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Am Anfang war eben nicht das Wort!

Wenn wir an das Stichwort „Kommunikation“ denken, meinen wir in aller Regel das gesprochene, vielleicht auch das geschriebene Wort. Zwischen zwei Menschen ist das aber nur eine der drei Ebenen der Kommunikation - und bei weitem nicht die wichtigste! Schließlich ist die Sprache evolutionsgeschichtlich betrachtet eine relativ späte Erscheinung - kommuniziert wurde schon erheblich früher! Vielleicht hast du selbst auch schon die Erfahrung gemacht, dass man mit einem Blick oder einer Geste oft viel mehr ausdrücken kann, als mit einem ellenlangen Sermon? Oder du hast jemandem dabei zugehört, wie er dir wortreich irgendetwas versicherte, dir dabei aber im Stillen gedacht: „der lügt doch wie gedruckt!“ ? Dann kennst du die beiden anderen Kanäle bereits, auf denen Kommunikation zwischen Menschen noch stattfindet, und um die es heute vor allem gehen soll.

Der Psychologe Paul Watzlawick hat es einmal so ausgedrückt: „Man kann nicht nicht kommunizieren!“ Wenn du mit jemandem zusammen in einem Raum bist, ihm den Rücken zukehrst und kein Wort sagst, dann sprichst du zwar nicht mit dieser Person, du kommunizierst aber trotzdem sehr deutlich eine Botschaft: „Lass mich bloß in Ruhe!“ oder auch „Mit dir will ich nichts zu tun haben!“ Hättest du diese Nachricht in Worte gefasst, hättest du auch die verbale Ebene der Kommunikation genutzt. Lässt du dagegen nur deine Körperhaltung sprechen, bewegst du dich auf der nonverbalen Kommunikationsebene. Sie umfasst alle körperlichen Signale, über die Emotionen, Einstellungen, Zu- oder Abneigungen ausgedrückt werden. Im Regelfall setzen wir sie ein, um unsere verbalen Aussagen zu unterstützen oder zu unterstreichen (z. B. indem wir unsere Mimik und Gestik benutzen). Sie kann aber - wie das obige Beispiel zeigt - sehr wohl auch alleine so einiges an Informationen vermitteln.

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Meist sind unsere nonverbalen Kommunikationssignale sehr direkt und unmittelbar, da sie - außer, wenn wir uns bewusst auf sie konzentrieren - eher unbewusst zustande kommen und daher weniger unserem Willen unterworfen sind als die Sprache. Darum geben nonverbale Signale oft deutlichere - und wahrere! - Hinweise auf das, was wir wirklich meinen, als das gesprochene Wort. Besonders spannend wird das natürlich in dem Moment, wo verbale Information (z. B. „mir geht es bestens, danke!“) und nonverbale Information (z. B. ein unglücklicher Gesichtsausdruck, gebeugte Körperhaltung) irgendwie nicht zusammenpassen wollen. Das lässt uns im Normalfall stutzen, vermutlich würdest du, wenn dir jemand auf diese Weise mitteilt, dass es ihm bestens geht, noch mal nachfragen: „Wirklich?“ Wenn wir nämlich vor die Wahl gestellt sind, wem wir glauben sollen, dem Körperausdruck oder dem gesprochenen Wort, entscheiden wir uns meist instinktiv richtig für den Körper. Die nonverbale Information wird dann als wichtiger und vertrauenswürdiger wahrgenommen als die verbale, wir glauben in so einem Fall das, was wir sehen, nicht das, was wir hören.

