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der Psychologin und Buchautorin Felicitas Heyne

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Meine 10 Lebensregeln


Das Thema Glück beschäftigt mich hier auf iPersonic ja immer wieder in all seinen Facetten - und damit auch die Frage, ob es so etwas wie ein „Patentrezept“ fürs Glücklichsein gibt. Diejenigen Leser, die sich schon etwas ausführlicher mit ihrem Persönlichkeitstyp auseinandergesetzt haben (vielleicht sogar den LifeCoach für ihren Typus gelesen haben), wissen bereits, dass es DAS Rezept für ein glückliches Leben in dieser Form nicht geben kann. Dazu sind allein schon die Wünsche, Sehnsüchte und Bedürfnisse verschiedener Persönlichkeitstypen viel zu unterschiedlich - was einen extrovertierten Typus beispielsweise glücklich macht, kann für einen introvertierten den reinen Stress bedeuten und umgekehrt. So betrachtet, muss jeder Mensch für sich selbst herausfinden, welches die Bausteine für seinen ganz persönlichen Glückleitfaden im Leben sind.

Allerdings gibt es eine Handvoll „Glücksbausteine“ - genauer gesagt: zwei Hände voll, es sind nämlich zehn - von denen man mit Fug und Recht sagen kann, dass sie als Leitlinie für wirklich jeden Menschen hilfreich sind. Ganz egal, welchem Persönlichkeitstyp, welcher Nationalität, welchem Geschlecht oder welcher Altersgruppe er angehört. Wenn man es schafft, diese zehn Bausteine zur Basis seines Denkens und Verhaltens werden zu lassen, dann kann man auf ihnen sein ganz eigenes, zufriedenes Leben aufbauen. Und weil ich sie für so fundamental wichtig halte, bin ich geneigt, sie als meine 10 Lebensregeln zu bezeichnen. Hier sind sie - erst einmal alle auf einen Blick und dann noch mal im Einzelnen:

Meine 10 Lebensregeln

  1. Ich achte alles Leben.
  2. Ich bin dankbar.
  3. Ich kann Hilfe annehmen.
  4. Ich bin offen für Neues.
  5. Ich achte auf meinen Körper.
  6. Ich genieße das Leben.
  7. Ich helfe anderen Menschen.
  8. Ich strebe nach innerem Frieden.
  9. Ich liebe und werde geliebt.
  10. Ich bin eins mit der ganzen Welt.
Du kannst diese 10 Lebensregeln auch hier als PDF herunterladen, wenn du sie ausdrucken und irgendwo aufhängen möchtest.

1. Lebensregel: Ich achte alles Leben.

Das ist sozusagen der erste, weil wichtigste Eckpfeiler: die Achtung vor dem Leben im Großen wie im Kleinen. Das nie aufhörende Staunen, Wundern und Be-Wundern, dass es überhaupt so etwas wie Leben im Universum gibt. Nicht umsonst gehört die Frage, warum überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts ist, zu den Grundfragen der abendländischen Metaphysiktradition. Keiner der zahllosen Geistes- und Naturwissenschaftler, die sich seit Jahrtausenden mit ihr befassen, hat sie bisher hinreichend beantworten können. Wahrscheinlich werden wir Menschen es nie können. Allein das sollte Grund genug für uns sein, Leben in jeder seiner Formen nicht als selbstverständlich oder beliebig wahrzunehmen. Weder unser eigenes - das es verdient hat, dass wir es jeden Tag neu nach besten Kräften gestalten und in all seiner Vielfalt auskosten - noch das des Grillhähnchens, das wir uns im Vorbeigehen an der Hähnchenbude mitnehmen. Damit will ich nicht unbedingt sagen, dass du kein Grillhähnchen mehr essen sollst. Vegetarismus ist natürlich eine Möglichkeit, Achtung vor dem Leben zu üben, sicherlich auch eine sehr gute. Man kann aber durchaus auch Fleisch essen und trotzdem Achtung vor dem Leben haben. Was man allerdings nicht kann: ohne zu überlegen jeden Tag Unmengen von Fleisch zu Schleuderpreisen aus Massentierhaltung in sich hineinstopfen und dabei Achtung vor dem Leben haben. Das funktioniert einfach nicht.

