Die Kraft des Frühlings: Wie Naturrhythmen unser Wohlbefinden beeinflussen



Der Januar ist an uns vorbei geflogen - übermorgen, am zweiten Februar, ist schon Mariä Lichtmess. Eines meiner Lieblingsdaten im Kalender! In meiner Kindheit war dieser Tag verwoben mit allerlei Bauernregeln, die bei uns in der Familie gern und viel zitiert wurden. „Lichtmess im Klee - Ostern im Schnee“, um nur eine davon zu nennen. Über die Zuverlässigkeit derartiger Wettervorhersagen ließ sich dann immer gut streiten!

Die wichtigste Lichtmess-Regel aber betraf den Anstieg der verfügbaren Lichtmenge im Vergleich zur Wintersonnenwende am 21. Dezember: Die Tageslänge, die zu Weihnachten nur um einen „Mückenschritt", zu Neujahr um einen "Hahnentritt", und Dreikönig um einen "Hirschensprung" gewachsen ist, hat bis Lichtmess in unseren Breitengraden nämlich bereits um eine ganze Stunde zugenommen. Und das ist nun ein Effekt, der nicht nur deutlich spür- und wahrnehmbar ist, sondern der sich (im Gegensatz zu den doch eher wackligen Langzeit-Wettervorhersagen) auch jedes Jahr wieder als völlig korrekt erweist!

Der Rhythmus der Natur beeinflusst unser Wohlbefinden und unsere körperliche Verfassung in vieler Hinsicht oft stärker, als uns bewusst ist. Jetzt, an der Schwelle des Frühlings, herrscht überall Aufbruchsstimmung. Die meisten Menschen fühlen sich auch tatsächlich ebenfalls munterer und fröhlicher. Das hat mit ganz konkreten körperlichen Veränderungen zu tun, die die erhöhte Tageslichtmenge in uns auslöst: Unser Puls steigt im Frühjahr; die meisten Menschen schlafen jetzt weniger, und viele haben auch weniger Hunger als im Winter. Deswegen fällt es um diese Jahreszeit auch leichter, ein paar überflüssige Pfunde los zu werden, die uns die vergangenen Monate vielleicht beschert haben. Sogar Kinder wachsen im Frühjahr erwiesenermaßen schneller als im Herbst.

Im Zentrum dieses ganzen Geschehens steht eine kleine Drüse in unserem Gehirn: die Zirbeldrüse. Je mehr Licht sie abbekommt, desto weniger Melatonin produziert sie. Melatonin ist das Hormon, das unseren Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, und weniger Melatonin bedeutet weniger Schläfrigkeit. Außerdem steigt durch die erhöhte Lichtmenge in unserem Gehirn auch der Spiegel des Neurotransmitters Serotonin, das für gute Laune sorgt. Diese beiden Hormonveränderungen beflügeln die meisten von uns im Frühling und schenken uns eine kleine Extradosis Euphorie.

Scheinbar paradoxerweise sind manche Menschen aber gerade jetzt eher müde und antriebslos. Vom Phänomen der „Frühjahrsmüdigkeit“ ist laut Studien jeder zweite Deutsche betroffen (Fun Fact am Rande: das Wort gibt es tatsächlich so nur in unserer Sprache!). Gerade vor allem ältere Menschen und Jugendliche leiden darunter, aber auch Frauen mit niedrigem Blutdruck fühlen sich um diese Jahreszeit häufig schlapp, vielleicht sogar bedrückt. Forscher vermuten, dass der Körper dieser Menschen einfach größere Probleme mit der Anpassung an die stärkeren Temperatur- und Helligkeitsschwankungen hat.

Solltest du betroffen sein: Bewegung, Tageslicht und frische Luft helfen gegen das Frühjahrstief! Reiß deshalb jetzt zwischendurch öfter mal das Fenster auf und lüfte kräftig durch. Mach möglichst jeden Tag (am besten gleich in den Morgenstunden) einen kurzen Spaziergang und sei auch sonst so oft wie möglich draußen aktiv. Selbst an einem bewölkten Tag ist es draußen noch hell genug, um deine Melatonin-Produktion zu drosseln und die Serotonin-Ausschüttung nach oben zu treiben. Und wenn‘s wettertechnisch tatsächlich draußen doch noch mal arg ungemütlich ist: vielleicht gibt es ja in der Nähe irgendwo einen botanischen Garten mit großen Glashäusern, in denen du hell, aber wettergeschützt ein bisschen Licht tanken könntest?