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Gutes Streiten - schlechtes Streiten (Teil 2)

Im ersten Blogbeitrag zum Thema "Gutes Streiten - schlechtes Streiten" hast du ja schon zwei ganz wichtige Grundregeln für gutes Streiten in der Partnerschaft kennen gelernt: einmal Gottmans 5:1-Regel (nach der eine negative Botschaft in der Beziehung immer durch fünf positive wettgemacht werden sollte), und zum anderen die so genannten Ich-Botschaften (im Unterschied zu Du-Botschaften, die meist als Angriff auf die eigene Person wahrgenommen werden und deshalb eher zu einer Streiteskalation führen als zu einer konstruktiven Lösung). Heute nun soll es um ein paar weitere Punkte gehen, die es beim Streiten in der Partnerschaft zu beachten gilt.

Wahrscheinlich kennst du das auch: man beginnt mit einer flüchtig hingeworfenen bissigen Bemerkung über das Frühstücksgeschirr, das der andere (wieder mal!) statt in die Spülmaschine auf die Spülmaschine gestellt hat und findet sich nach fünfzehn zunehmend lauten und anstrengenden Minuten bei Vorwürfen hinsichtlich des Weihnachtsessens vor drei Jahren wieder, zu dem der Partner einen damals nicht begleiten wollte ... Ich kenne Paare, die mit einem Wortwechsel über ein angebranntes Mittagessen anfangen und ruck-zuck zwanzig Jahre gegenseitiger Verfehlungen und Ärgernisse hinterher schieben. Das hat etwas von einem Domino-Effekt; leider keinem guten! Denn so kommt man natürlich nicht unbedingt zu einer sinnvollen und hilfreichen Lösung für ein aktuelles Problem, viel eher wird man sich wütend und genervt übereinander in den jeweiligen Schmollwinkel verziehen.

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Banal, aber essenziell: Wenn du dich mit deinem Partner streitest, achtet darauf, dass ihr beim Thema bleibt! Je konkreter die Situation, über die ihr euch auseinander setzt, desto höher die Chancen, dass unterm Strich ein Ergebnis herauskommt, das den Streit wenigstens sinnvoll macht. Wenn man immer wieder Altes aufwärmt und von Hölzchen zu Stöckchen kommt, weil das so bequeme „Munition“ ist, die man bei jeder Gelegenheit aus der Tasche ziehen kann, zermürbt das eine Beziehung ungemein. Ihr solltet auch darauf achten, Verallgemeinerungen zu vermeiden. Niemand ist „immer“ unpünktlich oder hört „nie“ zu! Solche Vorwürfe zielen nicht auf ein bestimmtes Vorkommnis oder ein klar abgegrenztes Verhalten ab, sondern sind ein Angriff auf die Person des Partners an sich - da muss er mit Gegenvorwürfen reagieren, um sich zu verteidigen! Niemand wird gerne als Ganzes an den Pranger gestellt. Es wird bei deinem Partner ganz anders ankommen, wenn du sagst: „Es hat mich gestört, dass du gestern deine Socken wieder im Wohnzimmer liegen gelassen hast. Bitte räum sie doch weg. Ich brauche einfach Ordnung da, sonst fühle ich mich nicht wohl.“ Auf eine Attacke à la: „Nie kannst du mal dein Zeug aufräumen! Immer muss ich alles hinter dir einsammeln! Deine Unordentlichkeit macht mich wahnsinnig!“ wird er wohl kaum mit einem verständnisvollen: „Ja, Schatz, du hast ganz recht, ich bin einfach unerträglich und werde mich sofort bessern!“ antworten. (Und wenn du ehrlich bist: du im umgekehrten Falle auch nicht, oder?)

Nun ist das natürlich alles wieder mal leichter gesagt als im Alltag umgesetzt. Und manche Dinge haben die hartnäckige Angewohnheit, in Beziehungen wie Wasserleichen immer wieder an die Oberfläche zu drängen, selbst wenn man sich vorgenommen hat, sie endlich ruhen zu lassen. Aber im Streit passiert es dann doch, dass man wieder auf sie zurückgreift. Es sind ja auch so schöne, handliche und jederzeit griffbereite Waffen, die man gegen den Partner einsetzen kann - häufig genug echte Totschläger, die den anderen per schlechtes Gewissen dann blitzschnell ins Unrecht setzen und einem selber einen moralischen Vorteil verschaffen. Wenn das öfter vorkommt, kann es sich lohnen, diese Wasserleichen mal in Ruhe etwas genauer anzuschauen. Oft handelt es sich dabei nämlich um alte Kränkungen, die nie wirklich verziehen wurden oder um Verletzungen, über die zwar ein Pflaster geklebt wurde, die aber nicht gut verheilt sind. Klassiker in dieser Hinsicht sind natürlich oft Seitensprünge, nach denen das Paar mehr oder weniger schnell einfach zur Tagesordnung übergegangen ist, ohne sie wirklich gründlich auszuräumen. Manchmal stammen diese Uralt-Päckchen auch aus den Anfangstagen der Beziehung, als man einander noch nicht gut kannte und vielleicht ohne es zu wollen den anderen mit irgendetwas schwer gekränkt hat. Und sehr beliebt sind auch Konflikte mit der Herkunftsfamilie des jeweils anderen Partners. Aber im Prinzip kann natürlich alles und jedes zur Wasserleiche in der Beziehung werden, wenn man sich genug daran festbeißt. Wie sagen die Hawaiianer so schön? „Energie folgt der Aufmerksamkeit“ - und auf diese Weise kann so eine Wasserleiche ziemlich renitent werden und sich in alle möglichen Diskussionen drängen, in denen sie wirklich nichts verloren hat.