„Es tut mir leid, dass ich dich töten musste, kleiner Bruder. Aber ich brauche dein Fleisch, denn meine Kinder hungern. Vergib mir, kleiner Bruder. Ich will deinen Mut, deine Kraft und deine Schönheit ehren - sieh her! Ich hänge dein Geweih an diesen Baum; jedes Mal, wenn ich vorüber komme, werde ich an dich denken und deinem Geist Ehre erweisen. Es tut mir leid, dass ich dich töten musste; vergib mir, kleiner Bruder. Sieh her, dir zum Gedenken rauche ich die Pfeife, verbrenne ich diesen Tabak.“ 

Jimalee Burton oder Ho-chee-nee, eine Cherokee-Indianerin hat dieses Gebet, gerichtet an einen erlegten Hirsch, geschrieben. Es spiegelt genau die Geisteshaltung wieder, um die es in meiner ersten Lebensregel geht, die Ehrfurcht vor dem Leben. Dem eigenen wie dem fremden, dem menschlichen wie dem nicht-menschlichen. Darauf baut alles andere auf.

2. Lebensregel: Ich bin dankbar.

Dankbarkeit ist einer der Schlüssel für ein glückliches und zufriedenes Leben überhaupt. Viel zu oft nehmen wir im Alltag Schönes und Gutes, für das wir dankbar sein können und sollten, gar nicht bewusst wahr. Oder wo steht geschrieben, dass es dein verbrieftes Recht war, heute Morgen aufzuwachen? Vielleicht sogar gesund aufzuwachen? Vielleicht sogar gesund in einem Land aufzuwachen, in dem du dich aktuell weder vor Hunger, Krieg oder Naturkatastrophen besonders fürchten müsstest? Was glaubst du, wie vielen Menschen auf der Welt dieses ganz einfache Glück heute Morgen nicht vergönnt war und vielleicht nie in ihrem Leben vergönnt sein wird? Und ich möchte wetten: Wenn du dir den heutigen Tag etwas genauer ansiehst, wirst du auch darüber hinaus noch eine ganze Menge Dinge finden, für die du dankbar sein könntest - wenn du sie dir bewusst machen und sie nicht als selbstverständlich hinnehmen würdest.

Diese Bewusstheit kann man sehr gut üben, indem man für einen gewissen Zeitraum einmal ein Glückstagebuch führt, in dem man jeden Abend mindestens drei Dinge notiert, für die man heute dankbar sein konnte - von ganz kleinen, wie dem unverhofften Sonnenstrahl in der Mittagspause, bis hin zu ganz großen, wie der Freude über die Zusage für den neuen Job. Wenn man das eine Weile lang konsequent macht, verändert das die eigene Wahrnehmung ebenso wie die Lebenszufriedenheit positiv; das konnte sogar wissenschaftlich nachgewiesen werden (siehe auch meine Artikel "Dankbarkeit macht glücklich" sowie "Glück ist lernbar" bzw. mein Buch "Glücksfitness - das individuelle Training für mehr Lebensfreude").

3. Lebensregel: Ich kann Hilfe annehmen.

Eine ganz wichtige, von vielen völlig unterschätzte, ja sogar manchmal sogar als eher negativ bewertete Fähigkeit. Was Wunder in unserer Zeit, da persönliche Stärke und Erfolg als Maß aller Dinge gelten. Nur keine Schwäche zeigen, nur keine Verwundbarkeit zugeben! Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch, koste es, was es wolle! Dabei ist es ganz unvermeidlich, dass jeder von uns im Laufe seines Lebens immer wieder an Punkte stößt, wo er alleine nicht weiterkommt. Wer dann nicht um Hilfe bitten kann, ist schlecht dran. Stolz, falsch verstandene Eitelkeit, die Angst vor Zurückweisung oder einfach Perfektionismus können einen Menschen davon abhalten, um Hilfe zu bitten.

Aber auch eine ungesunde Selbstüberschätzung oder überhöhte Ansprüche an einen selbst, die einen in der Überzeugung gefangen halten, mit allem alleine fertig werden zu können und zu müssen. Oder die irrige Annahme, dass es „da draußen“ sowieso niemanden gibt, der einem wirklich helfen kann - nur, weil man vielleicht einmal eine schlechte Erfahrung diesbezüglich gemacht hat oder weil man sein Problem für so einzigartig hält. Sich helfen zu lassen heißt in letzter Konsequenz aber immer nur: sich selbst zu helfen. Deshalb ist es kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke und Kompetenz, wenn jemand Hilfe annehmen kann. Und ein Zeichen von Selbstmitgefühl (was etwas anderes ist als Selbstmitleid!) und von guter Selbstfürsorge. Alles sehr wesentliche Bestandteile des Glücks auf Dauer.