Einige der wesentlichsten Elemente der nonverbalen Kommunikation sind:
  • die Körperhaltung (z. B. in welcher Haltung zwei Personen zueinander stehen)
  • Mimik und Gestik (sie können den verbalen Inhalt z. B. als ironisch oder nicht ernst gemeint kennzeichnen, wenn du bei einer Aussage schmunzelst)
  • die Blickrichtung (sie bringt die Kommunikation oft erst in Gang, beispielsweise beim Flirten in einer Kneipe, wo zu Anfang erst einmal lange Blicke getauscht werden, bevor das erste Wort fällt. Blicke können aber noch viel mehr ausdrücken: das ganze Spektrum an Emotionen von Zuneigung bis hin zu Abscheu und Ekel, Dominanz oder Unterwürfigkeit, indem man jemanden provozierend anstarrt oder vielleicht die Augen niederschlägt. Und nicht zuletzt sagt der Blick des anderen viel darüber aus, ob er einem zuhört oder nicht - schweift er mit den Augen ganz woanders umher, langweilt er sich vermutlich gerade zu Tode bei dem, was ich sage, und sucht nach einem Fluchtweg.)
  • Gegenstände (wenn dir ein Mann in einer grünen Uniform und mit einer Polizeimütze auf dem Kopf entgegen kommt, weißt du, bevor er noch den Mund aufgemacht hat, was er für einen Beruf ausübt. Und wenn du ein Fan von Schalke 04 bist und dich plötzlich in einem Pulk von schwarz-gelb gekleideten Menschen vor dem Stadion wiederfindest, weißt du, dass du irgendwie den Anschluss an deine Gruppe verloren hast, auch ohne mit ihnen gesprochen zu haben.)
  • Distanz (wenn du jemanden sehr nahe an dich heranlässt, ihn vielleicht sogar in den Arm nimmst, sagt das genauso etwas aus wie wenn du sorgfältig darauf achtest, dass zwischen euch beiden möglichst immer ein Meter Abstand bestehen bleibt.)

Neben der verbalen und der nonverbalen Ebene gibt es noch eine dritte Ebene der Kommunikation: die paraverbale. Damit sind alle Kommunikationssignale gemeint, die die Stimmmodulation und -lage während des Sprechens betreffen. (Diese Ebene wird von manchen Kommunikationsforschern auch als Unterkategorie der nonverbalen Kommunikation eingestuft.) Du kennst es sicher von dir selbst: wenn wir uns sicher, ruhig und selbstbewusst fühlen, klingt unsere Stimme klar und deutlich; werden wir z. B. nervös oder aggressiv, sprechen wir im Regelfall schneller. Aggression lässt die Stimme auch meist lauter werden, Angst oder Unsicherheit dagegen zeigen sich eher in leiserem, höherem Sprechen oder auch im Verhaspeln. Die Stimmhöhe kann neben Unsicherheit auch Vergnügen oder Glück signalisieren - wahrscheinlich hast auch du schon mal vor Freude gequietscht, als du etwas Schönes geschenkt bekommen hast. Allerdings kann man natürlich auch vor Angst quietschen; um das nachzuvollziehen, braucht man sich nur mal unter den Free-Fall-Tower im Freizeitpark oder neben eine Achterbahn zu stellen. Die paraverbalen Signale sind also nicht immer ganz eindeutig; am leichtesten erkennen Versuchspersonen in Experimenten an der Stimmlage die Emotionen Furcht und Zorn. Das ist evolutionär betrachtet auch sinnvoll; denn es war sicher sehr nützlich, wenn man frühzeitig erkannte, wenn der andere eine Gefahr wahrgenommen hatte (die einen vielleicht auch gleichzeitig bedrohte) oder wütend auf einen war (und man vielleicht besser die Beine in die Hand nahm). Neben diesen emotionalen Informationen liefern uns paraverbale Signale auch noch Hinweise über eine mögliche Gruppenzugehörigkeit unseres Gegenübers - z. B. die Frage, welchen Dialekt er spricht oder ob er aus einem anderen Land stammt und daher mit Akzent spricht. Auch die paraverbalen Signale sind innerhalb einer Kommunikation den verbalen Inhalten im Zweifel deutlich überlegen: wenn dir deine Freundin versichert, sie habe üüüüüberhaupt keine Angst, dabei aber zwei Oktaven höher als sonst und mit zitternder Stimme spricht, weißt du genau, dass sie dir gerade ein X für ein U vormacht. Lügenforscher haben herausgefunden, dass die paraverbalen Signale oft ein ausgezeichneter Hinweis auf bewusste Täuschungsversuche sind. Ein falscher Tonfall, eine falsche Satzmelodie oder falsche Betonung können Experten schnell merken lassen, dass da jemand nicht die Wahrheit sagt.

Die Meinungen darüber, wie zuverlässig nonverbale und paraverbale Signale innerhalb der Kommunikation sind, gehen zwar auseinander - selbstverständlich bieten diese beiden Ebenen jede Menge Möglichkeiten für Fehlinterpretationen oder Missverständnisse -, in einem sind sich aber alle Fachleute einig: instinktiv bewerten wir nonverbale und paraverbale Signale sehr viel höher als verbale. Studien zufolge machen non- und paraverbale Elemente zwischen 60 und 90 % (!) bei der Frage aus, ob uns das, was jemand da gerade verzapft, überzeugt oder nicht.