Eine hübsche Paarübung, die diesen Kreislauf unterbrechen kann, habe ich bei George Bach geklaut. Er nennt sie „das Museum der Verletzungen schließen“, wahlweise nenne ich sie auch gerne „Keller aufräumen“. Sie bietet sich in solchen Situationen an, ist aber auch ziemlich anspruchsvoll. Sollten die Wasserleichen im Keller in deiner Beziehung auch ein Problem sein, kannst du ja mal überlegen, ob du sie ausprobieren möchtest:

Jeder von euch sollte dafür für sich eine Liste anfertigen, auf welche Beschuldigungen, Anklagen und alte Kränkungen er in Zukunft verzichten will, d. h. welche von welchen seiner Wasserleichen er sich endgültig zu verabschieden bereit ist. Wenn das zu komplex ist, kann man auch eine Zeitgrenze miteinander vereinbaren und ausmachen, dass z. B. alle alten „Sünden“, die länger als x Jahre oder Monate zurückliegen, auf diese Liste kommen. Anschließend schreibt jeder von euch „seine“ Wasserleichen auf Karteikärtchen - jede bekommt dabei ihr eigenes Kärtchen. Dann setzt ihr euch noch mal zusammen, am besten in etwas feierlicher Form (mit ein paar Kerzen auf dem Tisch und vor allem viel Zeit und Ruhe). Jeder von euch liest abwechselnd eines seiner Kärtchen vor und sagt noch einmal laut und deutlich, was an dieser Situation ihm besonders weh getan hat. Der anderer hört nur zu - es gibt keine Gegenvorwürfe, kein „ja, aber so war‘s doch gar nicht!“ und auch kein genervtes Augenverdrehen oder Luftholen! Ist der Vorlesende fertig, akzeptiert der Zuhörer nur mit einem (immer gleichen) Satz, dass diese Wasserleiche den anderen gequält und gekränkt hat: „Ich anerkenne, dass dir das weh getan hat.“ Dann wechseln die Rollen und der Zuhörer liest eins seiner Kärtchen vor, so lange, bis alle Kärtchen vor euch auf dem Tisch liegen. Seid ihr damit fertig, verabschiedet ihr die Kärtchen und die darauf stehenden „Altlasten“ im Rahmen eines gemeinsamen Rituals, auf das ihr euch vorab einigen solltet: Ihr könnt sie zum Beispiel irgendwo begraben, sie verbrennen, sie eins nach dem anderen den Fluss hinunter schwimmen lassen ... eurer Fantasie sind dabei eigentlich keine Grenzen gesetzt. Das Ritual ist dabei ganz wichtig, es markiert eurer beider Bereitschaft, diese Dinge nun wirklich ruhen zu lassen. Nichts davon wird ab sofort bei welchem Anlass auch immer mehr ausgegraben und dem anderen aufs Butterbrot geschmiert.

Ich habe mit dieser Vorgehensweise schon oft gute Erfahrungen gemacht, weil sie die Möglichkeit bietet, die alten Wunden noch einmal anzuerkennen und zu würdigen, dann aber auch gehen und heilen zu lassen. Bei vielen Paaren hat dieses Ritual viel verändert; schon allein die Bereitschaft, sich noch einmal ohne Verteidigung alles anzuhören, was da in der Seele des Partners vor sich hin schwelt, schafft oft eine ganz neue Atmosphäre zwischen den Beteiligten. Und wenn das Ritual gut gemacht ist - man muss es schon ernst nehmen und es irgendwie feierlich gestalten! -, bringt es im besten Fall viel zur Ruhe.

Natürlich gibt es vielleicht auch die eine oder andere alte Sache, bei der du oder dein Partner schon beim Erstellen der Liste merken: nein, davon kann ich mich einfach nicht trennen! Das kann ich nicht einfach so gehen lassen, dazu ist es noch zu frisch oder auch zu schwer wiegend. Oder aber ihr stellt nach ein paar Monaten (drei Monate sind ein guter Zeitraum, um sich mal zusammen zu setzen und zu prüfen, ob die Wasserleichen jetzt auch wirklich alle da geblieben sind, wo ihr sie gemeinsam hingeschickt habt) fest, dass sich klammheimlich die eine oder andere von ihrem Ruheplatz weg und zurück in eure Diskussionen geschlichen hat - Ritual hin oder her. Diese ganz speziellen Wiedergänger brauchen dann vielleicht noch mal eine Sonderbehandlung: vielleicht erfordert es eine besondere Art der Wiedergutmachtung für diese Verletzung, vielleicht ist es aber auch so, dass sie zu denen gehören, die man einfach nicht aus der Beziehung wegschieben kann, sondern die man irgendwie in die Beziehung integrieren muss. Oder (aber das sind zum Glück nur die seltensten!) sie sind so virulent, dass sie langfristig so viel Ärger machen, bis die Partnerschaft komplett vergiftet und am Ende ist. Aber meiner Erfahrung nach führt die Übung „Keller aufräumen“ auf jeden Fall zu einer deutlichen Veränderung in der Streitkultur zwischen Partnern, und sie lohnt sich eigentlich immer.

Wenn du also Lust hast und das Gefühl, bei euch gammelt da einiges im Keller, was ihr eigentlich nicht mehr braucht, was euch Platz für Neues und Schönes blockiert und worüber ihr immer mal wieder stolpert, dann probier es doch einfach mal aus!

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