4. Lebensregel: Ich bin offen für Neues.

Wir Menschen sind in vieler Hinsicht sehr sicherheitsbedürftige Lebewesen. Neues und Unbekanntes macht vielen von uns erst einmal Angst und löst deshalb instinktiv Abwehr in uns aus. Dabei gibt es nichts Besseres, um das Glückssystem in unserem Gehirn zu aktivieren, als eine neue Erfahrung! Neugierde und die Bereitschaft, sich mit Unbekanntem auseinanderzusetzen, sind wesentliche Bausteine des Glücks, denn wenn wir überraschende Erfahrungen machen wird das Lustsystem in unserem Gehirn aktiviert. Wenn wir etwas Neues ausprobieren oder etwas uns positiv Überraschendes erleben, schüttet unser Gehirn nämlich Glückshormone aus (besonders Dopamin). Wer sich dagegen nur in eingefahrenen Geleisen bewegt und in seinem Leben vor allem das Gewohnte, das Vertraute und die Routine sucht, beraubt sich selbst dieser wichtigen Quelle von Lebenszufriedenheit. Nicht umsonst stellte Stephan Lerner fest: „Das Gegenteil von Glück ist nicht Unglück, sondern Langeweile.“ Immer wieder etwas Neues zu versuchen, bewusst die Gelegenheit für neue Erfahrungen zu schaffen, sich selbst auch immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, das ist ein wichtiges Geheimnis glücklicher Menschen.

Das fängt mit „ungefährlichen“ Kleinigkeiten an: im Restaurant mal ein Gericht auf der Speisekarte bestellen, unter dessen Bezeichnung man sich absolut nichts vorstellen kann. Oder sich vielleicht sogar statt auf den sonstigen All-inclusive-Pauschalurlaub mal auf einen Abenteuertrip einlassen, bei dem man nur Hin- und Rückflug bucht und alles andere vor Ort spontan organisiert. Und es geht hin bis zu den größeren Wagnissen im Leben: den sicheren Job über Bord schmeißen und sich endlich den Traum von der Selbständigkeit erfüllen, den man schon so lange träumt. Sich für den Kurs in der Fremdsprache, den Tanzkurs oder den Lehrgang in Bildender Kunst einschreiben, der einen reizt. Oder das Angebot für die Stelle im Ausland annehmen. Natürlich, auf diese Weise kann man auch einmal auf die Nase fallen und einen Misserfolg einstecken müssen. (Das ist ja gerade der Reiz an der Sache und das, was unser Glückshormonsystem überhaupt anspringen lässt - no risk, no fun.) Unterm Strich wird einem aber eine solche Lebenseinstellung auf jeden Fall mehr Zufriedenheit bringen als die immer gleiche, sichere Alltagsroutine.

5. Lebensregel: Ich achte auf meinen Körper.

Diese Lebensregel beinhaltet verschiedene Aspekte, die aber alle auf eine Erkenntnis abzielen: Du hast nur diesen einen Körper, also tu ihm lieber Gutes als Schlechtes! Das heißt zum Beispiel: Beweg dich regelmäßig - dein Körper ist von der Evolution dazu geschaffen worden, den überwiegenden Teil der Zeit aktiv und in Bewegung zu sein und nicht dafür, stundenlang vor dem Schreibtisch oder dem Fernseher geparkt zu werden. Diesem uns angeborenen Bedürfnis nicht gerecht zu werden, kann richtig problematisch werden, nicht nur, weil Bewegungsmangel zu körperlichen Krankheiten führen kann, sondern auch deshalb, weil Bewegung für die Seele wichtig ist. Studien zeigen beispielsweise, dass regelmäßiges Ausdauertraining von einer halben Stunde dreimal die Woche bei vielen Menschen genauso gut gegen Depressionen hilft wie Medikamente!

