswelt ebenso gute (wenn nicht bessere ;-) ) Ergebnisse erzielen können wie Männer, und dass umgekehrt ein Kind nicht automatisch verwahrlost und emotional verarmt, weil es von seinem Vater anstatt seiner Mutter betreut wird. Möglich gemacht haben diese Wende viele Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten - ich nenne hier nur mal die Geburtenkontrolle und gleiche Bildungschancen und -möglichkeiten für Jungen und Mädchen. Die Idee, dass man Familie in partnerschaftlicher Rollenaufteilung leben kann, dass ein Vater nicht nur jemand sein sollte, der am Wochenende Hosenböden stramm zieht und ansonsten durch Abwesenheit glänzt, und dass auch eine Frau Erfolge und Herausforderungen des Berufslebens genießen darf, hat ein neues Idealbild von Familie und Beziehung entstehen lassen.  

Ach, wäre das schön, wenn es nur funktionieren würde! Tut es aber nicht. Studien zeigen immer wieder, dass selbst bei Paaren, die mit den besten Voraussetzungen und Vorsätzen hinsichtlich partnerschaftlicher und gleichberechtigter Arbeitsteilung in ihre Beziehung starten, spätestens innerhalb eines Jahres nach der Geburt des ersten Kindes die „traditionelle“ Rollenverteilung Einzug hält - in der Regel um den Preis einer unzufriedenen, sich übervorteilt fühlenden Partnerin. Diese Entwicklung wird dann oft abgetan als ein individuelles Problem des jeweiligen Paares, hat aber eigentlich viel mehr mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten zu tun. Dazu gehören z. B. fehlende oder zu teure Kinderbetreuungsmöglichkeiten für die ganz Kleinen, aber eben auch die immer noch vorherrschende Idee, bis zum dritten Lebensjahr sei ein Kind bei der Mutter am besten aufgehoben. Und last but not least haben die meisten derjenigen, die heute im Arbeitsleben stehen und Kinder großziehen, von ihren eigenen Eltern noch das traditionelle Familienmodell vorgelebt bekommen, d. h. es fehlen geeignete Rollenvorbilder, wie man es denn nun eigentlich anders machen könnte. Stattdessen werden Väter, die sich stärker einbringen wollen, mit Begriffen wie „Windelvolontariat“ oder „Pamperspraktikum“ bespöttelt und Mütter, die bereits früh nach der Geburt in ihren Beruf zurückkehren, mit hochgezogenen Augenbrauen bedacht: „Also ICH könnte das nicht, mein Kind einfach so zu fremden Leuten geben ...“. 

Ich finde es für heutige Paare, die sich dafür entscheiden, Eltern zu werden, immens wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir in einer klassischen Übergangssituation leben, in der so einiges schlicht und einfach nicht zusammen passt: „Politisch korrekt“ ist heutzutage, Männern und Frauen gleiche Chancen und Rechte auf Bildung, Arbeit und Karriere einzuräumen. Niemand wird mehr ernsthaft behaupten, Frauen seien von Natur aus nur für Herd und Kindererziehung geschaffen, ebenso wenig wie dass Männer nicht kochen können und sie zwar Raketen bauen, aber keine Hemden bügeln können. Vorgelebt bekommen haben die meisten derjenigen, die derzeit mit Kinderkriegen „dran“ sind (oder wären) allerdings eher noch den Klassiker: Mami kümmerte sich um den Haushalt, Papi verdiente das Geld. Alternative konkrete Erfahrungen in der eigenen Familiengeschichte haben noch verhältnismäßig wenige dieser Generation gesammelt. 

Und dann ist da noch etwas, was der Autor und Paartherapeut Hans Jellouschek die „Seelenbilder“ nennt, also unsere inneren Bilder und Überzeugungen darüber, „wann ist ein Mann ein Mann“ bzw. „wann ist eine Frau eine Frau“. Das sind Bilder, die einmal natürlich durch unsere Eltern geprägt werden, die bei der Identitätsbildung eine wichtige Rolle spielen, aber eigentlich reichen sie noch weiter zurück und werden über Generationen weitergereicht. Die Tiefenpsychologie spricht da gerne von „archaischen“ Bildern: der Jäger und die Hüterin des Feuers ... Lange gewachsen, tief verankert in unserem (kollektiven und individuellen) Unbewussten. 

