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Mama geht arbeiten - zum Wohl des Kindes!

Vergangene Woche habe ich im TV-Magazin „Mona Lisa“ ein interessantes Interview mit der Psychologieprofessorin Una Röhr-Sendlmeier von der Uni Bonn gesehen, das sich sämtliche Eva-Herman- und Bischof-Mixa-Anhänger(innen) mal dringend hinter den Spiegel stecken sollten. Aus persönlicher Betroffenheit heraus - Anfang der 1990er Jahre war Frau Röhr-Sendlmeier nämlich selbst junge Psychologieprofessorin und dabei schwanger - hat sie eine groß angelegte Studie gestartet, die die Auswirkungen einer Berufstätigkeit der Mutter auf die Entwicklung des Kindes untersuchen sollte. In fünf Jahren untersuchte sie dazu rund 6.000 Familien mit insgesamt 16.000 Personen. Das Ergebnis in drei Worten? Gute Mütter arbeiten!

„Rabenmütter“ werden Frauen gerne bei uns genannt, wenn sie trotz Kindern weiter arbeiten gehen wollen. „Karrieregeil“ kommt gleich als nächstes Schlagwort, vor allem dann, wenn das Kind jünger als drei Jahre ist. Düstere Prophezeiungen, dass sich das früher oder später rächen wird, wabern allenthalben durch die Köpfe - verhaltensauffällige Kinder, jugendliche Straftäter, zerbrochene Familien drohen am Horizont. Ein Kind gehört - zumindest in den ersten drei Lebensjahren - ausschließlich zur Mutter, basta. Alles andere schadet der Mutter-Kind-Beziehung und ist schlecht für die kindliche Entwicklung, so eine weit verbreitete Überzeugung. Vor allem in Deutschland umgibt den Muttermythos eine wahre Gloriole der Unersetzlichkeit und Einzigartigkeit. Dass unsere europäischen Nachbarn wie Frankreich oder Schweden (wo 80 % aller Mütter berufstätig sind, und zwar überwiegend Vollzeit) da längst ganz andere Wege beschritten haben, kümmert uns dabei nicht. Die von der derzeitigen Regierungskoalition beschlossene „Herdprämie“ von 150,- Euro monatlich für jedes Kleinkind, das nicht in die Kita geht, unterstreicht die Dominanz der Ewiggestrigen in unserer Gesellschaft bei diesem Thema.

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Dabei gibt es handfeste wissenschaftliche Belege dafür, dass es Kindern eben gerade nicht guttut, wenn sie nur zuhause von Mami betreut werden. Die Studie von Una Röhr-Sendlmeier ist nur eine davon, aber eine besonders umfassende und überzeugende. Die Ergebnisse sollten nicht nur Eltern zu denken geben, sondern auch Politikern:

Kinder berufstätiger Mütter (egal in welchem Beruf diese arbeiten) sind leistungsbereiter, schaffen bessere Schulabschlüsse und haben damit auch automatisch bessere Berufsaussichten. „Ein hoher Schulabschluss der Mutter, verbunden mit Berufstätigkeit, ist der stärkste Einflussfaktor für die Aufnahme des Kindes in eine Begabtenklasse“, fasst Röhr-Sendlmeier in einem Interview mit „Psychologie Heute“ die Datenlage zusammen. Vor allem die Bereitschaft sich anzustrengen, Selbständigkeit und Teamfähigkeit sind bei Kindern solcher Mütter besser ausgeprägt. Eine Studie in Mecklenburg-Vorpommern ergab: Bei gleicher Schulbildung der Eltern und vergleichbarer Familiensituation besuchten 60 % der Kinder von Vollzeit arbeitenden Müttern das Gymnasium, aber nur 46 % der Kinder von Hausfrauen.

Natürlich haben die Forscher sich auch die Frage gestellt, woran es wohl liegt, dass die Kinder berufstätiger Mütter in der Schule erfolgreicher sind, zumal ein häufig vorgebrachtes Argument der Vollzeitmütter ja das ist, dass sie sich - eben weil sie die ganze Zeit zuhause sind - besser um Hausaufgaben und Förderung ihrer Kinder kümmern können als die häufiger abwesenden „Rabenmütter“. Die überraschenden Antworten:

Offensichtlich - das bestätigte übrigens auch eine finnische Studie 2010 - überträgt sich die mütterliche Leistungsmotivation auf das Kind: je anspruchsvoller die Berufstätigkeit der Mutter, desto bessere Noten brachten auch die Kinder nach Hause.