Auf seinen Körper zu achten, heißt aber auch: seinen (Warn-)Signalen Aufmerksamkeit schenken. Regelmäßig sinnvolle ärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen, gehört dazu, ebenso wie selbst ein Gespür dafür zu entwickeln, was der Körper einem vielleicht mitzuteilen versucht. Von Christian Morgenstern stammt das Zitat: „Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“ Symptome wie Müdigkeit, Kopf-, Rücken- oder andere Schmerzen, ebenso wie eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte können deshalb Hinweise auf unterdrückte psychische Probleme wie Stress, Trauer, Angst usw. sein. Es ist wichtig, solche Signale nicht einfach zu übergehen, sondern sich über vielleicht notwendige Veränderungen im eigenen Leben Gedanken zu machen.

Und last but not least beinhaltet die sechste Lebensregel natürlich, seinen Körper nicht mit Dingen und Verhaltensweisen zu malträtieren, die ihm schaden. Vor allem der regelmäßige Gebrauch von Suchtmitteln aller Art kann die Anzahl der D2-Rezeptoren im Gehirn reduzieren, an die der Neurotransmitter Dopamin (das bereits erwähnte Glückshormon) andockt. Das macht es dann immer schwieriger, Lebensfreude zu empfinden. Schaden kann man seinem Körper aber auch beispielsweise mit Dingen wie Extremsport, Risikosportarten, Essstörungen, selbstverletzendem Verhalten, riskantem Sexualverhalten etc. Im Zweifel heißt es hier dann: bitte die vierte Lebensregel befolgen und Hilfe suchen und annehmen!

6. Lebensregel: Ich genieße das Leben.

Vielen Menschen fällt es heutzutage wirklich schwer, sich etwas zu gönnen und so richtig von Herzen zu genießen. Der hektische Alltag unserer schnelllebigen Zeit und die Unsitte des Multitaskings (schnell, schnell wird zum Mittagessen ein Brötchen auf dem Weg von A nach B hineingeschlungen; Zeitung oder Buch werden flüchtig während der Bahnfahrt zur Arbeit durchgeblättert, und während des Abendessens läuft nebenher schon der Fernseher) tragen dazu bei, ebenso wie der allgegenwärtige Leistungsdruck und teilweise natürlich auch sehr genussfeindliche Schönheitsideale. Wir haben es verlernt, auf unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse wirklich zu achten und eine gute Balance zwischen Askese und Völlerei zu halten.

Wir nehmen uns viel zu selten die Zeit, die es braucht, um genussvolle Momente wirklich wahrzunehmen. Und wenn wir es doch versuchen, dann steht nur allzu oft unser innerer Kritiker schon in den Startlöchern und verweigert uns die Erlaubnis zum ausgiebigen Genuss ohne Reue. Dabei bieten selbst die kleinen Dinge des Alltags oft viele Möglichkeiten zum Genießen. Überprüfe doch mal deine Umgebung und deinen täglichen Routineablauf: Wo gibt es da kleine Genussinseln? Was kannst du verändern, damit immer wieder ein bisschen Genuss möglich wird? Wer nämlich nur auf den nächsten Urlaub oder etwas ganz Außergewöhnliches wartet, um genießen zu können, ist in Sachen Glücksbilanz schlecht dran! (siehe auch meinen Artikel "Genieß mal wieder").

7. Lebensregel: Ich helfe anderen Menschen.

Eine ganz wichtige Erkenntnis der Glücksforschung lautet: Wenn wir anderen helfen, ist das nicht nur für diese gut, sondern ganz besonders auch für uns selbst. Schon in den 90er Jahren wiesen Forscher der Universität Michigan in einer Studie an über tausend Personen nach, dass Personen, die sich freiwillig in irgendeiner Form für andere Menschen engagierten, sich besonders glücklich und wohl fühlten. Das schlägt sich offenbar sogar in unserer Lebenserwartung nieder: Die freiwilligen Helfer hatten eine um 40 % höhere Chance auf ein langes Leben als jene Probanden, die sich nicht für andere einsetzten!

Wer anderen hilft, fühlt sich gebraucht und verleiht seinem Leben einen Sinn. Das ist ein ganz wichtiges Glückselement für uns Menschen. Das Gefühl, die Welt ein kleines Stückchen besser machen zu können, etwas zu tun, was über die Begrenztheit unseres eigenen kleinen Selbst hinausweist, das ist etwas, was wir vernunftbegabten Lebewesen vor allem angesichts des Wissens um unsere Endlichkeit dringend brauchen. Aktivität schlägt in der menschlichen Glücksbilanz ohnehin immer positiver zu Buche als Nichtstun - wir sind von der Natur einfach nicht dafür konzipiert, unser Leben in einer Hängematte zu vertrödeln.