Wenn dich das Thema interessiert oder du vielleicht selbst ein bisschen was für deine Glaubwürdigkeit (z. B. bei einem Vorstellungsgespräch oder im Job) tun möchtest, könnten dir folgende Übungen Spaß machen:
  • Achte in nächster Zeit mal bei deinen Gesprächspartnern verstärkt auf ihre non- und paraverbalen Signale. Was fällt dir auf? Gibt es Menschen in deinem Umfeld, die hier eher zu inkongruentem (= nicht zusammen passendem) Verhalten neigen als andere? Was vermutest du, woran das liegen könnte?
    Probiere aus, wie du selbst auf andere wirkst, wenn du z. B. den Kopf gerade hältst und dem anderen direkt in die Augen siehst oder wenn du den Blick häufig senkst und den Kopf leicht nach vorne neigst. Welche Reaktionen lösen deine unterschiedlichen Körperhaltungen beim anderen aus?

  • Fühlst du dich das nächste Mal unsicher oder angespannt, achte mal bewusst auf deine Hände. Sie verraten oft als erste, wenn wir uns unwohl fühlen, indem wir mit irgendetwas herumspielen oder uns selbst z. B. am Ohr oder an den Haaren berühren. Willst du das vermeiden, such dir einen Gegenstand, an dem du dich „festhalten“ kannst, damit sie zur Ruhe kommen.

  • Beobachte ein paar Leute, während du das nächste Mal im Café oder in der Kneipe sitzt. Wie könntest du ihre Körperhaltung oder die Art, wie sie sich bewegen, deuten? Geht es ihnen eher gut, eher schlecht? Sind sie gelangweilt, interessiert, müde, aufgeregt, wütend? Woran merkst du das? Spannend ist es auch, flirtende Personen zu beobachten. Wenn du die Chance dazu hast, versuche zu erraten, wer stärker an wem interessiert ist und wie die Sache vermutlich ausgehen wird - mit einem zweiten Date oder eher erfolglos.

  • Spaß kann es - wenn du die Gelegenheit hast - auch machen, sich selbst mal auf Video zu beobachten, während man zum Beispiel einen Vortrag hält oder mit jemandem ein Gespräch führt. Da fallen einem plötzlich jede Menge Dinge auf!

  • Und ein letztes Experiment für deinen nächsten Stadtbummel: Kommunikationswissenschaftler ziehen vier „Ringe“ mit verschiedenen Distanzzonen um Menschen. Die Zonen sind jeweils unterschiedlichen Personenkreisen vorbehalten: bis auf 50 cm lassen wir nur sehr vertraute Menschen gern an uns heran; zwischen einem halben und 1,2 Metern Abstand legen wir zwischen uns und gut bekannte Personen; ist der Kontakt eher unpersönlich und oberflächlich, fühlen wir uns wohler, wenn uns 2,5 bis 3,5 Meter vom anderen trennen und wenn wir jemanden gar nicht kennen, ist es uns am liebsten, wenn er uns nicht näher als etwa dreieinhalb Meter auf den Leib rückt (das nennt man die „öffentliche Distanz“). Dringt nun beispielsweise jemand in unseren „Intimring“ von einem oder gar einem halben Meter ein, der da nicht hin gehört - vielleicht während der Busfahrt im überfüllten Fahrgastraum, im Fahrstuhl oder in einer Schlange vor der Kasse - dann empfinden wir das meist als sehr unangenehm und versuchen alle möglichen Manöver, um auf andere Weise wieder Distanz zwischen uns und den Eindringling zu legen (indem wir beispielsweise den Blickkontakt bewusst vermeiden oder den Walkman aufsetzen). Damit kannst du mal ein bisschen herumexperimentieren: Welche Abstände sind dir persönlich angenehm, welche unangenehm? Welche Personen lässt du eher an dich heran? Gibt es Unterschiede nach Geschlechtszugehörigkeit (lässt du z. B. Gleichgeschlechtliche eher an dich heran oder umgekehrt)? Du kannst auch von dir aus mal ausprobieren, was passiert, wenn du in den „Intimraum“ einer anderen Person einbrichst - wie verhält sie sich?

Wir wünschen dir wie immer viel Spaß beim Beobachten und Ausprobieren!

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