  • Berufstätige Mütter sind ideale Vorbilder für ihre Kinder in Sachen Organisation, Arbeitshaltung und Arbeits-(bzw. Lern-)Strategien. Die Kinder schauen sich einfach ganz nebenbei von ihnen ab, wie man verschiedene Aufgabenbereiche im Leben optimal managt und lernen, dass das nicht nur möglich ist, sondern sogar Spaß macht.
  • Berufstätige Mütter liefern ihren Kindern vergleichsweise mehr kulturelle und soziale Anregungen als Nur-Mütter (sie gehen z. B. mit ihnen in Museen und Konzerte) - obwohl sie eigentlich ja weniger Zeit dafür haben.
  • Berufstätige Mütter sind intellektuell flexibler, eher auf der Höhe der Zeit, was den Einsatz und die Nutzung von Medien und Technik angeht und investieren bereitwilliger in flankierende Bildungsmaßnahmen wie Auslandsaufenthalte oder Nachhilfestunden ihrer Kinder.
  • Berufstätige Mütter halten eine bessere Balance zwischen Desinteresse und zu starker Kontrolle der Leistungen ihrer Sprösslinge: Beides wirkt sich nämlich erwiesenermaßen gleichermaßen negativ auf die Schulleistungen der Kinder aus. Sie anerkennen die Leistungen ihrer Kinder, ohne sie deswegen zu sehr zu gängeln. Das tut den Kindern gut.
  • Berufstätige Mütter (und hier interessanterweise die Vollzeit-Berufstätigen, noch mehr als die Teilzeit-Berufstätigen!) sind insgesamt zufriedener mit ihrem Leben als Nur-Hausfrauen - obwohl sie teilweise über mehr Stress berichten. Sie sind außerdem - das zeigte eine Studie der Charité in Berlin - psychisch gesünder. Röhr-Sendlmeier dazu im Interview mit „Psychologie Heute“: „Und zufriedene Mütter erziehen, wie unsere Untersuchungen zeigen, demokratischer und weniger autoritär als unzufriedene. Das wiederum schafft bei Kindern ein höheres Selbstwertgefühl.“
Aber nicht nur die Schul- und später die beruflichen Aussichten der Kinder verbessern sich enorm, wenn Mama arbeiten geht. Wie die Studie von Röhr-Sendlmeier weiter zeigte, ist auch die Beziehung zwischen Mutter und Kind meist dann besonders intensiv, wenn die Mutter Vollzeit berufstätig ist. „Die Mutter, die weiß, ich habe weniger Zeit mit meinem Kind, die nutzt sie häufiger, in dem Sinne, dass sie auf das Kind eingeht“, sagt Röhr-Sendlmeier zu diesem Ergebnis. Während die Mutter, die Vollzeit zuhause bleibt, sich eben eher mal mit anderen Sachen beschäftigt als mit ihrem Kind - und sich unter dem Strich dann sogar oft weniger intensiv mit dem Kind auseinandersetzt.

Dazu passt, dass eine Studie des Robert-Koch-Instituts belegen konnte, dass Kinder berufstätiger Mütter auch seelisch gesünder sind. Die Studienleiterin Heike Hölling fasst das Resultat so zusammen: „Wenn die Mütter nur zu Hause sind, haben ihre Kinder ein 3,1-fach erhöhtes Risiko, psychisch auffällig zu werden.“ Wahrscheinlich ist auch dieser Zusammenhang unter anderem einfach auf die höhere Lebenszufriedenheit und eigene psychische Stabilität der berufstätigen Mütter zurückzuführen: Gesunde und stabile Mutter = gesundes und stabiles Kind, so einfach ist die Gleichung wohl.

Der positive Effekt einer berufstätigen Mutter erstreckt sich übrigens auch auf die Paarbeziehung, wie sich nachweisen ließ. Die Männer arbeitender Mütter waren partnerschaftlicher ihnen gegenüber eingestellt und eher egalitären Erziehungsvorstellungen gegenüber aufgeschlossen als die Männer von Nur-Hausfrauen. Interessanterweise kam dies dann wiederum den sprachlichen Kompetenzen von Jungen zugute - und zwar umso mehr, je eher ihre Väter ihnen auch traditionell „weibliche“ Fähigkeiten zutrauten. Und sowohl Jungs als auch Mädchen brachten bessere Leistungen im Fach Mathematik, wenn beide Eltern berufstätig waren. Ein partnerschaftliches Rollenverständnis scheint sich also in vieler Hinsicht günstiger auf die kindlichen Leistungen auszuwirken als ein traditionelles.

Summa summarum lässt sich sagen: Liebe berufstätige Mütter - auch wenn Euer Alltag stressig sein mag und Ihr oft mit organisatorischen Herausforderungen zu kämpfen habt, die eines Topmanagers würdig wären, mit einem solltet Ihr Euch nicht länger herumschlagen: Mit Schuldgefühlen und dem schlechten Gewissen, eine Rabenmutter zu sein! Zumindest eine Rabenmutter in dem Sinne, wie der Begriff umgangssprachlich im Deutschen gebraucht wird. Diese Nutzung ist übrigens ganz genauso falsch wie die Überzeugung, dass Kinder zur Mutter gehören, wenn es ihnen gut gehen soll. Raben sind nämlich keineswegs schlechte Eltern. "Das Gegenteil ist der Fall - eigentlich sollte der Ausdruck Rabenmutter eine Auszeichnung sein", sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). "Raben betreiben eine ausgesprochen intensive Brutpflege und sind vorbildliche Vogeleltern."

Also, liebe berufstätige Mütter, vielleicht tragt Ihr den Titel „Rabenmutter“ ab sofort einfach nicht mehr mit Schuldgefühlen im Herzen, sondern mit Stolz in der Brust! Ihr habt ihn in seiner richtigen Bedeutung nämlich ganz sicher verdient!

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