Die Bindungsforschung weiß heute, dass es für ein Kind nicht wichtig ist, ob es von Mutter oder Vater betreut wird oder von einer liebevollen Tagesmutter - wichtig ist allein, dass das Kind die Erfahrung einer sicheren Bindung macht. Sprich: ein und dieselbe Bezugsperson (oder zwei davon) sind immer für mich verfügbar und reagieren zuverlässig und angemessen auf meine Bedürfnisse. Das steht aber im Widerspruch zu dem, was die Tiefenpsychologie sehr lange verkündet hat: nämlich dass die Mutter-Kind-Beziehung das einzig Ausschlaggebende und Wichtige sei. 

Und natürlich sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (im Hinblick auf Krippen, kinderfreundliche Betriebe usw.) absolut noch auf das „klassische“ Modell hin orientiert. Was habe ich mich gefreut, als ich neulich einen Beitrag über eine 24-h-Krippe in Berlin gesehen habe - aber leider leben wir ja nicht alle in Berlin, und natürlich ist sie auch komplett überlaufen und die Warteliste endlos. Eine echte Wahl haben Eltern hierzulande noch ganz lange an den wenigsten Orten - sie müssen sich an dem orientieren, was an Angebot in ihrer Nähe vorhanden ist und nicht an dem, wie sie ihr Leben gerne gestalten wollen. Und das in Zeiten, in denen Mobilität das höchste Gut des Arbeitnehmers ist und damit familiäre Ressourcen in Form von Omas, Tanten usw., die auch mal einspringen würden, oft viele hundert Kilometer weit weg sind ...

Und alles das ist es, wenn ich meine, dass wir heute in einer Übergangszeit leben: Explizit - auf dem Papier - heißt es dann, dass alles gleichmäßig verteilt werden soll zwischen Mann und Frau - und dann funken einem unbewusst wieder die übernommenen Rollenvorbilder oder das schlechte Gewissen dazwischen. Oder die Betreuungssituation da, wo man lebt, ist so schlecht, dass sich eine Berufstätigkeit beider nicht realisieren lässt. Oder die Widerstände, auf die man in der Arbeitswelt stößt, wenn man klar macht, dass man eben nicht unbegrenzt Überstunden machen kann, weil die Kita schließt, sind so massiv, dass man Angst um den Arbeitsplatz hat. Oder man bekommt als frisch gebackene Mutter bei der Berufsrückkehr (trotz aller gesetzlichen Vorgaben) geschickt, subtil und gemein so viele Steine in den Weg gelegt (weil der Vorgesetzte Bedenken hat, dass man nicht mehr so zuverlässig und mit so viel Einsatz arbeiten wird wie zuvor), dass man frustriert die Segel streicht - doch, das gibt es, und leider viel zu oft. Die „alten“ Strukturen und Rollenmuster machen es schwer, die „neuen“ Überzeugungen im Alltag auch zu leben. 

Ich wünsche deshalb viel mehr Paaren das, was ich Pioniergeist nenne: das Bewusstsein, dass die jetzige Elterngeneration diejenige ist, die gerade den neuen Pfad aus dem Dschungel schneiden muss. Das ist eine verflixt schwierige Aufgabe und mit jeder Menge Widerständen behaftet, und das sollte man vor sich selbst und vor dem Partner auch so anerkennen. Statt das Problem zu individualisieren („wir kriegen es halt einfach nicht gebacken!“) oder es sich gegenseitig in die Schuhe zu schieben („weil du immer so spät aus dem Geschäft kommst ...“) wäre es sinnvoll, sich als Team gemeinsam dieser Aufgabe zu stellen und zu begreifen, dass ein Großteil der Schwierigkeiten überhaupt nichts mit einem selber oder damit zu tun haben, dass der Partner einem das Leben sauer machen will, sondern damit, dass man gemeinsam auf unerforschtem, höchst unwegsamen Gelände unterwegs ist und nach neuen Wegen erst mal mühsam suchen muss. Dass dabei Rückschläge, Fehlschläge, Blessuren einfach unvermeidlich sind und dazugehören. Dass es aber auch sehr spannend und herausfordernd ist und viele neue Chancen birgt, unentdecktes Land zu betreten. Und dass nachfolgende Generationen es dann zwar vielleicht leichter haben werden, dem markierten Pfad zu folgen, den man selber erst mühsam für sich gefunden und frei gehauen hat. Aber dass man sich heute noch an Roald Amundsen erinnert, weil er der erste war, der den Südpol erreichte (und nicht an die unzähligen anderen, die nach ihm kamen), liegt daran, dass Entdecker nun mal besonderen Respekt und Bewunderung verdienen. Als Dank und Anerkennung für besondere Leistungen. So wie Eltern von heute. Also gönn dir diesen Dank und diese Anerkennung - dir selbst ebenso wie deinem Partner!

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