Es bekommt uns viel besser, wenn wir etwas schaffen können, wenn wir das Gefühl haben, etwas bewegen und erreichen zu können. Das aktiviert dann nämlich wieder das schon sattsam bekannte Belohnungssystem im Gehirn durch die Ausschüttung von Glückshormonen. Einen Nachmittag lang die Katzengehege im Tierheim zu schrubben, Einkäufe für die kranke Nachbarin zu erledigen oder ehrenamtlich die Hausaufgabenbetreuung in der Grundschule zu übernehmen, macht uns deshalb allemal zufriedener, als die x-te Wiederholung von alten „GZSZ“-Staffeln auf dem Sofa anzuschauen. Nicht zu vergessen natürlich den Bonus, den ehrenamtliche Arbeit sehr oft mit sich bringt: das Zusammensein mit anderen netten Menschen, die sich für das gleiche Ziel stark machen wie man selbst. Noch ein ganz wichtiger Glücksfaktor! (siehe auch "Helfen macht glücklich")

8. Lebensregel: Ich strebe nach innerem Frieden.

Diese Lebensregel ist aus gutem Grund ein bisschen „weicher“ formuliert als die sonstigen. Innerer Frieden ist ein Ziel, das in diesem Leben zwar erstrebenswert, aber zugegebenermaßen viel schwerer zu erreichen ist als die anderen neun genannten Ziele. Zumindest auf Dauer und nachhaltig. Menschen wie der Dalai Lama sind diesem Ziel augenscheinlich bestimmt ziemlich nahe, aber ich wage zu vermuten, dass selbst der abgeklärteste und erleuchtetste tibetische Mönch zumindest seine dunklen Minuten hat, in denen er mit dem einen oder anderen Aspekt menschlicher Existenz hadert. Wie viel mehr wir Normalverbraucher in den Niederungen unseres Alltags! Es wäre für die meisten von uns wahrscheinlich schlicht vermessen zu hoffen, dass wir inneren Frieden voll und ganz, auf Dauer und nachhaltig erreichen können. Aber: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen!", lässt Goethe die Engel im „Faust“ singen - das Bemühen als solches ist also schon eine gute Sache. Das gilt auch in Sachen innerem Frieden.

Ein Patentrezept dafür, wie man nach innerem Frieden strebt, ist kaum zu geben. Schließlich sind es oft ganz unterschiedliche Dinge in einem Menschenleben, die diesem inneren Frieden entgegen stehen können, und entsprechend unterschiedlich müssen dann auch die Wege sein, sich mit ihnen auszusöhnen. Zwei Aspekte will ich aber trotzdem herausgreifen, weil sie eigentlich fast jedem Menschen in der einen oder anderen Form helfen können:

Erstens besteht eine ganz wesentliche Voraussetzung für Zufriedenheit und Glück im Leben darin, dass man mit der eigenen Geschichte und Vergangenheit seinen Frieden macht und sie akzeptiert, wie sie ist. Denn man entzieht sich selbst viel Lebensenergie und blockiert sich in seiner Entwicklung, wenn man beispielsweise an früheren negativen Erlebnissen „klebt“, vergangene Kränkungen nicht verzeihen kann oder mit anderen Dingen aus der eigenen Geschichte dauerhaft hadert. Nur, wer es schafft, solche negativen Erfahrungen loszulassen, frei zu werden, die Verantwortung für das eigene Leben im Hier und Jetzt an sich zu nehmen (statt sie auf andere und anderes aus der Vergangenheit zu schieben), kann auch die Kraft entfalten, sein Leben positiv zu gestalten. (siehe auch: http://www.ipersonic.de/blog_files/Frieden-mit-der-Vergangenheit-schliessen-um-frei-fuer-die-Zukunft-zu-werden.html).

Und zweitens ist Meditation ein sehr guter Weg hierfür. Meditation aktiviert und trainiert nachweislich vor allem die linke Stirnhirnseite - je dominanter diese wird, desto besser wird man mit negativen Erlebnissen fertig und desto glücklicher fühlt man sich. Die Zähmung des „Monkey Mind“ - des Geistes, der von einem Gedanken zum nächsten springt wie ein Affe von Baum zu Baum - ist eine gute Möglichkeit, an seinem inneren Frieden zu arbeiten. Wem Meditation in ihrer klassischen Form nicht so zusagt, der kann es auch mit körperbetonteren Techniken wie Tai-Chi oder Qi-Gong versuchen.

9. Lebensregel: Ich liebe und werde geliebt.

Das Gefühl, zu lieben und geliebt zu werden, ist für uns Menschen vielleicht der wichtigste Glückslieferant überhaupt. Wir sind nun mal von Natur aus ein „zoon politicon“, ein Gemeinschaftswesen. Instinktiv sehnen wir uns danach, uns mit anderen verbunden zu fühlen, Liebe, Zuneigung und Wertschätzung zu geben und zurück zu bekommen. Familie, Freunde und Lebenspartner sind deswegen das kostbarste Gut, das wir haben (auch, wenn sie uns manchmal herzlich auf die Nerven gehen!). Ein Mensch, der sich einsam fühlt, hat statistisch betrachtet ein doppelt erhöhtes Risiko, im nächsten Jahr zu sterben. Einsamkeit schadet der Gesundheit genauso stark wie der Konsum von 15 Zigaretten am Tag oder wie Alkoholmissbrauch. Und sogar stärker, als Übergewicht und Bewegungsarmut. Umgekehrt wirken positive soziale Kontakte stressreduzierend, gesundheitsfördernd und deutlich lebensverlängernd.

Übrigens sind laut den Forschungsergebnissen zu diesem Thema virtuelle Kontakte kein Ersatz für ein soziales Netzwerk im realen Leben. 439 Freunde bei Facebook bringen deine Glücks-Bilanz also leider keine 439 Punkte nach vorne. Liebe, die glücklich machen soll, muss im echten Leben gelebt werden ...

10. Ich bin eins mit der ganzen Welt.

Unser grösster Hindernis auf dem Weg zum Glück sind wir selbst. Oder besser gesagt: unser Selbst. Gemeint ist dieses „Ich“ welches wir in unserer westlichen Kultur wie in einer Prozession vor uns hertragen. Plötzlich hat mein Ich einen Marktwert, den ich durch Ego-Marketing und Ego-Branding erhöhen kann. Vielleicht verdiene ich meine Brötchen ja auch als „Ich-AG“ oder versuche, mich selbst möglichst optimal am Partnermarkt zu platzieren. Wie auch immer, ständig kreisen unsere Gedanken um dieses Ich und wie man es möglichst sinnvoll und gewinnbringend durch seine Lebenszeit steuern kann. Ständig gilt es zu hinterfragen, welche Erwartungen Gesellschaft und Wirtschaft an dieses Ich knüpfen. Ich empfinde das Gefühl, meine Person zu besitzen und werde letztlich doch von meiner Person besessen. Um es mit Erich Fromm zu sagen:

„Mein Besitz - das bin dann ich. Alles, was ich besitze, einschliesslich meines Wissens, meines Körpers, meines Gedächtnisses, macht mein Ich aus. Mein Selbst ist dann ein „Selbst“, das sich an meine Person als ein Ding, als einen Besitz klammert. Ein Mensch mit dieser Einstellung ist in Wirklichkeit ein Gefangener seiner selbst, der eingesperrt und daher unausweichlich voller Angst und ohne Glück ist. Um ein echtes Gefühl seiner Selbst zu erlangen, muss er aus seiner Person ausbrechen. Er darf sich nicht länger an sich selbst als ein Ding klammern. Er muss lernen, sich selbst im Prozess des kreativen Antwortens zu erleben; das Paradoxe dabei ist, dass er bei diesem Prozess des Sich-selbst-Erlebens sich selbst verliert. Er transzendiert dann die Grenzen seiner eigenen Person, und im gleichen Augenblick, in dem er das Gefühl hat «ich bin» hat er auch das Gefühl «ich bin eins mit der ganzen Welt».“

Für den genannten „Prozess des kreativen Antwortens“ gibt es leider keinen vorgegebenen Weg. Man kann den passenden Kontext in einer Religion, in der Philosophie oder einer bestimmten spirituellen Ausrichtung finden. Wichtig ist, sich auf den Weg zu machen. Auf den Web des Sich-selbst-Erlebens und -Verlierens. Denn dieses Verlieren bietet einen unermesslichen Gewinn.

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